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Ebbe Und Flut Im Mittelmeer


Ebbe Und Flut Im Mittelmeer

Ebbe und Flut, auch bekannt als Tidenhub, beschreiben den regelmäßigen Anstieg (Flut) und Fall (Ebbe) des Meeresspiegels. Aber wie sieht das im Mittelmeer aus? Ist es dort genauso ausgeprägt wie an Nord- oder Ostseeküste?

Geringer Tidenhub im Mittelmeer

Im Gegensatz zu Ozeanen mit großen, offenen Wasserflächen ist der Tidenhub im Mittelmeer deutlich geringer. Das bedeutet, der Unterschied zwischen Höchststand (Hochwasser) und Tiefststand (Niedrigwasser) des Wassers ist viel kleiner. Während an manchen Küsten der Nordsee der Tidenhub mehrere Meter betragen kann, liegt er im Mittelmeer meist nur zwischen 30 und 60 Zentimetern.

Warum ist das so? Die Antwort liegt in der Geographie des Mittelmeeres. Es ist ein fast vollständig von Land umschlossenes Becken. Seine Verbindung zum Atlantik ist die schmale Straße von Gibraltar. Diese Enge dämpft die Auswirkungen der Gezeitenkräfte, die hauptsächlich durch die Gravitationskräfte von Mond und Sonne entstehen.

Wie entstehen Ebbe und Flut eigentlich?

Die Gezeiten werden in erster Linie durch die Anziehungskraft des Mondes verursacht. Stell dir vor, der Mond zieht am Wasser der Erde. Die Seite der Erde, die dem Mond zugewandt ist, erfährt eine stärkere Anziehungskraft, wodurch eine Ausbuchtung entsteht – das ist die Flut. Auf der gegenüberliegenden Seite der Erde entsteht ebenfalls eine Ausbuchtung, weil der Erdmittelpunkt stärker zum Mond gezogen wird als das Wasser auf dieser Seite. Auch das ist Flut. Dazwischen liegen Gebiete, in denen das Wasser abfließt – die Ebbe.

Die Sonne spielt ebenfalls eine Rolle, allerdings ist ihre Anziehungskraft geringer als die des Mondes. Wenn Sonne, Mond und Erde auf einer Linie liegen (bei Neu- und Vollmond), verstärken sich die Gezeitenkräfte, was zu besonders hohen Fluten (Springfluten) und besonders niedrigen Ebbe (Springebbe) führt. Wenn Sonne und Mond im rechten Winkel zur Erde stehen (bei Halbmond), schwächen sie sich gegenseitig ab, was zu schwächeren Gezeiten (Nipptiden) führt.

Lokale Unterschiede im Mittelmeer

Obwohl der Tidenhub im Mittelmeer generell gering ist, gibt es dennoch regionale Unterschiede. Küstenlinien mit einer besonderen Form oder Buchten können den Tidenhub leicht verstärken. Auch lokale Windverhältnisse und Strömungen können den Wasserstand beeinflussen.

Beispielsweise kann in der Nähe von Flussmündungen oder in flachen Lagunen der Tidenhub etwas stärker ausgeprägt sein. Ebenso können starke Winde das Wasser an die Küste drücken und so den Wasserstand vorübergehend erhöhen.

Praktische Auswirkungen

Der geringe Tidenhub im Mittelmeer hat verschiedene Auswirkungen. Für die Schifffahrt ist er beispielsweise weniger relevant als in Gebieten mit starken Gezeiten. Allerdings müssen auch im Mittelmeer Häfen und Anlegestellen so konstruiert sein, dass sie den Schwankungen des Wasserstandes Rechnung tragen.

Auch für die Küstenökosysteme spielt der Tidenhub eine Rolle, wenn auch eine weniger bedeutende als in Gezeitenzonen mit großen Unterschieden zwischen Ebbe und Flut. Trotzdem beeinflusst er die Lebensbedingungen für bestimmte Pflanzen und Tiere, die an der Küste leben.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Ebbe und Flut im Mittelmeer zwar vorhanden sind, aber deutlich schwächer ausgeprägt als in anderen Meeren und Ozeanen. Die Geographie des Mittelmeeres und die abgeschwächten Gezeitenkräfte sind dafür verantwortlich.

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