Sie Wollen überholen Was Steht Dem Entgegen
Okay, Hand aufs Herz: Wer von uns hat sich nicht schon mal im Auto gesessen, vor sich eine Blechlawine, und innerlich gefleht: "Bitte, lass mich hier raus! Lass mich überholen!" Das Gefühl, festzustecken, ist universell. Aber was genau steht eigentlich zwischen uns und der ersehnten Freiheit der Überholspur?
Manchmal ist es offensichtlich. Eine kurvenreiche Landstraße, wo jeder Überholversuch einem russischen Roulette gleicht. Oder ein brummiger LKW-Fahrer, der kategorisch jede Lücke zum Überholen verweigert – ein Phänomen, das wir liebevoll als "Elefantenrennen" bezeichnen. Dann wissen wir: Hier ist Geduld gefragt.
Aber oft sind die Hindernisse subtiler, psychologischer. Da wäre zum Beispiel die berüchtigte "Angst vor dem Gegenverkehr". Wir sehen ein entgegenkommendes Auto in weiter Ferne, das in unseren Augen gefühlt mit Überschallgeschwindigkeit näherkommt. Rationell betrachtet wäre das Überholen problemlos möglich, aber das Unterbewusstsein schreit: "Tu's nicht! Es ist eine Falle!" Und so bleiben wir brav hinter dem Traktor, der mit gefühlten 15 km/h die Apfelernte nach Hause transportiert.
Oder kennen Sie das Gefühl, wenn Sie sich endlich zum Überholen entschlossen haben, den Blinker setzen, ausscheren – und genau in diesem Moment gibt der Vordermann plötzlich Gas? War das Absicht? Eine hinterhältige Taktik, um uns zu demütigen? Vermutlich nicht. Wahrscheinlicher ist, dass er einfach nur im selben Moment realisiert hat, dass er auch mal schneller fahren könnte. Aber der Frust bleibt.
Ein weiteres Hindernis ist die "Überhol-Etikette", die oft unausgesprochen existiert. Man soll den Überholten nicht schneiden, nicht zu lange auf der Überholspur bleiben und natürlich hinterher kurz hupen, um sich zu bedanken (oder um seinem Ärger Ausdruck zu verleihen, je nach Temperament). Diese ungeschriebenen Gesetze können den Überholvorgang unnötig verkomplizieren. Und wer hält sich eigentlich wirklich daran?
Wenn Technik zum Hindernis wird
Heutzutage spielen auch technische Faktoren eine Rolle. Moderne Autos sind vollgepackt mit Assistenzsystemen, die uns das Fahren eigentlich erleichtern sollen. Aber manchmal werden sie zu pingeligen Besserwissern. Der Spurhalteassistent, der uns kurz vor dem Überholen sanft zurück in die Spur drängt, weil er fälschlicherweise annimmt, wir würden abdriften. Oder der Müdigkeitswarner, der uns nach einer erfolgreichen Überholaktion mit einer Tasse Kaffee belohnt, weil er unsere erhöhte Herzfrequenz als Anzeichen von Überanstrengung interpretiert.
Und dann gibt es noch die Navigationssysteme. Die freundliche Stimme, die uns kurz vor einer potenziell gefährlichen Überholstelle warnt: "Achtung, unübersichtliche Kurve." Danke, Navi, das hatte ich auch gesehen! Aber die Zweifel sind gesät. Vielleicht ist es doch besser, hier nicht zu überholen. Schließlich weiß das Navi ja angeblich alles besser. Stimmt ja nur nicht immer.
Die Ironie der Geschichte ist, dass die meisten Hindernisse beim Überholen hausgemacht sind. Unsere Unsicherheit, unsere Angst, unsere übertriebene Vorsicht. Oftmals hindern wir uns selbst mehr am Überholen als die tatsächlichen Umstände. Und vielleicht ist das auch gar nicht so schlecht. Denn manchmal ist es wichtiger, sicher anzukommen als schnell. Obwohl… diese verdammten Traktoren!
Ein bisschen Humor hilft aber immer. Stellen wir uns vor, wir wären in einem Zeichentrickfilm. Der Traktor vor uns verwandelt sich in ein lächelndes, tanzendes Gemüse. Der Gegenverkehr weicht wie von Geisterhand aus. Und wir gleiten elegant auf der Überholspur dahin, begleitet von fröhlicher Musik. Klingt doch gut, oder?
Also, das nächste Mal, wenn Sie sich in einer Situation befinden, in der Sie unbedingt überholen wollen und sich fragen, Was Steht Dem Entgegen, denken Sie daran: Es ist oft mehr in unserem Kopf als auf der Straße. Bleiben Sie gelassen, bewahren Sie Ihren Humor und überholen Sie mit Köpfchen. Und wenn alles nichts hilft, dann atmen Sie tief durch und genießen Sie die Landschaft. Manchmal ist das Ankommen das Ziel, ganz egal wie langsam.
