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Jedes Kind Kann Schlafen Lernen Kritik


Jedes Kind Kann Schlafen Lernen Kritik

Schlaf, ein Grundbedürfnis, das oft zum Schlachtfeld wird. Eltern, erschöpft von schlaflosen Nächten, suchen verzweifelt nach Lösungen. Unter den zahlreichen Ratgebern sticht ein Titel besonders hervor: "Jedes Kind kann schlafen lernen". Doch diese Methode, die schnelle Erfolge verspricht, steht auch massiv in der Kritik. Dieser Artikel richtet sich an werdende und frischgebackene Eltern, sowie an alle, die sich für bindungsorientierte Erziehung interessieren und beleuchtet die Kritikpunkte an der "Jedes Kind kann schlafen lernen"-Methode.

Was ist "Jedes Kind kann schlafen lernen" überhaupt?

Die Methode "Jedes Kind kann schlafen lernen", populär gemacht durch das gleichnamige Buch, basiert im Kern auf dem Prinzip des kontrollierten Schreienlassens. Das bedeutet, dass Babys und Kleinkinder, nachdem sie ins Bett gebracht wurden, auch dann nicht sofort getröstet werden, wenn sie weinen. Stattdessen werden die Intervalle, in denen die Eltern nach dem Rechten sehen, immer weiter ausgedehnt. Ziel ist es, dass das Kind lernt, sich selbst zu beruhigen und ohne elterliche Hilfe einzuschlafen.

Die Kernpunkte der Methode:

  • Regelmäßigkeit: Feste Schlafenszeiten und Rituale sollen dem Kind Sicherheit geben.
  • Kontrolliertes Schreienlassen: Das Kind wird ins Bett gelegt und weint. Die Eltern warten, bevor sie es trösten, wobei die Wartezeit immer länger wird.
  • Distanzierung: Eltern sollen nicht zu viel Aufmerksamkeit schenken, um das Kind nicht zu "verwöhnen".

Die Kritik im Detail: Warum "Jedes Kind kann schlafen lernen" umstritten ist

Die Methode ist nicht ohne Grund umstritten. Zahlreiche Experten und bindungsorientierte Eltern äußern massive Bedenken hinsichtlich der psychischen und emotionalen Auswirkungen auf das Kind.

Bindungstheorie und die Folgen des Schreienlassens

Die Bindungstheorie, entwickelt von John Bowlby, besagt, dass Babys ein angeborenes Bedürfnis nach Nähe und Sicherheit haben. Weinen ist ihre Art, dieses Bedürfnis auszudrücken. Wenn ein Kind wiederholt schreien gelassen wird, lernt es, dass seine Bedürfnisse ignoriert werden. Dies kann zu einer unsicheren Bindung führen, was langfristige Auswirkungen auf die emotionale und soziale Entwicklung haben kann.

"Wenn Babys schreien, versuchen sie, uns etwas zu sagen. Sie brauchen unsere Nähe und Beruhigung. Schreienlassen lehrt sie, dass ihre Bedürfnisse nicht wichtig sind." - Dr. med. Remo H. Largo, Kinderarzt und Buchautor

Studien haben gezeigt, dass Kinder, die häufig schreien gelassen werden, ein höheres Risiko für Angststörungen, Depressionen und Verhaltensprobleme im späteren Leben haben. Sie können Schwierigkeiten haben, Vertrauen aufzubauen und enge Beziehungen einzugehen.

Stress und Cortisol: Was im Körper des Babys passiert

Wenn ein Baby schreit, schüttet sein Körper Stresshormone wie Cortisol aus. Längeres Schreien führt zu einem erhöhten Cortisolspiegel, der schädliche Auswirkungen auf die Gehirnentwicklung haben kann. Es beeinträchtigt die Fähigkeit des Kindes, mit Stress umzugehen und sich selbst zu regulieren.

Ein erhöhter Cortisolspiegel kann auch das Immunsystem schwächen und das Risiko für chronische Krankheiten im späteren Leben erhöhen. Es ist wichtig zu verstehen, dass Schreienlassen nicht nur emotional, sondern auch physisch belastend für das Kind ist.

