Güllen Besuch Der Alten Dame
Der Besuch der alten Dame (The Visit) ist eine Tragikomödie des Schweizer Autors Friedrich Dürrenmatt. Es thematisiert moralischen Verfall und die Verführbarkeit des Menschen durch Geld. Das Stück spielt in der fiktiven, heruntergekommenen Stadt Güllen.
Die Handlung dreht sich um Claire Zachanassian, eine Milliardärin, die nach Güllen zurückkehrt. Sie bietet der Stadt eine Milliarde Dollar an, unter der Bedingung, dass Alfred Ill, ihr ehemaliger Liebhaber, getötet wird. Ill hatte sie in ihrer Jugend verlassen und sie vor Gericht verleugnet.
Ein zentraler Aspekt ist die Verführungskraft des Geldes. Anfangs lehnt die Stadt das Angebot empört ab. Sie beteuern ihre Moral und ihren Anstand. Doch mit der Aussicht auf Wohlstand beginnen die Bewohner, auf Kredit zu leben. Sie kaufen teure Dinge, in Erwartung der Milliarde.
Die wachsende Verschuldung und die Aussicht auf ein besseres Leben verändern die Haltung der Bürger. Sie beginnen, Ill auszugrenzen und zu bedrohen. Die kollektive Gier untergräbt ihre anfänglichen moralischen Prinzipien. Die anfängliche Ablehnung weicht einer stillschweigenden Zustimmung.
Ein weiteres wichtiges Thema ist die Gerechtigkeit und Rache. Claire Zachanassian kehrt zurück, um Gerechtigkeit für das ihr angetane Unrecht zu fordern. Sie instrumentalisieren das Geld, um ihre Rache zu vollziehen. Ihre Rache ist kalt und kalkulierend, ohne Rücksicht auf die Konsequenzen.
Ills Wandlung ist ebenfalls bedeutsam. Zunächst leugnet er seine Schuld. Dann erkennt er jedoch seine Verantwortung und akzeptiert sein Schicksal. Er wird zum Sündenbock für die kollektive Gier der Stadt. Seine Akzeptanz des Todes wird zu einer Art Sühne.
Ein Beispiel ist die Szene, in der der Polizist neue, gelbe Schuhe trägt. Dies ist ein subtiler Hinweis darauf, dass auch er von der Aussicht auf Geld korrumpiert wurde. Er repräsentiert die Verrohung der Rechtsstaatlichkeit durch die Verlockung des Wohlstands. Ein anderes Beispiel ist die zunehmende Akzeptanz von Gewalt gegen Ill durch die Bevölkerung.
Die Tragikomik des Stücks liegt in der Diskrepanz zwischen den edlen Idealen, die die Bürger zu Beginn vertreten, und dem brutalen Verrat, zu dem sie fähig sind. Dürrenmatt zeigt die Abgründe der menschlichen Natur auf. Er demonstriert, wie schnell Moral und Anstand durch Gier untergraben werden können.
Der Besuch der alten Dame lässt sich auch auf die Realität übertragen. Es zeigt, wie wirtschaftliche Abhängigkeit zu moralischen Kompromissen führen kann. Dies kann in der Politik, in Unternehmen oder im persönlichen Leben geschehen. Das Stück erinnert uns daran, wachsam zu sein und unsere Werte nicht dem Profit zu opfern.
