Bei Fieber Zudecken Oder Nicht Erwachsene
Fieber ist eine unangenehme Begleiterscheinung vieler Krankheiten. Man fühlt sich schlapp, zittrig und hat oft das Gefühl, innerlich zu glühen. In solchen Momenten stellt sich oft die Frage: Sollte man sich warm einpacken, um das Fieber "auszuschwitzen", oder ist es besser, sich kühl zu halten? Diese Frage ist gar nicht so einfach zu beantworten und hängt von verschiedenen Faktoren ab.
Viele von uns erinnern sich an die Ratschläge unserer Großmütter: "Bei Fieber musst du schwitzen!". Doch was steckt wirklich dahinter? Und ist dieser Ratschlag für Erwachsene immer noch aktuell?
Was passiert im Körper bei Fieber?
Fieber ist keine Krankheit an sich, sondern ein Symptom. Es ist eine natürliche Reaktion des Körpers auf eine Infektion oder Entzündung. Der Körper erhöht seine Temperatur, um die Vermehrung von Krankheitserregern wie Viren und Bakterien zu hemmen. Stell dir vor, es ist wie ein interner "Heizungs-Boost", um die Eindringlinge zu bekämpfen.
Der Hypothalamus im Gehirn fungiert dabei als Thermostat. Er setzt die Körpertemperatur auf einen höheren Wert. Dies führt zu:
- Muskelzittern (Schüttelfrost), um Wärme zu erzeugen.
- Verengung der Blutgefäße in der Haut, um Wärmeverlust zu reduzieren.
- Erhöhte Stoffwechselaktivität, um mehr Energie und somit Wärme zu produzieren.
Sobald die Infektion unter Kontrolle ist, versucht der Körper, die Temperatur wieder zu senken. Dies geschieht durch Schwitzen und Erweiterung der Blutgefäße in der Haut, wodurch Wärme abgegeben wird.
Zudecken oder nicht: Was sagt die Wissenschaft?
Die alte Weisheit vom "Ausschwitzen" durch starkes Zudecken ist aus medizinischer Sicht nicht uneingeschränkt empfehlenswert. Der Grund dafür ist, dass der Körper bereits alles tut, um die Temperatur zu erhöhen. Ihn zusätzlich daran zu hindern, Wärme abzugeben, kann zu einer Überhitzung führen, die den Kreislauf unnötig belastet.
Eine Studie aus dem Jahr 2016, veröffentlicht im "Journal of Critical Care", untersuchte die Auswirkungen von Decken auf Patienten mit Fieber in einem intensivmedizinischen Umfeld. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass eine moderate Kühlung (nicht zu verwechseln mit Unterkühlung!) in einigen Fällen hilfreich sein kann, um die Körpertemperatur zu senken und das Wohlbefinden zu verbessern. Wichtig hierbei ist, die individuellen Bedürfnisse des Patienten zu berücksichtigen.
Was bedeutet das konkret?
Zu Beginn des Fiebers, wenn du Schüttelfrost hast und dich fröstelst, ist es durchaus sinnvoll, dich warm zuzudecken. Der Körper versucht in dieser Phase, die Temperatur zu erhöhen, und du kannst ihn dabei unterstützen, indem du dich wohlfühlst.
Später, wenn das Fieber seinen Höhepunkt erreicht hat und du dich heiß fühlst und schwitzt, solltest du dich nicht unnötig warm einpacken. Leichte, atmungsaktive Kleidung und eine leichte Decke sind dann besser geeignet. Es geht darum, dem Körper die Möglichkeit zu geben, Wärme abzugeben.
Praktische Tipps für den Umgang mit Fieber
Hier sind einige praktische Tipps, die dir helfen können, das Fieber zu lindern und dich wohler zu fühlen:
1. Temperaturkontrolle
Messe regelmäßig deine Temperatur. Notiere dir die Werte, um den Verlauf des Fiebers zu beobachten. Ein plötzlicher Temperaturanstieg oder -abfall kann wichtige Informationen liefern. Am besten eignet sich hierfür ein digitales Thermometer, das rektal, oral oder unter der Achselhöhle angewendet werden kann. Beachte die Gebrauchsanweisung des Thermometers.
2. Flüssigkeitszufuhr
Trinke ausreichend. Fieber führt zu Flüssigkeitsverlust durch Schwitzen. Dehydration kann das Fieber verschlimmern und zu weiteren Komplikationen führen. Trinke Wasser, Tee (Kamille, Holunderblüte, Lindenblüte sind gut geeignet) oder verdünnte Säfte. Vermeide zuckerhaltige Getränke, da diese den Körper zusätzlich belasten können.
