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Auktorialer Erzähler Und Personaler Erzähler


Auktorialer Erzähler Und Personaler Erzähler

Verwirrt von all den Fachbegriffen der Literaturwissenschaft? Keine Sorge, das geht vielen so! Besonders die Unterscheidung zwischen auktorialem und personalem Erzähler kann anfangs knifflig sein. Aber keine Panik! Wir nehmen dich an die Hand und erklären es ganz einfach, damit du zukünftig Romane und Geschichten mit einem völlig neuen Blickwinkel lesen kannst.

Viele denken, die Erzählperspektive sei nur etwas für Germanistik-Studenten. Aber weit gefehlt! Die Erzählperspektive bestimmt maßgeblich, wie wir eine Geschichte erleben, wie wir uns mit den Figuren identifizieren und welche Informationen uns überhaupt zugänglich sind. Stell dir vor, du schaust einen Film: Ist die Kamera nah an den Figuren dran oder eher distanziert? Genau das gleiche Prinzip gilt für die Erzählperspektive.

Manche argumentieren, es sei doch egal, wer die Geschichte erzählt, solange sie spannend ist. Aber das ist wie zu sagen, es sei egal, wer ein Gericht kocht, solange es schmeckt. Der Koch – in unserem Fall der Erzähler – prägt das Ergebnis entscheidend!

Der auktoriale Erzähler: Der allwissende Beobachter

Der auktoriale Erzähler ist wie ein allwissender Geist, der über der Handlung schwebt. Er weiß alles über die Figuren, ihre Gedanken, Gefühle, ihre Vergangenheit und sogar ihre Zukunft. Er kennt die Zusammenhänge und kann Kommentare abgeben, die über das hinausgehen, was die Figuren selbst wissen.

Merkmale des auktorialen Erzählers:

  • Allwissenheit: Er kennt die Gedanken und Gefühle aller Figuren.
  • Überblick: Er kennt die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.
  • Kommentarfunktion: Er kann die Handlung kommentieren und bewerten.
  • Distanz: Er steht außerhalb der Handlung und ist nicht Teil der Geschichte.
  • Wechselnde Perspektiven: Er kann die Perspektive beliebig wechseln.

Stell dir vor, du liest ein Buch über eine Familie. Der auktoriale Erzähler könnte sagen: "Lisa dachte, sie sei glücklich, aber tief im Inneren nagte ein Zweifel an ihr." Oder: "Hätte Peter gewusst, was diese Entscheidung für Konsequenzen haben würde, er hätte anders gehandelt." Das sind Informationen, die wir nur durch den auktorialen Erzähler erhalten.

Ein beliebtes Beispiel für einen Roman mit auktorialem Erzähler ist "Krieg und Frieden" von Leo Tolstoi. Der Erzähler kennt die innersten Gedanken und Beweggründe aller Charaktere und kommentiert die historischen Ereignisse aus einer übergeordneten Perspektive.

Der Vorteil: Ein umfassendes Bild

Der Vorteil des auktorialen Erzählers liegt darin, dass er dem Leser ein umfassendes Bild der Geschichte vermitteln kann. Wir erfahren Hintergründe, Zusammenhänge und die inneren Kämpfe der Figuren, die uns sonst verborgen bleiben würden. Der Erzähler kann uns lenken und uns zeigen, worauf es wirklich ankommt.

Der Nachteil: Distanz und Manipulation

Der Nachteil ist, dass die Distanz des Erzählers dazu führen kann, dass wir uns den Figuren weniger nahe fühlen. Außerdem kann der Erzähler uns durch seine Kommentare manipulieren und unsere Sichtweise beeinflussen. Wir müssen uns bewusst sein, dass wir die Geschichte durch die Brille des Erzählers sehen.

Der personale Erzähler: Mittendrin im Geschehen

Der personale Erzähler hingegen ist Teil der Geschichte. Er erzählt die Handlung aus der Sicht einer bestimmten Figur. Wir erleben die Welt durch ihre Augen, kennen ihre Gedanken und Gefühle, aber nicht die der anderen Figuren.

Merkmale des personalen Erzählers:

  • Begrenzte Perspektive: Er erzählt die Geschichte aus der Sicht einer bestimmten Figur.
  • Subjektivität: Er schildert die Ereignisse so, wie sie die Figur wahrnimmt.
  • Einblick in die Gedankenwelt: Er gibt Einblick in die Gedanken und Gefühle der Figur.
  • Kein Allwissen: Er kennt nicht die Gedanken und Gefühle der anderen Figuren.
  • Identifikation: Der Leser kann sich leichter mit der Figur identifizieren.

