Angst Vor Der Angst Fachbegriff
Haben Sie jemals Angst vor der Angst selbst gehabt? Ein beklemmendes Gefühl, das sich nicht auf eine konkrete Bedrohung bezieht, sondern auf die Möglichkeit, Angst zu empfinden? Dieses Phänomen, in der Psychologie als Angst vor der Angst bekannt, ist weit verbreiteter als viele denken und kann das Leben der Betroffenen erheblich beeinträchtigen.
Was ist Angst vor der Angst (Antizipatorische Angst)?
Der Fachbegriff Angst vor der Angst, oder auch antizipatorische Angst, beschreibt die Angst vor dem Auftreten von Angstsymptomen selbst. Es ist also keine Furcht vor einer bestimmten Situation oder einem Objekt, sondern die Furcht vor den körperlichen und psychischen Reaktionen, die mit Angst einhergehen – beispielsweise Herzrasen, Schwindel, Atemnot oder Kontrollverlust.
Stellen Sie sich vor, Sie hatten einmal in einem vollen Bus eine Panikattacke. Die Erfahrung war schrecklich, und seitdem vermeiden Sie Busfahrten. Das ist verständlich. Doch nun haben Sie nicht nur Angst vor dem Busfahren selbst, sondern auch vor der Möglichkeit, erneut eine Panikattacke im Bus zu erleiden. Diese Furcht vor der Wiederholung, diese Angst vor der Angst, kann dazu führen, dass Sie Ihren Bewegungsradius immer weiter einschränken.
Die zentralen Merkmale der Angst vor der Angst:
- Fokus auf körperliche Symptome: Die Aufmerksamkeit richtet sich stark auf körperliche Empfindungen, die als Vorboten einer Angstattacke interpretiert werden.
- Vermeidungsverhalten: Situationen, die in der Vergangenheit Angst ausgelöst haben oder mit ihr in Verbindung gebracht werden, werden gemieden.
- Katastrophisieren: Die Betroffenen malen sich die schlimmsten Szenarien aus und befürchten, die Kontrolle zu verlieren oder hilflos zu sein.
- Hypervigilanz: Erhöhte Aufmerksamkeit für potenzielle Auslöser von Angst.
Wie entsteht Angst vor der Angst?
Die Entstehung der Angst vor der Angst ist oft ein Teufelskreis. Eine ursprüngliche Angsterfahrung, beispielsweise eine Panikattacke, kann zu einem Gefühl der Hilflosigkeit und Kontrollverlust führen. Dieses Gefühl prägt sich ein und die Betroffenen entwickeln eine übermäßige Sorge, dass sich die Angst wiederholen könnte.
Diese Sorge führt zu einer erhöhten Aufmerksamkeit auf körperliche Empfindungen. Kleine Veränderungen im Körpergefühl werden als Anzeichen einer drohenden Angstattacke interpretiert, was die Angst weiter verstärkt. Dieser Kreislauf aus Sorge, Aufmerksamkeit und Angst kann sich immer weiter verselbstständigen und zu chronischer Angst führen.
Faktoren, die die Entstehung der Angst vor der Angst begünstigen können:
- Frühere Angsterfahrungen: Menschen, die bereits unter Angststörungen leiden oder traumatische Erfahrungen gemacht haben, sind anfälliger.
- Perfektionismus und hohe Erwartungen an sich selbst: Der Druck, immer alles im Griff zu haben, kann die Angst vor Kontrollverlust verstärken.
- Neigung zum Katastrophisieren: Eine pessimistische Denkweise und die Tendenz, negative Ereignisse überzubewerten.
- Mangelnde Bewältigungsstrategien: Fehlende Fähigkeiten, mit Angst umzugehen.
Die Auswirkungen auf den Alltag
Die Angst vor der Angst kann das Leben der Betroffenen stark einschränken. Das Vermeidungsverhalten führt dazu, dass sie sich immer mehr zurückziehen und soziale Kontakte vernachlässigen. Sie meiden bestimmte Orte, Aktivitäten oder sogar Menschen, aus Angst, eine Angstattacke zu erleben. Dies kann zu sozialer Isolation, Depressionen und einem Verlust an Lebensqualität führen.
