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Es Geht Wieder Nach Hause


Es Geht Wieder Nach Hause

Kennen Sie das Gefühl, wenn alles fremd erscheint, selbst wenn Sie sich eigentlich zu Hause befinden sollten? Ein nagendes Unbehagen, eine Distanz, die sich schwer greifen lässt? Viele Deutsche, die längere Zeit im Ausland verbracht haben, kennen diese Erfahrung nur allzu gut. Sie kehren zurück und stellen fest: Es geht (nicht mehr so einfach) wieder nach Hause.

Diese Erfahrung, oft als "Reverse Culture Shock" oder "Rückkehrschock" bezeichnet, kann unerwartet und belastend sein. Sie sind nicht allein. Studien zeigen, dass bis zu 70% der Rückkehrer ähnliche Schwierigkeiten erleben. Der Unterschied zwischen dem, was man erwartet und der Realität, kann überwältigend sein.

Was ist der Rückkehrschock?

Der Rückkehrschock ist im Wesentlichen die psychologische und emotionale Belastung, die entsteht, wenn man nach einem längeren Aufenthalt in einer anderen Kultur in die eigene Heimat zurückkehrt. Es ist mehr als nur Heimweh; es ist eine Desorientierung, die aus der Diskrepanz zwischen den veränderten eigenen Erwartungen und der vermeintlich unveränderten Heimat resultiert.

Warum trifft es so viele?

Es gibt mehrere Gründe, warum der Rückkehrschock so verbreitet ist:

  • Idealisierung der Heimat: Im Ausland neigen wir dazu, unsere Heimat zu idealisieren, uns an die positiven Aspekte zu erinnern und die negativen zu vergessen. Die Realität kann dann enttäuschend sein.
  • Veränderung während der Abwesenheit: Während wir uns im Ausland anpassen und entwickeln, verändert sich auch unsere Heimat. Freunde ziehen weg, politische Landschaften verschieben sich, kulturelle Normen wandeln sich subtil.
  • Veränderung der eigenen Person: Der Aufenthalt im Ausland prägt uns. Wir entwickeln neue Perspektiven, Werte und Verhaltensweisen. Diese Veränderungen passen möglicherweise nicht nahtlos in das gewohnte Umfeld zurück.
  • Mangelnde Vorbereitung: Oftmals konzentrieren wir uns intensiv auf die Vorbereitung des Auslandsaufenthaltes, vernachlässigen aber die Planung der Rückkehr.

Ein Zitat von Dr. Elisabeth Müller, einer Expertin für interkulturelle Kommunikation, bringt es auf den Punkt: "Der Rückkehrschock ist ein Beweis dafür, dass Kulturanpassung ein dynamischer Prozess ist. Er endet nicht mit der Rückkehr, sondern setzt sich fort, während man versucht, die im Ausland gewonnenen Erfahrungen in das Leben in der Heimat zu integrieren."

Symptome des Rückkehrschocks

Die Symptome des Rückkehrschocks können vielfältig sein und von Person zu Person unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Zu den häufigsten gehören:

  • Gefühl der Entfremdung: Das Gefühl, nicht mehr richtig dazuzugehören, sich von Freunden und Familie entfremdet zu fühlen.
  • Langeweile und Frustration: Das Gefühl, dass das Leben in der Heimat langweilig und uninspiriert ist. Die Erfahrungen im Ausland erscheinen aufregender und bedeutsamer.
  • Kritik und Negativität: Eine erhöhte Neigung, die Heimat kritisch zu betrachten und negative Aspekte hervorzuheben.
  • Schwierigkeiten, sich wieder einzuleben: Probleme, sich an den Alltag, die Arbeit oder das Studium zu gewöhnen.
  • Heimweh nach dem Ausland: Ein starkes Verlangen, in das Gastland zurückzukehren.
  • Unruhe und Reizbarkeit: Ein allgemeines Gefühl der Unruhe und eine erhöhte Reizbarkeit.
  • Depressive Verstimmungen: In schweren Fällen kann der Rückkehrschock zu depressiven Verstimmungen führen.

Es ist wichtig zu betonen, dass diese Symptome normal sind und nicht bedeuten, dass man gescheitert ist. Sie sind ein Zeichen dafür, dass man sich an eine neue Situation anpassen muss.