Stell dir vor, du liest ein Tagebuch. Die Einträge sind aus der Perspektive des Tagebuchschreibers verfasst. Wir erfahren, was er erlebt, was er denkt und fühlt, aber nicht, was die anderen Personen in seinem Leben denken oder fühlen. Das ist das Prinzip des personalen Erzählers.

Ein bekanntes Beispiel für einen Roman mit personalem Erzähler ist "Die Leiden des jungen Werther" von Johann Wolfgang von Goethe. Der Roman wird in Form von Briefen erzählt, die Werther an seinen Freund Wilhelm schreibt. Wir erleben die Geschichte ausschließlich aus Werthers Perspektive und erfahren seine innersten Gedanken und Gefühle.

Der Vorteil: Nähe und Authentizität

Der Vorteil des personalen Erzählers liegt in der Nähe und Authentizität, die er erzeugt. Wir tauchen in die Gedankenwelt der Figur ein und erleben die Geschichte hautnah mit. Wir können uns leichter mit der Figur identifizieren und ihre Entscheidungen nachvollziehen.

Der Nachteil: Begrenzte Sichtweise

Der Nachteil ist die begrenzte Sichtweise. Wir erfahren nur, was die Figur weiß und erlebt. Wir können die Situation möglicherweise nicht vollständig erfassen, da uns Informationen aus anderen Perspektiven fehlen. Es besteht die Gefahr, dass wir eine einseitige Sichtweise entwickeln.

Auktorial vs. Personal: Ein konkretes Beispiel

Nehmen wir an, eine Figur namens Anna betritt einen Raum. Ein auktorialer Erzähler könnte schreiben: "Anna betrat den Raum. Sie war nervös, obwohl sie es sich nicht anmerken ließ. Peter, der bereits im Raum war, bemerkte ihre Anspannung sofort, beschloss aber, nichts zu sagen."

Ein personaler Erzähler (aus Annas Sicht) würde schreiben: "Ich betrat den Raum. Ich hoffte, meine Nervosität war mir nicht anzusehen. Peter stand schon da. Er sah mich an, aber ich konnte seine Miene nicht deuten."

Der Unterschied ist deutlich: Der auktoriale Erzähler weiß, was Anna fühlt und was Peter denkt. Der personale Erzähler kennt nur Annas Gedanken und kann Peters Verhalten nur interpretieren.

Manche Autoren wechseln zwischen auktorialem und personalem Erzähler, um die Vorteile beider Perspektiven zu nutzen. Dies kann jedoch verwirrend sein, wenn es nicht klar gekennzeichnet ist.

Warum ist das alles wichtig?

Die Wahl der Erzählperspektive hat einen enormen Einfluss darauf, wie wir eine Geschichte erleben. Sie bestimmt, welche Informationen wir erhalten, wie wir uns mit den Figuren identifizieren und wie wir die Handlung interpretieren. Wenn du die Unterschiede zwischen auktorialem und personalem Erzähler kennst, kannst du Romane und Geschichten viel bewusster lesen und die Intentionen des Autors besser verstehen.

Stell dir vor, du liest einen Krimi. Wenn der Erzähler auktorial ist und von Anfang an den Täter kennt, wird der Spannungsbogen anders aufgebaut, als wenn der Erzähler personal ist und wir mit dem Detektiv gemeinsam auf Spurensuche gehen. Die Wahl der Erzählperspektive ist ein zentrales Gestaltungselement des Romans.

Das Verständnis der Erzählperspektive hilft dir auch, Filme und andere Medien kritischer zu betrachten. Auch hier wird durch die Kameraführung und die Art und Weise, wie die Geschichte erzählt wird, eine bestimmte Perspektive eingenommen.

Also, das nächste Mal, wenn du ein Buch in die Hand nimmst, achte bewusst auf die Erzählperspektive. Ist es ein allwissender Erzähler, der über der Handlung schwebt, oder eine Figur, durch deren Augen wir die Welt sehen? Und wie beeinflusst diese Wahl dein Leseerlebnis?

Welchen Roman mit auktorialem oder personalem Erzähler hast du zuletzt gelesen und wie hat die Erzählperspektive deine Wahrnehmung der Geschichte beeinflusst? Teile deine Gedanken!

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