3. Kühlende Maßnahmen
Wadenwickel können helfen, die Körpertemperatur zu senken. Tränke ein Tuch in lauwarmem Wasser (nicht eiskalt!) und wickle es um die Waden. Wechsle die Wickel alle 15-20 Minuten, sobald sie sich erwärmt haben. Achte darauf, dass du nicht frierst.
Kühle Umschläge auf der Stirn oder im Nacken können ebenfalls wohltuend sein.
Lüfte den Raum regelmäßig, um für eine angenehme Temperatur zu sorgen.
4. Leichte Kost
Iss leichte Kost. Der Körper braucht Energie, um das Fieber zu bekämpfen. Wähle leicht verdauliche Speisen wie Suppen, Brühen, Zwieback oder Obst. Vermeide fettige und schwere Speisen, da diese den Körper zusätzlich belasten können.
5. Ruhe und Entspannung
Ruhe dich aus. Gönne deinem Körper die Ruhe, die er braucht, um sich zu erholen. Vermeide körperliche Anstrengung und Stress. Schlafe ausreichend.
6. Fiebersenkende Medikamente
Fiebersenkende Medikamente wie Paracetamol oder Ibuprofen können helfen, das Fieber zu senken und die Beschwerden zu lindern. Beachte jedoch die Dosierungsanleitung und konsultiere im Zweifelsfall einen Arzt oder Apotheker. Fiebersenkende Mittel sollten nicht routinemäßig eingenommen werden, sondern nur, wenn das Fieber sehr hoch ist oder die Beschwerden unerträglich sind. Das Ziel ist nicht, das Fieber komplett zu unterdrücken, sondern es auf ein erträgliches Maß zu reduzieren.
7. Wann zum Arzt?
Suche einen Arzt auf, wenn:
- Das Fieber länger als drei Tage anhält.
- Das Fieber sehr hoch ist (über 40°C).
- Du unter starken Begleiterscheinungen leidest, wie z.B. Kopfschmerzen, Nackensteifigkeit, Atemnot, Brustschmerzen, Bauchschmerzen oder Hautausschlag.
- Du dich sehr schwach fühlst oder Schwierigkeiten hast, dich zu orientieren.
- Du an einer chronischen Erkrankung leidest.
Besonders wichtig: Bei kleinen Kindern ist ein Arztbesuch oft früher ratsam. Im Zweifelsfall lieber einmal zu viel als zu wenig zum Arzt gehen!
Mythen und Fakten rund um das Fieber
Es gibt viele Mythen rund um das Thema Fieber. Lass uns einige davon genauer unter die Lupe nehmen:
- Mythos: Fieber ist immer gefährlich.
Fakt: Fieber ist in den meisten Fällen eine natürliche und hilfreiche Reaktion des Körpers. Es ist erst dann gefährlich, wenn es sehr hoch ist oder lange anhält. - Mythos: Man muss das Fieber immer senken.
Fakt: Fiebersenkende Medikamente sollten nur eingesetzt werden, wenn das Fieber sehr hoch ist oder die Beschwerden unerträglich sind. Ein leichtes Fieber kann den Heilungsprozess sogar unterstützen. - Mythos: Fieber kann zu Hirnschäden führen.
Fakt: Fieber führt bei gesunden Erwachsenen normalerweise nicht zu Hirnschäden. In sehr seltenen Fällen kann es bei extrem hohem Fieber (über 42°C) zu Komplikationen kommen. - Mythos: Man kann das Fieber "ausschwitzen".
Fakt: Starkes Zudecken, um das Fieber "auszuschwitzen", kann den Körper überhitzen und den Kreislauf belasten.
Fazit
Die Frage, ob man sich bei Fieber zudecken sollte oder nicht, lässt sich nicht pauschal beantworten. Es ist wichtig, auf die individuellen Bedürfnisse des Körpers zu hören und die Begleitumstände zu berücksichtigen. Zu Beginn des Fiebers, wenn man friert, ist es sinnvoll, sich warm zuzudecken. Später, wenn das Fieber seinen Höhepunkt erreicht hat, sollte man sich nicht unnötig warm einpacken, um dem Körper die Möglichkeit zu geben, Wärme abzugeben. Achte auf ausreichend Flüssigkeitszufuhr, leichte Kost und Ruhe. Konsultiere im Zweifelsfall einen Arzt.
Letztendlich ist es wichtig, sich selbst gut zu beobachten und auf die Signale des Körpers zu achten. Fieber ist ein Zeichen, dass der Körper kämpft. Gib ihm die Unterstützung, die er braucht, um wieder gesund zu werden.
