Blutung Nach Geburt Hört Nicht Auf
Postpartale Hämorrhagie, oder Blutung nach der Geburt, die nicht aufhört, ist definiert als ein übermäßiger Blutverlust nach der Entbindung. Sie tritt typischerweise innerhalb von 24 Stunden nach der Geburt auf (primäre postpartale Hämorrhagie), kann aber auch bis zu 12 Wochen danach auftreten (sekundäre postpartale Hämorrhagie). Eine solche anhaltende Blutung ist ein medizinischer Notfall, der sofortige Aufmerksamkeit erfordert.
Ein Hauptaspekt ist die Menge des Blutverlusts. Mehr als 500 ml Blut nach einer vaginalen Geburt oder mehr als 1000 ml Blut nach einem Kaiserschnitt gelten als postpartale Hämorrhagie. Allerdings ist die Schätzung des Blutverlusts oft ungenau, daher sind andere Symptome entscheidend. Starke Blutungen, die die Kleidung durchnässen oder große Blutklumpen, sind Warnzeichen.
Es gibt verschiedene Ursachen für postpartale Hämorrhagie. Die häufigste Ursache ist die Uterusatonie, bei der sich die Gebärmutter nach der Geburt nicht ausreichend zusammenzieht. Dies führt dazu, dass die Blutgefäße, die die Plazenta versorgt haben, offen bleiben und stark bluten. Weitere Ursachen sind Verletzungen des Geburtskanals (z.B. Risse im Muttermund, in der Vagina oder im Perineum), zurückgehaltene Plazentareste und Blutgerinnungsstörungen.
Die Diagnose wird in der Regel klinisch gestellt. Ärzte beurteilen die Menge des Blutverlusts, den Zustand der Gebärmutter und suchen nach Anzeichen von Verletzungen. Zusätzliche Tests, wie z.B. ein Blutbild zur Bestimmung des Hämoglobinspiegels und Gerinnungstests, können durchgeführt werden, um die Ursache zu ermitteln und den Schweregrad der Blutung zu beurteilen. Manchmal ist eine Ultraschalluntersuchung erforderlich, um Plazentareste auszuschließen.
Die Behandlung hängt von der Ursache der Blutung ab. Bei Uterusatonie werden Medikamente wie Oxytocin, Misoprostol oder Methylergometrin verabreicht, um die Kontraktion der Gebärmutter zu fördern. Eine Massage der Gebärmutter kann ebenfalls helfen. Bei Verletzungen des Geburtskanals werden diese genäht. Retinierte Plazentareste müssen manuell oder operativ entfernt werden. In schweren Fällen kann eine Bluttransfusion erforderlich sein. In seltenen Fällen sind invasive Eingriffe wie eine Uterusarterienembolisation oder eine Hysterektomie (Entfernung der Gebärmutter) notwendig.
Beispiel 1: Eine Frau erlebt nach einer vaginalen Geburt starke Blutungen, die ihre Binde in weniger als einer Stunde durchnässen. Ihre Gebärmutter fühlt sich weich und nicht zusammengezogen an. Dies deutet auf eine Uterusatonie hin, die mit Oxytocin und Massage behandelt wird. Beispiel 2: Eine andere Frau entwickelt einige Tage nach einem Kaiserschnitt starke Blutungen. Eine Ultraschalluntersuchung zeigt Plazentareste in der Gebärmutter, die operativ entfernt werden müssen.
Präventive Maßnahmen können helfen, das Risiko einer postpartalen Hämorrhagie zu verringern. Dazu gehören die aktive Leitung der Nachgeburtsphase (Verabreichung von Oxytocin nach der Geburt des Kindes), die sorgfältige Inspektion der Plazenta, um sicherzustellen, dass sie vollständig ist, und die frühzeitige Erkennung und Behandlung von Risikofaktoren wie Anämie oder Mehrlingsschwangerschaften.
Die frühzeitige Erkennung und Behandlung einer Blutung nach der Geburt, die nicht aufhört, ist entscheidend, um schwerwiegende Komplikationen wie Schock, Organversagen und sogar Tod zu verhindern. Die Überwachung des Blutverlusts, die Beurteilung der Vitalfunktionen der Mutter und die sofortige Einleitung geeigneter Maßnahmen sind unerlässlich, um das Leben der Mutter zu retten. Es ist eine wichtige Anwendung in der Geburtshilfe, die die Sicherheit und das Wohlbefinden der Mütter nach der Geburt gewährleistet.
