In Welcher Zeitform Schreibt Man Eine Erörterung
Die Zeitform der Erörterung: Ein Überblick
Die Erörterung ist eine schriftliche Auseinandersetzung mit einem bestimmten Thema. Dabei werden Argumente dargelegt und bewertet. Die korrekte Wahl der Zeitform ist dabei entscheidend für die Klarheit und Überzeugungskraft des Textes. Aber welche Zeitform ist die richtige?
Grundsätzlich wird die Erörterung im Präsens, also der Gegenwartsform, verfasst. Das gilt sowohl für die Einleitung als auch für den Hauptteil und den Schluss. Das Präsens verleiht der Erörterung eine gewisse Zeitlosigkeit und Allgemeingültigkeit.
Was bedeutet das konkret? Betrachten wir ein Beispiel. Angenommen, das Thema der Erörterung lautet: "Sollte das Wahlalter auf 16 Jahre gesenkt werden?" Ein Satz im Präsens könnte lauten: "Eine Absenkung des Wahlalters ermöglicht es jungen Menschen, sich früher an politischen Prozessen zu beteiligen."
Warum Präsens?
Das Präsens eignet sich besonders gut für die Erörterung, da es Fakten und Meinungen allgemein gültig darstellt. Es beschreibt Zustände, die im Allgemeinen so sind, oder Handlungen, die regelmäßig stattfinden. Durch die Verwendung des Präsens wird die Erörterung objektiver und nachvollziehbarer.
Ein weiterer Vorteil des Präsens ist die Unmittelbarkeit. Die Argumente wirken lebendiger und direkter auf den Leser. Es entsteht der Eindruck, dass die Aussagen auch heute noch relevant und gültig sind. Das erhöht die Überzeugungskraft der Erörterung.
Im Gegensatz dazu würde die Verwendung des Perfekts (Vergangenheit) oder des Futurs (Zukunft) die Argumente in einen zeitlichen Kontext stellen und ihre Allgemeingültigkeit einschränken. Eine Erörterung soll jedoch nicht nur auf einen bestimmten Zeitpunkt bezogen sein, sondern eine umfassende Auseinandersetzung mit dem Thema bieten.
Ausnahmen bestätigen die Regel
Obwohl das Präsens die Hauptzeitform der Erörterung ist, gibt es Ausnahmen. Wenn du dich auf historische Ereignisse oder vergangene Studien beziehst, ist es notwendig, die Vergangenheit zu verwenden. Hier kommen Perfekt und Präteritum zum Einsatz.
Beispiel: "Die Einführung des Wahlrechts für Frauen war ein wichtiger Schritt zur Gleichberechtigung." In diesem Fall beschreibt das Präteritum ein abgeschlossenes Ereignis in der Vergangenheit. Das Perfekt könnte verwendet werden, um die Auswirkungen dieser Einführung zu beschreiben: "Die Einführung des Wahlrechts für Frauen hat die politische Landschaft verändert."
Auch bei der Darstellung von Hypothesen oder Vermutungen kann das Futur verwendet werden. Dies ist jedoch eher selten und sollte sparsam eingesetzt werden. Beispiel: "Eine Absenkung des Wahlalters könnte dazu führen, dass sich mehr junge Menschen politisch engagieren."
Konjunktiv nicht vergessen!
Der Konjunktiv spielt ebenfalls eine wichtige Rolle in der Erörterung. Er wird verwendet, um Meinungen, Zweifel oder Möglichkeiten auszudrücken. Besonders der Konjunktiv II ist häufig anzutreffen.
Beispiel: "Man könnte argumentieren, dass eine Absenkung des Wahlalters die politischen Entscheidungen beeinflusst." Der Konjunktiv II drückt hier eine Möglichkeit oder eine Annahme aus.
Zusammenfassend lässt sich sagen: Die Erörterung wird hauptsächlich im Präsens verfasst. Vergangenheit und Futur kommen nur dann zum Einsatz, wenn es um historische Ereignisse, Studien oder Vermutungen geht. Der Konjunktiv ist wichtig, um Meinungen und Möglichkeiten auszudrücken. Durch die korrekte Verwendung der Zeitformen wird die Erörterung klar, überzeugend und nachvollziehbar.
