Break Even Point Berechnen Beispiel
Viele Selbstständige und Unternehmer stehen vor der gleichen Frage: "Ab wann schreibe ich schwarze Zahlen?" Oder anders formuliert: "Wie viele Produkte muss ich verkaufen, um meine Kosten zu decken?" Die Antwort auf diese Fragen liegt im Break-Even-Point, auch Gewinnschwelle genannt. Viele scheuen sich vor der Berechnung, weil sie kompliziert erscheint. Aber keine Sorge, wir erklären es Schritt für Schritt und anhand eines Beispiels.
Warum ist der Break-Even-Point so wichtig? Stellen Sie sich vor, Sie eröffnen ein Café. Sie haben wunderschöne Tische, die beste Kaffeemaschine und freundliches Personal. Aber wissen Sie auch, wie viele Tassen Kaffee Sie täglich verkaufen müssen, um Miete, Strom, Gehälter und die Kaffeebohnen zu bezahlen? Wenn nicht, tappen Sie im Dunkeln. Der Break-Even-Point hilft Ihnen, genau das zu bestimmen und Ihre Preisgestaltung, Marketingstrategien und Kostenkontrolle entsprechend anzupassen. Er ist ein entscheidender Faktor für den Erfolg Ihres Unternehmens.
Was ist der Break-Even-Point?
Der Break-Even-Point ist der Punkt, an dem Ihre Gesamtkosten genau Ihren Gesamterlösen entsprechen. Mit anderen Worten: Sie machen weder Gewinn noch Verlust. Alles, was Sie danach verkaufen, generiert Gewinn. Alles davor bedeutet Verlust. Es ist wie ein Wendepunkt, der darüber entscheidet, ob Sie im roten oder grünen Bereich liegen.
Die Formel zur Berechnung
Die Formel zur Berechnung des Break-Even-Points ist eigentlich recht simpel, wenn man sie aufschlüsselt:
Break-Even-Point (in Stück) = Fixkosten / (Verkaufspreis pro Stück - variable Kosten pro Stück)
Lassen Sie uns die einzelnen Bestandteile genauer betrachten:
- Fixkosten: Das sind Kosten, die unabhängig von der Produktionsmenge anfallen. Denken Sie an Miete, Gehälter (für festangestellte Mitarbeiter), Versicherungen, Abschreibungen oder Leasingraten. Egal, ob Sie ein Produkt oder hundert verkaufen, diese Kosten bleiben gleich.
- Variable Kosten: Diese Kosten variieren mit der Produktionsmenge. Beispiele sind Materialkosten, Rohstoffe, Provisionen oder Energiekosten, die direkt mit der Produktion zusammenhängen. Je mehr Sie produzieren, desto höher sind die variablen Kosten.
- Verkaufspreis pro Stück: Das ist der Preis, den Sie für ein einzelnes Produkt oder eine Dienstleistung verlangen.
Die Differenz zwischen dem Verkaufspreis pro Stück und den variablen Kosten pro Stück wird als Deckungsbeitrag bezeichnet. Der Deckungsbeitrag gibt an, wie viel jede verkaufte Einheit zur Deckung der Fixkosten beiträgt.
Break-Even-Point Berechnen: Ein Beispiel
Nehmen wir an, Sie betreiben einen kleinen Online-Shop, der handgemachte Kerzen verkauft.
Ihre Kostenstruktur sieht wie folgt aus:
- Fixkosten pro Monat:
- Miete für Lagerraum: 500 €
- Software-Abonnement für den Online-Shop: 50 €
- Gehalt für Aushilfe (Teilzeit): 450 €
- Versicherungen: 100 €
- Gesamte Fixkosten: 1100 €
- Variable Kosten pro Kerze:
- Wachs: 2 €
- Docht: 0,50 €
- Duftstoffe: 1 €
- Verpackungsmaterial: 0,50 €
- Gesamte variable Kosten: 4 €
- Verkaufspreis pro Kerze: 12 €
Berechnung des Break-Even-Points:
Break-Even-Point (in Stück) = 1100 € / (12 € - 4 €)
Break-Even-Point (in Stück) = 1100 € / 8 €
Break-Even-Point (in Stück) = 137,5
Das bedeutet, Sie müssen 138 Kerzen pro Monat verkaufen, um Ihre Kosten zu decken. Ab der 139. Kerze beginnen Sie, Gewinn zu erwirtschaften.
Was, wenn Sie den Break-Even-Point in Euro wissen wollen?
Um den Break-Even-Point in Euro zu berechnen, multiplizieren Sie den Break-Even-Point in Stück mit dem Verkaufspreis pro Stück.
Break-Even-Point (in Euro) = 137,5 Stück * 12 €/Stück
Break-Even-Point (in Euro) = 1650 €
Sie müssen also einen Umsatz von 1650 € pro Monat erzielen, um Ihre Kosten zu decken.
Was tun, wenn der Break-Even-Point zu hoch ist?
Was aber, wenn Sie feststellen, dass Ihr Break-Even-Point unrealistisch hoch ist? Keine Panik! Es gibt verschiedene Strategien, um ihn zu senken:
- Fixkosten senken: Können Sie die Miete für Ihren Lagerraum verhandeln? Gibt es günstigere Software-Alternativen? Können Sie Aufgaben automatisieren, um Personalkosten zu sparen? Jede Einsparung bei den Fixkosten senkt den Break-Even-Point.