Die ständige Angst und Anspannung können auch körperliche Beschwerden verursachen, wie beispielsweise:
- Chronische Müdigkeit
- Schlafstörungen
- Muskelverspannungen
- Magen-Darm-Probleme
Langfristig kann die Angst vor der Angst zu einer erheblichen Beeinträchtigung der psychischen und physischen Gesundheit führen.
Was können Sie tun? Bewältigungsstrategien und Therapie
Glücklicherweise gibt es verschiedene Strategien und Therapieansätze, die Ihnen helfen können, die Angst vor der Angst zu bewältigen:
- Psychotherapie:
Eine kognitive Verhaltenstherapie (KVT) ist oft die erste Wahl bei der Behandlung von Angst vor der Angst. In der KVT lernen Sie, Ihre negativen Gedanken und Verhaltensmuster zu erkennen und zu verändern. Sie werden auch lernen, sich Ihren Ängsten zu stellen (Expositionstherapie), um die Vermeidung aufzugeben und neue, positive Erfahrungen zu machen.
- Achtsamkeitstraining:
Achtsamkeit hilft Ihnen, im gegenwärtigen Moment präsent zu sein und Ihre körperlichen Empfindungen und Gedanken wertfrei zu beobachten. Dies kann Ihnen helfen, die Angstspirale zu durchbrechen und Ihre Angst besser zu regulieren.
- Entspannungstechniken:
Techniken wie progressive Muskelentspannung, autogenes Training oder Atemübungen können Ihnen helfen, Stress abzubauen und Ihre körperliche Anspannung zu reduzieren.
- Selbsthilfe:
Es gibt viele Bücher, Artikel und Online-Ressourcen, die Ihnen Informationen und Tipps zur Bewältigung von Angst vor der Angst bieten können. Der Austausch mit anderen Betroffenen in Selbsthilfegruppen kann ebenfalls sehr hilfreich sein.
- Medikamentöse Behandlung:
In einigen Fällen kann eine medikamentöse Behandlung, beispielsweise mit Antidepressiva, sinnvoll sein, um die Angstsymptome zu lindern. Dies sollte jedoch immer in Absprache mit einem Arzt erfolgen.
Konkrete Tipps für den Alltag:
- Führen Sie ein Angsttagebuch: Notieren Sie, wann und wo Sie Angst verspüren, welche Gedanken und Gefühle Sie haben und welche körperlichen Symptome auftreten. Dies kann Ihnen helfen, Ihre Angst besser zu verstehen und Muster zu erkennen.
- Konfrontieren Sie sich schrittweise mit Ihren Ängsten: Beginnen Sie mit kleinen Schritten und steigern Sie sich langsam. Vermeiden Sie es nicht, sondern stellen Sie sich der Angst, auch wenn es schwerfällt.
- Achten Sie auf eine gesunde Lebensweise: Ausreichend Schlaf, eine ausgewogene Ernährung und regelmäßige Bewegung können Ihre psychische Gesundheit stärken und Ihre Angst reduzieren.
- Suchen Sie professionelle Hilfe: Wenn Sie das Gefühl haben, Ihre Angst nicht alleine bewältigen zu können, scheuen Sie sich nicht, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.
"Angst ist ein schlechter Ratgeber." - Unbekannt
Die Angst vor der Angst ist eine Herausforderung, aber sie ist überwindbar. Indem Sie sich informieren, sich professionelle Hilfe suchen und aktiv an Ihrer Bewältigung arbeiten, können Sie Ihre Angst besiegen und ein erfüllteres Leben führen. Denken Sie daran: Sie sind nicht allein! Viele Menschen erleben die Angst vor der Angst und es gibt Wege, damit umzugehen. Sie können das schaffen!
Es ist wichtig zu betonen, dass jeder Mensch anders ist und die beste Behandlungsstrategie individuell auf Ihre Bedürfnisse zugeschnitten sein sollte. Zögern Sie nicht, verschiedene Ansätze auszuprobieren, um herauszufinden, was für Sie am besten funktioniert.
Dieser Artikel soll Ihnen einen ersten Überblick über die Angst vor der Angst geben und Ihnen Mut machen, sich aktiv mit Ihrer Angst auseinanderzusetzen. Wenn Sie unter Angst leiden, suchen Sie bitte professionelle Hilfe. Es gibt viele Menschen, die Ihnen helfen können.