Wie man den Rückkehrschock bewältigt

Glücklicherweise gibt es viele Strategien, die helfen können, den Rückkehrschock zu bewältigen und die Rückkehr in die Heimat zu erleichtern:

1. Vorbereitung ist der Schlüssel

  • Planen Sie die Rückkehr: Beginnen Sie frühzeitig mit der Planung Ihrer Rückkehr. Kümmern Sie sich um organisatorische Dinge wie Wohnungssuche, Jobsuche oder Studienplatzbewerbung.
  • Erwartungsmanagement: Seien Sie sich bewusst, dass der Rückkehrschock real ist und dass es Zeit braucht, sich wieder einzuleben. Versuchen Sie, Ihre Erwartungen realistisch zu halten.
  • Bleiben Sie in Kontakt: Halten Sie Kontakt zu Freunden und Familie in der Heimat während Ihres Auslandsaufenthaltes. So bleiben Sie auf dem Laufenden und fühlen sich weniger entfremdet.

2. Anpassen und Integrieren

  • Seien Sie geduldig: Geben Sie sich Zeit, sich wieder an die Heimat zu gewöhnen. Es ist ein Prozess, der Zeit braucht.
  • Finden Sie neue Routinen: Etablieren Sie neue Routinen, die Ihnen helfen, sich wieder einzuleben. Das können neue Hobbys, sportliche Aktivitäten oder ehrenamtliche Tätigkeiten sein.
  • Teilen Sie Ihre Erfahrungen: Sprechen Sie mit Freunden, Familie oder anderen Rückkehrern über Ihre Erfahrungen. Das kann helfen, sich verstanden zu fühlen und neue Perspektiven zu gewinnen.
  • Integrieren Sie Ihre Auslandserfahrungen: Finden Sie Möglichkeiten, Ihre im Ausland gewonnenen Erfahrungen in Ihr Leben in der Heimat zu integrieren. Das können neue Kenntnisse, Fähigkeiten oder Kontakte sein.

3. Perspektivenwechsel

  • Sehen Sie die positiven Aspekte: Konzentrieren Sie sich auf die positiven Aspekte der Heimat. Was schätzen Sie an Ihrem Leben hier?
  • Seien Sie offen für Neues: Gehen Sie offen auf neue Erfahrungen zu und seien Sie bereit, sich auf Veränderungen einzulassen.
  • Nutzen Sie Ihre Auslandserfahrung: Betrachten Sie Ihre Auslandserfahrung als Bereicherung und nutzen Sie die gewonnenen Erkenntnisse, um Ihr Leben zu gestalten.

4. Professionelle Hilfe

Wenn die Symptome des Rückkehrschocks sehr stark sind oder länger anhalten, kann es sinnvoll sein, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Ein Therapeut oder Coach kann Ihnen helfen, Ihre Gefühle zu verarbeiten und Strategien zur Bewältigung des Rückkehrschocks zu entwickeln. Organisationen wie weltweiser oder Return bieten spezielle Beratungen für Rückkehrer an.

Beispiele aus dem Leben

Anna, die ein Jahr in Australien verbracht hat, erzählt: "Ich hatte erwartet, dass ich sofort wieder in mein altes Leben eintauchen würde. Aber es war, als ob ich ein anderer Mensch geworden wäre. Meine Freunde verstanden meine Begeisterung für das Surfen nicht, und mir fehlte die lockere Atmosphäre in Australien. Ich fühlte mich total fehl am Platz." Sie fand Hilfe in einer Selbsthilfegruppe für Rückkehrer, wo sie sich mit anderen austauschen konnte, die ähnliche Erfahrungen gemacht hatten.

Markus, der für seine Firma drei Jahre in China gearbeitet hat, berichtet: "Der Kulturschock war im Ausland schon heftig, aber der Rückkehrschock war noch schlimmer. Ich hatte das Gefühl, dass sich niemand für meine Erlebnisse in China interessierte. Alle waren mit ihrem eigenen Leben beschäftigt. Ich habe dann angefangen, Chinesischkurse zu geben und meine Erfahrungen auf einem Blog zu teilen. Das hat mir geholfen, meine Erfahrungen zu verarbeiten und meine neue Perspektive zu nutzen."

Fazit: Es geht wieder nach Hause – mit der richtigen Vorbereitung

Der Rückkehrschock ist eine realistische Herausforderung, die viele Deutsche nach einem längeren Auslandsaufenthalt erleben. Es ist wichtig, sich dieser Herausforderung bewusst zu sein und sich entsprechend vorzubereiten. Mit den richtigen Strategien und einer positiven Einstellung kann man den Rückkehrschock bewältigen und die im Ausland gewonnenen Erfahrungen in das Leben in der Heimat integrieren. Es geht wieder nach Hause – vielleicht nicht so, wie man es sich vorgestellt hat, aber mit der Möglichkeit, das Beste aus beiden Welten zu vereinen.

Denken Sie daran: Ihre Erfahrungen im Ausland haben Sie verändert und bereichert. Nutzen Sie diese Veränderungen, um Ihr Leben in der Heimat neu zu gestalten und Ihre persönliche Entwicklung voranzutreiben. Der Rückkehrschock ist nicht das Ende, sondern ein Neuanfang.

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