- Variable Kosten senken: Können Sie günstigere Rohstoffe beziehen oder mit Ihren Lieferanten bessere Konditionen aushandeln? Können Sie Verpackungsmaterialien reduzieren oder optimieren? Die Reduzierung der variablen Kosten erhöht Ihren Deckungsbeitrag.
- Verkaufspreis erhöhen: Ist Ihr Verkaufspreis angemessen? Können Sie ihn erhöhen, ohne Kunden zu verlieren? Eine Preiserhöhung erhöht Ihren Deckungsbeitrag und senkt den Break-Even-Point. Achtung: Dies sollte gut überlegt sein, da es die Nachfrage beeinflussen kann.
- Umsatz steigern: Konzentrieren Sie sich auf Marketing und Vertrieb, um mehr Kunden zu gewinnen und mehr Produkte zu verkaufen. Je mehr Sie verkaufen, desto schneller erreichen Sie den Break-Even-Point und erzielen Gewinn.
Gegenargumente und Einwände
Einige argumentieren, dass der Break-Even-Point nur eine vereinfachte Momentaufnahme der Realität ist und zukünftige Veränderungen nicht berücksichtigt. Das stimmt teilweise. Der Break-Even-Point ist eine statische Berechnung, die auf aktuellen Annahmen basiert. Daher ist es wichtig, ihn regelmäßig zu überprüfen und anzupassen, wenn sich die Rahmenbedingungen ändern (z.B. steigende Rohstoffpreise, veränderte Marktlage). Zudem berücksichtigt die einfache Break-Even-Analyse keine Faktoren wie die Zeitwert des Geldes oder die Auswirkungen von Steuern. Dennoch ist er ein wertvolles Instrument, um die Rentabilität eines Unternehmens oder Projekts einzuschätzen und fundierte Entscheidungen zu treffen.
Andere kritischere Stimmen bemängeln, dass der Break-Even-Point keine qualitative Analyse des Produkts oder der Dienstleistung beinhaltet. Das ist korrekt. Die Analyse berücksichtigt nicht, ob das Produkt wettbewerbsfähig ist oder ob es den Bedürfnissen der Kunden entspricht. Daher sollte der Break-Even-Point immer in Kombination mit anderen Analysen (z.B. Marktforschung, SWOT-Analyse) verwendet werden, um ein umfassendes Bild zu erhalten.
Die Bedeutung für verschiedene Branchen
Der Break-Even-Point ist in allen Branchen relevant, egal ob es sich um ein kleines Café, einen Online-Shop oder ein großes Produktionsunternehmen handelt. Hier einige Beispiele:
- Gastronomie: Ein Restaurant muss wissen, wie viele Gerichte es pro Tag verkaufen muss, um Miete, Personalkosten und Lebensmittel einzukaufen.
- Handel: Ein Einzelhändler muss wissen, wie viele Produkte er verkaufen muss, um seine Kosten zu decken und Gewinn zu erzielen.
- Dienstleistungen: Ein freiberuflicher Designer muss wissen, wie viele Stunden er pro Monat abrechnen muss, um seinen Lebensunterhalt zu sichern und seine Betriebskosten zu decken.
- Produktion: Ein Hersteller muss wissen, wie viele Einheiten er produzieren und verkaufen muss, um seine Produktionskosten zu decken und Gewinn zu erzielen.
Der Break-Even-Point ist ein universelles Werkzeug, das in jedem Geschäftsmodell Anwendung findet.
Zusammenfassung und nächste Schritte
Die Berechnung des Break-Even-Points ist ein wichtiger Schritt, um die wirtschaftliche Tragfähigkeit Ihres Unternehmens zu beurteilen und fundierte Entscheidungen zu treffen. Es hilft Ihnen, Ihre Preisgestaltung zu optimieren, Ihre Kosten zu kontrollieren und Ihre Marketingstrategien zu verbessern.
Die wichtigsten Punkte noch einmal im Überblick:
- Der Break-Even-Point ist der Punkt, an dem Ihre Gesamtkosten Ihren Gesamterlösen entsprechen.
- Die Formel lautet: Break-Even-Point (in Stück) = Fixkosten / (Verkaufspreis pro Stück - variable Kosten pro Stück).
- Analysieren Sie Ihre Fixkosten und variablen Kosten sorgfältig.
- Nutzen Sie den Break-Even-Point als Entscheidungshilfe für Preisgestaltung, Marketing und Kostenkontrolle.
- Überprüfen und passen Sie den Break-Even-Point regelmäßig an.
Was ist Ihr nächster Schritt? Nehmen Sie sich etwas Zeit, um Ihre eigenen Kosten und Preise zu analysieren und Ihren Break-Even-Point zu berechnen. Überlegen Sie, welche Maßnahmen Sie ergreifen können, um ihn zu senken und Ihre Rentabilität zu verbessern. Besprechen Sie Ihre Ergebnisse mit Ihrem Team oder einem erfahrenen Berater. Der erste Schritt ist immer der wichtigste!
Denken Sie daran, der Break-Even-Point ist kein statisches Ziel, sondern ein dynamischer Wert, der sich im Laufe der Zeit verändern kann. Bleiben Sie flexibel und passen Sie Ihre Strategien entsprechend an, um langfristig erfolgreich zu sein.
Welche Fragen haben Sie jetzt zum Break-Even-Point, die wir Ihnen beantworten können? Oder sind Sie bereit, Ihre eigenen Zahlen zu analysieren und den ersten Schritt in Richtung Gewinn zu machen?
