Dalmatinische Insektenblume Giftig Für Bienen
Die Dalmatien-Insektenblume (Tanacetum cinerariifolium), auch bekannt als Pyrethrum, ist eine Pflanze, die seit langem für ihre insektiziden Eigenschaften geschätzt wird. Ihre getrockneten Blütenköpfe enthalten Pyrethrine, eine Gruppe von natürlichen Insektiziden, die in vielen kommerziellen Schädlingsbekämpfungsmitteln verwendet werden. Während Pyrethrum für Menschen und Haustiere als relativ sicher gilt, wirft seine Wirkung auf Bestäuber, insbesondere Bienen, zunehmend Besorgnis auf. Die Frage, ob die Dalmatien-Insektenblume giftig für Bienen ist, ist komplex und bedarf einer differenzierten Betrachtung.
Die insektizide Wirkung von Pyrethrum
Wirkungsweise von Pyrethrinen
Pyrethrine wirken als Nervengifte. Sie greifen das Nervensystem der Insekten an, indem sie die Natriumkanäle in den Nervenzellen beeinflussen. Dies führt zu einer Lähmung und schließlich zum Tod des Insekts. Die Besonderheit von Pyrethrinen liegt in ihrer schnellen Abbaubarkeit im Sonnenlicht und in der Luft. Dies macht sie im Vergleich zu synthetischen Insektiziden attraktiver, da sie die Umwelt weniger belasten sollen. Die schnelle Abbaubarkeit bedeutet jedoch nicht, dass sie harmlos sind, insbesondere nicht für Insekten, die sich im direkten Anwendungsbereich befinden.
Wichtig: Pyrethrine sind nicht gleichbedeutend mit Pyrethroiden. Pyrethroide sind synthetisch hergestellte Abkömmlinge der Pyrethrine, die stabiler und somit langlebiger sind. Sie sind in der Regel auch toxischer als natürliche Pyrethrine.
Pyrethrum im Gartenbau und in der Landwirtschaft
Pyrethrum-Extrakte werden in verschiedenen Bereichen eingesetzt, von der Schädlingsbekämpfung im Hausgarten bis hin zur Anwendung in der Landwirtschaft. Sie werden oft in ökologischen Anbausystemen verwendet, da sie als "natürliches" Insektizid gelten. Der Einsatz erfolgt in Form von Sprays, Stäuben oder als Bestandteil von Insektizidstäbchen.
Die Popularität von Pyrethrum beruht auf seiner breiten Wirksamkeit gegen eine Vielzahl von Schädlingen, darunter Blattläuse, Thripse, Raupen und Käfer. Allerdings ist diese Breitenwirksamkeit auch ein Problem, da sie nicht zwischen Schädlingen und Nützlingen unterscheidet.
Die Gefährdung von Bienen durch Pyrethrum
Direkte Toxizität
Studien haben gezeigt, dass Pyrethrine für Bienen hochgiftig sein können. Der direkte Kontakt mit Pyrethrum-haltigen Produkten kann zu Lähmungen, Koordinationsstörungen und schließlich zum Tod führen. Die LD50 (letale Dosis, bei der 50% der exponierten Individuen sterben) für Bienen ist relativ niedrig, was bedeutet, dass bereits geringe Mengen eine toxische Wirkung haben können.
Ein Beispiel: Eine Studie, die im "Journal of Economic Entomology" veröffentlicht wurde, untersuchte die Auswirkungen verschiedener Insektizide auf Honigbienen. Die Ergebnisse zeigten, dass Pyrethrum-haltige Produkte eine signifikant höhere Mortalitätsrate bei Bienen verursachten als einige andere, selektivere Insektizide.
Subletale Effekte
Auch wenn Bienen eine Pyrethrum-Exposition überleben, können subletale Effekte auftreten. Diese Effekte können sich auf verschiedene Aspekte des Bienenlebens auswirken, darunter:
- Orientierungsfähigkeit: Pyrethrine können die Fähigkeit der Bienen beeinträchtigen, sich zu orientieren und den Weg zurück zum Bienenstock zu finden.
- Lernfähigkeit und Gedächtnis: Studien haben gezeigt, dass Pyrethrum die Lernfähigkeit und das Gedächtnis von Bienen beeinträchtigen kann, was sich negativ auf ihre Fähigkeit auswirkt, Futterquellen zu finden und zu nutzen.
- Brutpflege: Die Gesundheit der Bienenbrut kann durch Pyrethrum beeinträchtigt werden, was zu einer geringeren Überlebensrate der Larven und einer Schwächung des gesamten Bienenvolkes führen kann.
- Sozialverhalten: Pyrethrum kann das Sozialverhalten der Bienen stören, was sich auf die Organisation und Effizienz des Bienenvolkes auswirken kann.
