Ab Wann übernimmt Plazenta Progesteron
Die Plazenta übernimmt die Hauptverantwortung für die Progesteronproduktion etwa ab der 9. bis 10. Schwangerschaftswoche. Vor diesem Zeitpunkt ist das Corpus Luteum, auch Gelbkörper genannt, der Hauptproduzent von Progesteron.
Der Übergang ist ein gradueller Prozess. Das Corpus Luteum produziert weiterhin Progesteron, aber die Plazenta übernimmt zunehmend die Kontrolle. Die vollständige Übernahme der Progesteronproduktion durch die Plazenta ist typischerweise um die 12. Schwangerschaftswoche abgeschlossen. Dieser Zeitpunkt kann jedoch leicht variieren.
Die Progesteronproduktion ist essentiell für den Erhalt der Schwangerschaft. Progesteron unterdrückt die Kontraktionen der Gebärmutter, wodurch eine vorzeitige Wehentätigkeit verhindert wird. Es unterstützt auch den Aufbau und die Erhaltung der Gebärmutterschleimhaut, die für die Einnistung und Ernährung des Embryos unerlässlich ist.
Ein wichtiger Aspekt der plazentaren Progesteronproduktion ist ihre Unabhängigkeit von LH (Luteinisierendes Hormon). Das Corpus Luteum benötigt LH, um Progesteron zu produzieren. Die Plazenta hingegen kann Progesteron ohne LH produzieren. Diese Fähigkeit ist entscheidend, da die LH-Spiegel nach der Frühphase der Schwangerschaft sinken.
Die Plazenta nutzt Cholesterin aus dem mütterlichen Blutkreislauf als Ausgangsstoff für die Progesteronsynthese. Die Plazenta wandelt dieses Cholesterin in Pregnenolon um, welches dann in Progesteron umgewandelt wird. Dieser Prozess ist hoch effizient und stellt sicher, dass genügend Progesteron für die Aufrechterhaltung der Schwangerschaft vorhanden ist.
Ein Beispiel: Eine Frau mit einer Gelbkörperschwäche könnte in den ersten Wochen der Schwangerschaft Progesteronpräparate benötigen. Sobald die Plazenta jedoch ihre Funktion übernimmt, kann die Progesteronsubstitution in der Regel reduziert oder ganz eingestellt werden, natürlich immer in Absprache mit dem behandelnden Arzt oder der behandelnden Ärztin.
Ein weiteres Beispiel: Bei einer Untersuchung der Progesteronwerte in der frühen Schwangerschaft kann der Arzt oder die Ärztin den Fortschritt der Plazentafunktion beurteilen. Sinkende Progesteronwerte trotz fortgeschrittener Schwangerschaft können auf Probleme mit der Plazenta hindeuten und erfordern weitere Untersuchungen.
Die Kenntnis des Zeitpunkts der plazentaren Progesteronübernahme ist wichtig für die medizinische Betreuung während der Schwangerschaft. Es hilft Ärztinnen und Ärzten, die Notwendigkeit einer Progesteronsubstitution richtig einzuschätzen und mögliche Komplikationen frühzeitig zu erkennen. Die Überwachung der Progesteronwerte und die Beurteilung der Plazentafunktion tragen somit zu einer gesunden Schwangerschaft bei.
