Arzt Schiebt Immer Alles Auf Die Psyche
"Arzt schiebt immer alles auf die Psyche" – dieser Satz ist eine häufige Klage von Patienten, die das Gefühl haben, ihre körperlichen Beschwerden werden von Ärzten nicht ernst genommen und stattdessen pauschal als psychisch bedingt abgetan. Es beschreibt eine Situation, in der Ärzte körperliche Symptome, deren Ursache nicht sofort ersichtlich ist, vorschnell der Psychosomatik zuschreiben, ohne eine gründliche körperliche Untersuchung durchzuführen oder andere mögliche Ursachen in Betracht zu ziehen.
Diese Tendenz kann verschiedene Ursachen haben. Zeitdruck in der Praxis, fehlende diagnostische Möglichkeiten oder auch eine Überzeugung, dass ein großer Teil der Beschwerden ohnehin psychosomatisch ist, können dazu beitragen. Allerdings kann eine solche Vorgehensweise dazu führen, dass tatsächlich vorliegende organische Erkrankungen übersehen werden und Patienten unnötig leiden.
Wie man damit umgeht: Ein schrittweiser Ansatz
Wenn Sie das Gefühl haben, dass Ihr Arzt Ihre Beschwerden zu schnell auf die Psyche schiebt, können Sie folgende Schritte unternehmen:
Phase 1: Vorbereitung und Selbstreflexion
- Dokumentieren Sie Ihre Symptome detailliert: Führen Sie ein Symptomtagebuch. Notieren Sie, wann die Symptome auftreten, wie intensiv sie sind, was sie auslöst oder lindert und welche Begleiterscheinungen es gibt. Je genauer Ihre Beschreibung, desto besser kann der Arzt sich ein Bild machen. Beispiel: "Kopfschmerzen seit drei Wochen, treten hauptsächlich am Nachmittag auf, verstärken sich bei Bildschirmarbeit, werden besser nach einer kurzen Pause."
- Überdenken Sie Ihre psychische Verfassung ehrlich: Sind Sie momentan besonders gestresst? Haben Sie private oder berufliche Probleme? Sind Sie depressiv oder ängstlich? Dies ist wichtig, um dem Arzt ein vollständiges Bild zu vermitteln, aber es sollte nicht die Ursache aller Ihrer Beschwerden sein.
- Recherchieren Sie Ihre Symptome (vorsichtig!): Informieren Sie sich online über mögliche Ursachen Ihrer Symptome. Achten Sie dabei auf seriöse Quellen wie die Patienteninformationen des Robert-Koch-Instituts oder der Bundesärztekammer. Vermeiden Sie es, sich selbst zu diagnostizieren, aber sammeln Sie Informationen, um gezielte Fragen an den Arzt zu stellen.
Phase 2: Das Gespräch mit dem Arzt
- Beschreiben Sie Ihre Symptome präzise und sachlich: Legen Sie den Fokus auf die körperlichen Beschwerden. Verwenden Sie Ihr Symptomtagebuch als Gedächtnisstütze. Beispiel: "Ich habe seit Wochen einen stechenden Schmerz in der Brust, der unabhängig von Belastung auftritt. Er wird nicht durch Bewegung ausgelöst und verschwindet auch nicht von selbst."
- Fragen Sie nach möglichen körperlichen Ursachen: Drängen Sie auf eine gründliche körperliche Untersuchung. Fragen Sie explizit, welche organischen Ursachen ausgeschlossen werden müssen. Beispiel: "Könnten diese Bauchschmerzen eventuell von einer Entzündung im Darm kommen? Welche Untersuchungen wären notwendig, um das auszuschließen?"
- Sprechen Sie Ihre Bedenken offen an: Formulieren Sie, dass Sie das Gefühl haben, Ihre Beschwerden werden zu schnell auf die Psyche geschoben. Sagen Sie beispielsweise: "Ich verstehe, dass Stress eine Rolle spielen kann, aber ich möchte sichergehen, dass keine körperliche Ursache übersehen wird."
- Bitten Sie um eine Zweitmeinung: Wenn Sie weiterhin unsicher sind, scheuen Sie sich nicht, eine Zweitmeinung von einem anderen Arzt einzuholen. Viele Krankenkassen übernehmen die Kosten für eine Zweitmeinung.
Phase 3: Weiterführende Schritte
- Bestehen Sie auf notwendigen Untersuchungen: Wenn der Arzt keine weiteren Untersuchungen für notwendig hält, obwohl Sie weiterhin Beschwerden haben, fragen Sie nach, warum. Dokumentieren Sie die Begründung.
- Wechseln Sie den Arzt: Wenn Sie sich von Ihrem Arzt nicht ernst genommen fühlen oder das Vertrauensverhältnis gestört ist, ist es ratsam, den Arzt zu wechseln.
- Suchen Sie professionelle psychologische Hilfe: Sollten körperliche Ursachen ausgeschlossen worden sein und Ihre Beschwerden tatsächlich psychosomatisch bedingt sein, ist eine Psychotherapie oder psychologische Beratung eine sinnvolle Option. Dies ist kein Zeichen von Schwäche, sondern ein Schritt zur Verbesserung Ihrer Lebensqualität.
- Informieren Sie sich über Patientenrechte: Kennen Sie Ihre Rechte als Patient. Sie haben das Recht auf eine umfassende Aufklärung über Ihre Erkrankung und die Behandlungsmöglichkeiten.
Es ist wichtig, selbst aktiv zu werden und sich für die eigene Gesundheit einzusetzen. Seien Sie kritisch, aber auch kooperativ im Gespräch mit Ihrem Arzt. Eine gute Kommunikation und ein partnerschaftliches Verhältnis sind entscheidend für eine erfolgreiche Behandlung.
