Erbrechen Und Durchfall Beim Hund
Sie sind besorgt, weil Ihr Hund erbricht und Durchfall hat? Das ist absolut verständlich! Es ist beunruhigend, sein geliebtes Haustier leiden zu sehen. Wichtig ist jetzt, ruhig zu bleiben und die Situation richtig einzuschätzen. In diesem Artikel finden Sie Informationen, die Ihnen helfen werden, die Ursachen zu verstehen, erste Maßnahmen zu ergreifen und zu entscheiden, wann der Tierarztbesuch unumgänglich ist.
Ursachen für Erbrechen und Durchfall beim Hund
Erbrechen und Durchfall sind bei Hunden leider sehr häufige Symptome. Sie können einzeln auftreten oder kombiniert, und die Ursachen sind vielfältig. Es ist wichtig zu wissen, dass es sich dabei um Symptome handelt, nicht um eine eigenständige Krankheit. Es sind Warnsignale des Körpers, dass etwas nicht stimmt.
Diätetische Ursachen
Oftmals sind Probleme mit dem Futter der Auslöser:
- Futterumstellung: Ein zu schneller Wechsel auf ein neues Futter kann das Verdauungssystem des Hundes überfordern.
- Unverträglichkeiten oder Allergien: Bestimmte Inhaltsstoffe im Futter können allergische Reaktionen oder Unverträglichkeiten auslösen.
- Verdorbenes Futter: Futter, das abgelaufen oder falsch gelagert wurde, kann Bakterien oder Toxine enthalten.
- Futterunverträglichkeiten: Manche Hunde reagieren empfindlich auf bestimmte Inhaltsstoffe, auch wenn es sich nicht um eine ausgewachsene Allergie handelt.
- "Müllaufnahme": Hunde sind bekannt dafür, alles Mögliche zu fressen, was sie finden – vom heruntergefallenen Essen bis zu Dingen, die sie im Park aufsammeln. Das kann zu Verdauungsproblemen führen.
- Futtermenge: Zu große Portionen können den Magen überlasten.
Infektiöse Ursachen
Viren, Bakterien und Parasiten können ebenfalls Erbrechen und Durchfall verursachen:
- Viren: Parvovirose (vor allem bei ungeimpften Welpen), Coronavirus.
- Bakterien: Salmonellen, E. coli, Clostridien.
- Parasiten: Würmer (z.B. Spulwürmer, Hakenwürmer), Giardien, Kokzidien. Studien zeigen, dass Giardien bei bis zu 36% der Hunde mit Durchfall gefunden werden können (Quelle: ESCCAP-Guidelines).
Andere Ursachen
Neben Futter und Infektionen gibt es noch weitere mögliche Gründe:
- Vergiftungen: Aufnahme von giftigen Substanzen (z.B. Rattengift, Pflanzenschutzmittel, Schokolade).
- Fremdkörper: Verschlucken von Gegenständen, die den Verdauungstrakt blockieren oder reizen.
- Organerkrankungen: Lebererkrankungen, Nierenerkrankungen, Bauchspeicheldrüsenentzündung.
- Medikamente: Einige Medikamente können als Nebenwirkung Erbrechen und Durchfall verursachen.
- Hitzschlag: Kann zu Erbrechen und Durchfall führen, besonders in Kombination mit anderen Symptomen.
- Stress: Auch psychischer Stress kann sich auf den Magen-Darm-Trakt auswirken.
Symptome, auf die Sie achten sollten
Neben Erbrechen und Durchfall gibt es weitere Symptome, die Ihnen helfen können, die Situation besser einzuschätzen:
- Häufigkeit und Konsistenz des Erbrochenen und des Durchfalls: Wie oft erbricht der Hund? Wie sieht der Durchfall aus (wässrig, blutig, schleimig)?
- Appetitlosigkeit: Verweigert der Hund Futter oder Wasser?
- Mattigkeit/Schwäche: Ist der Hund schlapp und antriebslos?
- Bauchschmerzen: Ist der Bauch des Hundes berührungsempfindlich oder aufgebläht?
- Fieber: Hat der Hund erhöhte Temperatur? (Normale Körpertemperatur beim Hund: 38,0 - 39,0 °C)
- Dehydration: Anzeichen sind trockene Schleimhäute, eingefallene Augen und verminderte Hautelastizität. Man kann dies testen, indem man die Haut im Nackenbereich leicht hochzieht. Bleibt sie stehen, ist der Hund dehydriert.
- Blut im Erbrochenen oder Stuhl: Ein sehr ernstes Warnsignal, das sofortige tierärztliche Hilfe erfordert.
Erste Maßnahmen, die Sie selbst ergreifen können
Bei leichten Fällen von Erbrechen und Durchfall können Sie zunächst versuchen, Ihrem Hund zu Hause zu helfen. Achtung: Diese Maßnahmen ersetzen nicht den Tierarztbesuch, wenn die Symptome schwerwiegend sind oder sich nicht bessern!
Nahrungsentzug
Geben Sie Ihrem Hund für 12-24 Stunden kein Futter. Dadurch kann sich der Magen-Darm-Trakt beruhigen. Wichtig: Stellen Sie sicher, dass der Hund immer Zugang zu frischem Wasser hat. Bei Welpen oder kleinen Hunden sollte der Nahrungsentzug verkürzt werden, da sie schnell unterzuckern können.
Schonkost
Nach dem Nahrungsentzug können Sie Ihrem Hund eine Schonkost anbieten. Geeignet sind:
- Gekochtes Hühnchen oder Putenfleisch (ohne Haut und Knochen) mit Reis: Ein Klassiker, der leicht verdaulich ist.
- Gekochtes mageres Hackfleisch (abgetropft) mit Reis: Auch gut verträglich.