Diese subletalen Effekte sind besonders besorgniserregend, da sie sich langfristig auf die Gesundheit und Überlebensfähigkeit von Bienenvölkern auswirken können. Auch wenn einzelne Bienen nicht sofort sterben, können die kumulativen Auswirkungen der Pyrethrum-Exposition zu einem Rückgang der Bienenpopulationen beitragen.
Expositionswege
Bienen können auf verschiedene Weise mit Pyrethrum in Kontakt kommen:
- Direktes Besprühen: Wenn Pflanzen während der Blütezeit mit Pyrethrum-haltigen Produkten besprüht werden, können Bienen, die die Blüten besuchen, direkt mit dem Insektizid in Kontakt kommen.
- Kontaminierter Nektar und Pollen: Pyrethrum kann in Nektar und Pollen gelangen und so von Bienen aufgenommen werden, die diese Ressourcen sammeln.
- Kontaminierter Honigtau: Honigtau, eine zuckerhaltige Substanz, die von bestimmten Insekten ausgeschieden wird, kann ebenfalls mit Pyrethrum kontaminiert sein und von Bienen aufgenommen werden.
- Kontaminierter Bienenstock: Pyrethrum kann in den Bienenstock gelangen, entweder durch kontaminierte Bienen oder durch direkten Kontakt mit behandelten Oberflächen.
Besonders gefährlich ist die Anwendung von Pyrethrum während der Blütezeit, da dies die Wahrscheinlichkeit eines direkten Kontakts mit Bienen erhöht.
Alternativen und Vorsichtsmaßnahmen
Integrierter Pflanzenschutz
Anstatt auf breit wirksame Insektizide wie Pyrethrum zurückzugreifen, sollte ein integrierter Pflanzenschutz (IPS) bevorzugt werden. IPS umfasst eine Kombination verschiedener Maßnahmen, um Schädlinge zu kontrollieren, darunter:
- Präventive Maßnahmen: Gesunde Pflanzen sind weniger anfällig für Schädlinge. Daher sollten Standortbedingungen optimiert, resistente Sorten verwendet und auf eine ausgewogene Düngung geachtet werden.
- Biologische Schädlingsbekämpfung: Der Einsatz von natürlichen Feinden wie Marienkäfern, Florfliegen oder Schlupfwespen kann helfen, Schädlingspopulationen zu kontrollieren.
- Mechanische Maßnahmen: Das Absammeln von Schädlingen, das Anbringen von Schutznetzen oder das Ausbringen von Leimringen kann die Ausbreitung von Schädlingen verhindern.
- Gezielter Einsatz von Insektiziden: Wenn der Einsatz von Insektiziden unvermeidlich ist, sollten selektive Produkte verwendet werden, die Bienen weniger gefährden. Die Anwendung sollte nur bei Bedarf und unter Beachtung der Herstellerangaben erfolgen.
Sicherer Umgang mit Pyrethrum
Wenn der Einsatz von Pyrethrum unvermeidlich ist, sollten folgende Vorsichtsmaßnahmen beachtet werden:
- Anwendung nur außerhalb der Blütezeit: Die Anwendung sollte auf Zeiten beschränkt werden, in denen keine blühenden Pflanzen vorhanden sind, um den Kontakt mit Bienen zu minimieren.
- Anwendung in den Abendstunden: Bienen sind in den Abendstunden weniger aktiv. Daher sollte die Anwendung von Pyrethrum in den Abendstunden erfolgen, um das Risiko einer Exposition zu verringern.
- Geringe Dosierung: Die Dosierung sollte so gering wie möglich gehalten werden, um die Auswirkungen auf Bienen zu minimieren.
- Keine Anwendung in der Nähe von Bienenstöcken: Die Anwendung sollte nicht in unmittelbarer Nähe von Bienenstöcken erfolgen.
- Information der Imker: Imker in der Umgebung sollten über die geplante Anwendung informiert werden, damit sie gegebenenfalls Schutzmaßnahmen ergreifen können.
Schlussfolgerung und Handlungsaufforderung
Die Dalmatien-Insektenblume und ihre Inhaltsstoffe, die Pyrethrine, stellen eine reale Gefahr für Bienen dar. Obwohl Pyrethrum als "natürliches" Insektizid gilt, ist es nicht harmlos. Direkte Toxizität und subletale Effekte können die Gesundheit und Überlebensfähigkeit von Bienenvölkern beeinträchtigen.
Es ist daher unerlässlich, den Einsatz von Pyrethrum zu reduzieren und stattdessen auf alternative Methoden des integrierten Pflanzenschutzes zu setzen. Verbraucher sollten beim Kauf von Gartenprodukten auf Pyrethrum-haltige Produkte achten und nach Alternativen suchen. Landwirte und Gärtner sollten sich über die Risiken von Pyrethrum informieren und verantwortungsvolle Anwendungsstrategien entwickeln.
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