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Actio Libera In Causa Schema


Actio Libera In Causa Schema

Die Actio Libera In Causa (ALIC), wörtlich "freie Handlung in der Ursache", ist ein Rechtsprinzip, das sich mit Situationen befasst, in denen eine Person, obwohl sie zum Zeitpunkt der Begehung einer Straftat nicht schuldfähig war (z.B. aufgrund von Trunkenheit oder psychischer Erkrankung), sich durch eine vorherige, freie und verantwortliche Handlung in diesen Zustand versetzt hat. Das Prinzip besagt, dass diese Person trotzdem strafrechtlich zur Verantwortung gezogen werden kann, da die Ursache für die spätere Straftat in ihrem freien Willen lag.

Anwendungsbereiche der Actio Libera In Causa

ALIC wird typischerweise in Fällen angewendet, in denen eine Person:

  • Sich vorsätzlich oder fahrlässig in einen Zustand der Schuldunfähigkeit versetzt.
  • Während dieser Schuldunfähigkeit eine Straftat begeht.
  • Die Schuldunfähigkeit mit der Absicht herbeigeführt hat, eine Straftat zu begehen (dolus antecedens, Vorsatz in Bezug auf die spätere Tat).
  • Die Schuldunfähigkeit herbeigeführt hat, ohne die Absicht, eine Straftat zu begehen, aber dennoch hätte erkennen können, dass dies wahrscheinlich ist (culpa in causa, Fahrlässigkeit in Bezug auf die Herbeiführung des Zustandes).

Vereinfacht gesagt: Wenn du dich absichtlich oder leichtsinnig betrinkst und dann etwas Dummes tust, kannst du trotzdem bestraft werden, auch wenn du im Moment der Tat nicht "ganz bei Sinnen" warst.

Phasenweiser Ablauf mit Beispielen

Hier ist ein schrittweiser Blick auf die Anwendung von ALIC:

Phase 1: Die freie Handlung (Actio Libera)

  • Definition: Dies ist die vorherige Handlung, die die Schuldunfähigkeit verursacht.
  • Beispiel: Max beschliesst, eine ganze Flasche Wodka zu trinken, obwohl er weiss, dass er aggressiv wird, wenn er betrunken ist.
  • Wichtiger Punkt: Die Handlung muss freiwillig und verantwortlich sein. Das bedeutet, dass Max bewusst und ohne Zwang gehandelt hat.

Phase 2: Der Zustand der Schuldunfähigkeit (In Causa)

  • Definition: Der Zustand der verminderten oder fehlenden Schuldfähigkeit, der durch die vorherige Handlung verursacht wurde.
  • Beispiel: Max ist nun stark betrunken und nicht mehr in der Lage, sein Verhalten zu kontrollieren. Seine kognitiven Fähigkeiten sind stark beeinträchtigt.
  • Wichtiger Punkt: Die Schuldunfähigkeit muss tatsächlich vorliegen. Es reicht nicht aus, nur betrunken zu sein. Es muss eine erhebliche Beeinträchtigung der Steuerungsfähigkeit vorliegen.

Phase 3: Die Straftat (Actio)

  • Definition: Die Handlung, die eine Straftat darstellt, während die Person sich im Zustand der Schuldunfähigkeit befindet.
  • Beispiel: In seinem betrunkenen Zustand schlägt Max einen Passanten ohne ersichtlichen Grund nieder.
  • Wichtiger Punkt: Die Straftat muss kausal mit dem Zustand der Schuldunfähigkeit verbunden sein. Das bedeutet, dass die Schuldunfähigkeit zumindest eine Bedingung für die Begehung der Straftat war.

Spezifische Szenarien und ihre Bewertung

  • Dolus Antecedens (Vorsatz): Max plant, jemanden zu verprügeln. Er trinkt sich bewusst Mut an, um seine Hemmungen abzubauen. Hier liegt ein Vorsatz vor der Tat vor. ALIC wird mit hoher Wahrscheinlichkeit angewendet, und Max wird für die Körperverletzung bestraft.
  • Culpa In Causa (Fahrlässigkeit): Max weiss, dass er unter Alkoholeinfluss aggressiv wird. Trotzdem trinkt er viel Alkohol. Er hat zwar nicht geplant, jemanden zu verletzen, aber er hat fahrlässig gehandelt, indem er das Risiko eingegangen ist. Auch hier kann ALIC angewendet werden, wobei die Strafe möglicherweise milder ausfällt als bei Vorsatz.
  • Unvorhersehbare Reaktion: Max trinkt Alkohol, ohne zu wissen, dass er allergisch darauf reagiert und einen psychotischen Schub erleidet. In diesem Zustand begeht er eine Straftat. Hier wird ALIC in der Regel nicht angewendet, da die Reaktion unvorhersehbar war und Max nicht fahrlässig gehandelt hat.

Zusammenfassung

Die Actio Libera In Causa ist ein wichtiges Instrument, um zu verhindern, dass sich Personen durch vorsätzliche oder fahrlässige Herbeiführung von Schuldunfähigkeit der Strafverfolgung entziehen. Sie stellt sicher, dass Personen für ihr Verhalten zur Verantwortung gezogen werden, auch wenn sie zum Zeitpunkt der eigentlichen Straftat nicht voll schuldfähig waren, solange die Ursache der Tat in ihrem freien Willen lag.

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