Der Mythos der "Verwöhnung"

Ein zentrales Argument der Befürworter des Schreienlassens ist die Angst vor der "Verwöhnung". Die Vorstellung, dass man ein Baby verwöhnen kann, indem man es tröstet und ihm Nähe gibt, ist jedoch wissenschaftlich nicht haltbar. Im Gegenteil: Babys brauchen Nähe und Geborgenheit, um sich sicher und geborgen zu fühlen. Diese Sicherheit ist die Grundlage für eine gesunde Entwicklung.

"Es ist unmöglich, ein Baby zu verwöhnen. Was Babys brauchen, ist Liebe, Aufmerksamkeit und eine sichere Bindung." – sagt Dr. Sears, ein bekannter Kinderarzt und Befürworter der bindungsorientierten Erziehung.

Individuelle Unterschiede: Nicht jedes Kind ist gleich

Die "Jedes Kind kann schlafen lernen"-Methode geht von der Annahme aus, dass alle Kinder gleich sind und auf die gleiche Weise auf die Methode reagieren. Dies ist jedoch nicht der Fall. Jedes Kind hat seinen eigenen Charakter, seine eigenen Bedürfnisse und seine eigene Art, mit Stress umzugehen. Was für ein Kind funktioniert, muss für ein anderes noch lange nicht passen.

  • Einige Babys sind von Natur aus sensibler und brauchen mehr Nähe und Beruhigung.
  • Andere Babys haben gesundheitliche Probleme, die ihren Schlaf beeinträchtigen.
  • Wieder andere Babys befinden sich in einer Entwicklungsphase, in der sie besonders unruhig sind.

Es ist wichtig, die individuellen Bedürfnisse des Kindes zu berücksichtigen und eine Schlafmethode zu wählen, die zu ihm passt.

Alternativen zum Schreienlassen: Was können Eltern tun?

Zum Glück gibt es zahlreiche Alternativen zum Schreienlassen, die auf einer liebevollen und bindungsorientierten Basis beruhen.

Bindungsorientierte Schlafbegleitung:

  • Familienbett: Das Baby schläft im selben Bett wie die Eltern, was Nähe und Geborgenheit bietet.
  • Co-Sleeping: Das Baby schläft in einem Beistellbettchen direkt neben dem Elternbett.
  • Tragen: Das Baby wird tagsüber im Tragetuch oder in der Babytrage getragen, was ihm Sicherheit gibt und ihm hilft, zur Ruhe zu kommen.
  • Stillen/Flasche geben: Das Baby wird zum Einschlafen gestillt oder bekommt die Flasche.
  • Schlaf-Rituale: Feste Rituale vor dem Schlafengehen, wie Vorlesen, Singen oder Kuscheln, helfen dem Baby, zur Ruhe zu kommen.

Sanfte Methoden:

  • "Pick-up/Put-down"-Methode: Das Baby wird ins Bett gelegt und weint. Die Eltern nehmen es hoch, beruhigen es und legen es wieder hin, wenn es sich beruhigt hat. Dies wird so lange wiederholt, bis das Baby einschläft.
  • "Camping-out": Die Eltern sitzen neben dem Babybett, bis das Baby eingeschlafen ist. Nach und nach entfernen sie sich immer weiter vom Bett.

Es ist wichtig, geduldig zu sein und sich Zeit zu nehmen, um die richtige Methode für das eigene Kind zu finden. Schlaf ist ein Entwicklungsprozess, und es braucht Zeit, bis das Kind lernt, selbstständig einzuschlafen.

Fazit: Eine informierte Entscheidung treffen

Die "Jedes Kind kann schlafen lernen"-Methode ist eine kontroverse Methode, die nicht ohne Risiken ist. Eltern sollten sich gründlich informieren und die Vor- und Nachteile abwägen, bevor sie sich für diese Methode entscheiden. Es gibt zahlreiche Alternativen, die auf einer liebevollen und bindungsorientierten Basis beruhen und die dem Kind helfen, einen gesunden Schlafrhythmus zu entwickeln.

Letztendlich ist es wichtig, auf das eigene Bauchgefühl zu hören und eine Entscheidung zu treffen, die sich für das eigene Kind und die eigene Familie richtig anfühlt. Die Schlafentwicklung ist ein individueller Prozess, und es gibt keinen allgemeingültigen Ansatz. Vertrauen Sie auf Ihre Intuition und seien Sie geduldig. So finden Sie den besten Weg für Ihr Kind, um erholsam zu schlafen.

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