- Kartoffelpüree (ohne Milch und Butter): Liefert Energie und ist leicht verdaulich.
- Baby-Nahrung (ohne Zwiebeln und Knoblauch): Gut geeignet für wählerische Hunde.
Bieten Sie die Schonkost in kleinen Portionen an, mehrmals täglich. Wenn der Hund die Schonkost gut verträgt, können Sie die Menge langsam steigern und nach und nach wieder auf das normale Futter umstellen (über mehrere Tage).
Flüssigkeitszufuhr
Achten Sie darauf, dass Ihr Hund ausreichend trinkt, um einer Dehydration vorzubeugen. Bieten Sie ihm frisches Wasser an. Sie können auch Elektrolytlösungen für Hunde aus der Apotheke oder vom Tierarzt geben. Diese helfen, den Elektrolythaushalt wiederherzustellen. Manche Hunde trinken lieber Brühe (ohne Zwiebeln und Knoblauch) als Wasser. Bieten Sie ihm beides an.
Probiotika
Probiotika können helfen, die Darmflora wiederherzustellen und das Verdauungssystem zu unterstützen. Es gibt spezielle Probiotika für Hunde, die Sie in der Apotheke oder beim Tierarzt erhalten. Sprechen Sie mit Ihrem Tierarzt über die richtige Dosierung.
Wann Sie unbedingt einen Tierarzt aufsuchen sollten
In manchen Fällen ist ein Tierarztbesuch unvermeidlich. Suchen Sie umgehend einen Tierarzt auf, wenn:
- Der Hund Blut erbricht oder im Stuhl hat: Dies kann auf eine ernste Erkrankung hinweisen.
- Der Hund stark dehydriert ist: Anzeichen sind trockene Schleimhäute, eingefallene Augen und verminderte Hautelastizität.
- Der Hund apathisch oder sehr schwach ist: Dies kann auf eine schwere Infektion oder eine andere ernste Erkrankung hinweisen.
- Der Hund starke Bauchschmerzen hat: Dies kann auf eine Verstopfung, einen Fremdkörper oder eine Entzündung hindeuten.
- Der Hund Fieber hat (über 39,5 °C): Dies kann auf eine Infektion hindeuten.
- Der Hund immer wieder erbricht oder Durchfall hat, obwohl Sie bereits erste Maßnahmen ergriffen haben: Wenn die Symptome nicht innerhalb von 24-48 Stunden besser werden, ist ein Tierarztbesuch ratsam.
- Der Hund weitere Symptome zeigt, wie z.B. Atembeschwerden, Krampfanfälle oder Bewusstseinsverlust: Dies sind Notfallsituationen.
- Es sich um einen Welpen oder einen älteren Hund handelt: Welpen und ältere Hunde sind anfälliger für Komplikationen.
- Sie den Verdacht auf eine Vergiftung haben: Bringen Sie, wenn möglich, die Verpackung des vermuteten Giftes mit zum Tierarzt.
Was der Tierarzt tun wird
Der Tierarzt wird Ihren Hund gründlich untersuchen und Ihnen Fragen zu den Symptomen, der Krankengeschichte und dem Futter Ihres Hundes stellen. Je nach Verdacht kann er folgende Untersuchungen durchführen:
- Blutuntersuchung: Um Infektionen, Organerkrankungen oder andere Probleme zu erkennen.
- Kotuntersuchung: Um Parasiten oder bakterielle Infektionen zu identifizieren.
- Röntgenaufnahme oder Ultraschall: Um Fremdkörper, Tumore oder andere Anomalien im Bauchraum zu erkennen.
- Endoskopie: Um den Magen-Darm-Trakt von innen zu untersuchen und gegebenenfalls Gewebeproben zu entnehmen.
Die Behandlung hängt von der Ursache des Erbrechens und Durchfalls ab. Sie kann Folgendes umfassen:
- Flüssigkeitszufuhr (Infusion): Um den Flüssigkeitsverlust auszugleichen.
- Medikamente: Antibiotika (bei bakteriellen Infektionen), Entwurmungsmittel (bei Parasiten), Antiemetika (gegen Erbrechen), Antidiarrhoika (gegen Durchfall), Schmerzmittel.
- Spezialfutter: Leicht verdauliches Futter oder hypoallergenes Futter.
- Operation: Bei Fremdkörpern oder Tumoren.
Vorbeugung
Es gibt einige Maßnahmen, die Sie ergreifen können, um Erbrechen und Durchfall bei Ihrem Hund vorzubeugen:
- Futterumstellung langsam durchführen: Mischen Sie das neue Futter über mehrere Tage mit dem alten Futter.
- Hochwertiges Futter füttern: Achten Sie auf eine ausgewogene Zusammensetzung und hochwertige Zutaten.
- Futter richtig lagern: Bewahren Sie das Futter trocken und kühl auf.
- Hund nicht unbeaufsichtigt draußen fressen lassen: Verhindern Sie, dass Ihr Hund Müll oder andere potenziell schädliche Substanzen aufnimmt.
- Regelmäßige Entwurmung: Lassen Sie Ihren Hund regelmäßig entwurmen, um Parasitenbefall vorzubeugen.
- Impfungen: Lassen Sie Ihren Hund gegen Parvovirose und andere ansteckende Krankheiten impfen.
- Stress vermeiden: Schaffen Sie eine ruhige und stressfreie Umgebung für Ihren Hund.
Indem Sie auf die Gesundheit Ihres Hundes achten und die oben genannten Tipps befolgen, können Sie das Risiko von Erbrechen und Durchfall deutlich reduzieren. Und denken Sie daran: Bei Unsicherheit ist der Tierarzt immer der beste Ansprechpartner.
