Darf Man In Einer Erörterung Ich Schreiben
Die Frage "Darf man in einer Erörterung 'Ich' schreiben?" ist eine häufige Frage. Die Antwort ist: Es kommt darauf an. Grundsätzlich unterscheidet man zwei Arten von Erörterungen: die lineare (oder textgebundene) Erörterung und die dialektische (oder freie) Erörterung.
Was ist eine Erörterung?
Eine Erörterung ist eine schriftliche Auseinandersetzung mit einem bestimmten Thema. Du beleuchtest das Thema von verschiedenen Seiten und argumentierst für oder gegen eine bestimmte Position. Ziel ist es, den Leser von deiner Sichtweise zu überzeugen.
Lineare Erörterung: Kein "Ich"
Bei der linearen Erörterung, die sich auf einen Text bezieht, ist das "Ich" tabu. Du analysierst und interpretierst den Text. Deine persönliche Meinung spielt dabei keine Rolle. Du gibst die Argumente des Autors wieder und bewertest diese. Dein Fokus liegt auf der objektiven Darstellung des Textes. "Ich denke..." oder "Meiner Meinung nach..." sind hier fehl am Platz. Stattdessen nutzt du Formulierungen wie: "Der Autor argumentiert...", "Im Text wird deutlich...", oder "Es wird gezeigt, dass...".
Beispiel: Du schreibst über einen Artikel über Klimawandel. Du fasst die Argumente des Artikels zusammen und analysierst, wie der Autor diese präsentiert. Du bewertest die Stichhaltigkeit der Argumente, ohne deine persönliche Meinung einzubringen.
Dialektische Erörterung: "Ich" ist möglich, aber mit Bedacht
Bei der dialektischen Erörterung, auch freie Erörterung genannt, sieht es anders aus. Hier geht es um deine eigene Meinung zu einem Thema. Du stellst verschiedene Argumente gegenüber (Pro und Contra) und bildest dir dann ein eigenes Urteil.
In der dialektischen Erörterung darfst du das "Ich" verwenden, aber sparsam und überlegt. Es ist wichtig, dass deine Argumentation im Vordergrund steht und nicht deine persönliche Befindlichkeit. Das "Ich" sollte vor allem genutzt werden, um deine eigene Position darzulegen, nachdem du die verschiedenen Argumente abgewogen hast.
Beispiel: Das Thema ist "Sollte das Wahlalter auf 16 Jahre gesenkt werden?". Du stellst Argumente für und gegen die Senkung des Wahlalters vor. Am Ende deiner Erörterung kannst du schreiben: "Nach Abwägung aller Argumente komme ich zu dem Schluss, dass eine Senkung des Wahlalters auf 16 Jahre sinnvoll ist, da..."
Wann "Ich" vermieden werden sollte
Auch in der dialektischen Erörterung gibt es Situationen, in denen du das "Ich" vermeiden solltest. Vermeide es, das "Ich" zu oft zu benutzen, da dies den Eindruck erwecken kann, dass du nicht objektiv argumentierst. Formulierungen wie "Ich glaube..." oder "Ich finde..." sind oft zu subjektiv. Versuche stattdessen, deine Meinung durch stichhaltige Argumente zu belegen. Nutze Formulierungen wie: "Es lässt sich argumentieren, dass...", "Es ist anzunehmen, dass..." oder "Die Beweise deuten darauf hin, dass...".
Vermeide es auch, das "Ich" zu verwenden, wenn du allgemeine Aussagen triffst oder Fakten wiedergibst. Fakten sind Fakten und brauchen keine persönliche Bestätigung.
Zusammenfassend
Lineare Erörterung: Kein "Ich". Fokussiere dich auf die Analyse des Textes.
Dialektische Erörterung: "Ich" ist erlaubt, aber nutze es bewusst und sparsam, um deine eigene Position darzulegen. Vermeide subjektive Formulierungen und belege deine Meinung mit Argumenten.
Denke immer daran: Die Argumentation steht im Vordergrund, nicht deine persönliche Meinung. Versuche, deine Meinung so objektiv und überzeugend wie möglich darzulegen. Eine gute Erörterung ist gut recherchiert, klar strukturiert und stützt sich auf fundierte Argumente.
