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Kapp Putsch 1920 Einfach Erklärt


Kapp Putsch 1920 Einfach Erklärt

Der Kapp-Putsch im März 1920 war ein entscheidender Moment in der fragilen Weimarer Republik. Er zeigte die tiefen Spaltungen innerhalb der deutschen Gesellschaft und die anhaltende Gefahr, die von rechtsgerichteten, militaristischen Kräften ausging. Obwohl der Putsch letztendlich scheiterte, legte er schonungslos die Schwäche der Regierung und die Stärke ihrer Gegner offen.

Die Hintergründe: Weimar am Abgrund

Die Weimarer Republik war von Anfang an mit immensen Problemen konfrontiert. Der verlorene Erste Weltkrieg, die demütigenden Bedingungen des Versailler Vertrags und die darauffolgenden wirtschaftlichen Schwierigkeiten schufen ein Klima der Unzufriedenheit und Instabilität. Viele Deutsche, insbesondere im Militär und in konservativen Kreisen, lehnten die Demokratie ab und sehnten sich nach einer autoritären Ordnung zurück.

Der Versailler Vertrag als Zündfunke

Der Versailler Vertrag war ein zentraler Auslöser für den Kapp-Putsch. Die darin enthaltenen Bestimmungen zur Abrüstung des deutschen Heeres, die Gebietsabtretungen und die Reparationszahlungen wurden als ungerecht und erniedrigend empfunden. Diese Ressentiments wurden von nationalistischen und militaristischen Gruppen gezielt geschürt, um gegen die Regierung zu hetzen.

Die Demobilisierung der Freikorps

Ein weiterer wichtiger Faktor war die Demobilisierung der Freikorps. Diese paramilitärischen Verbände, die nach dem Ersten Weltkrieg entstanden waren, bestanden oft aus ehemaligen Soldaten und Abenteurern, die sich weigerten, sich in die zivile Gesellschaft einzugliedern. Sie waren für ihre Brutalität und ihre antidemokratische Haltung bekannt und stellten eine erhebliche Gefahr für die öffentliche Ordnung dar. Als die Regierung begann, die Freikorps aufzulösen, sahen diese ihre Existenz bedroht und schlossen sich den Putschisten an.

Die Akteure: Wer waren die Putschisten?

Der Kapp-Putsch war das Werk einer heterogenen Gruppe von Verschwörern. An der Spitze standen:

  • Wolfgang Kapp: Ein nationalistischer Politiker und Beamter, der als nomineller Anführer des Putsches fungierte.
  • General Walther von Lüttwitz: Der Befehlshaber der Reichswehr im Großraum Berlin und eine Schlüsselfigur bei der Planung und Durchführung des Putsches. Lüttwitz hatte sich geweigert, die Freikorps aufzulösen und war ein entschiedener Gegner der Regierung.
  • Ehrhardt-Brigade: Eine besonders radikale und gewaltbereite Freikorps-Einheit unter der Führung von Hermann Ehrhardt. Sie spielte eine zentrale Rolle bei der Besetzung Berlins.

Die Putschisten rekrutierten ihre Anhänger vor allem aus:

  • Ehemaligen Soldaten und Freikorpskämpfern: Diese Gruppen waren frustriert über die Niederlage im Krieg und die Demobilisierung und sehnten sich nach einer Rückkehr zu militärischen Werten.
  • Nationalistischen und konservativen Kreisen: Diese Gruppen lehnten die Demokratie ab und sahen in der Weimarer Republik eine Schwächung Deutschlands.
  • Unzufriedenen Bürgern: Viele Menschen waren durch die wirtschaftliche Notlage und die politische Instabilität frustriert und suchten nach einfachen Lösungen.

Der Ablauf des Putsches

Der Putsch begann am 13. März 1920. Die Ehrhardt-Brigade marschierte in Berlin ein und besetzte wichtige Regierungsgebäude. Die Regierung unter Reichskanzler Gustav Bauer floh nach Dresden und später nach Stuttgart. Kapp ernannte sich selbst zum Reichskanzler und verkündete die Absetzung der Weimarer Regierung.

"Die Regierung ist geflohen. Wir übernehmen die Macht!" - Wolfgang Kapp, 13. März 1920

Die Reaktion der Bevölkerung war gespalten. Während einige den Putsch begrüßten, riefen andere zum Widerstand auf. Die freie Gewerkschaften riefen zum Generalstreik auf, der von Millionen von Arbeitern befolgt wurde. Dieser Streik legte das öffentliche Leben in Berlin und in vielen anderen Teilen Deutschlands lahm.

Der Generalstreik als entscheidender Faktor

Der Generalstreik war der entscheidende Faktor für das Scheitern des Kapp-Putsches. Ohne die Unterstützung der Bevölkerung und mit einer lahmgelegten Wirtschaft konnten die Putschisten ihre Macht nicht aufrechterhalten. Die Beamten in den Ministerien verweigerten die Zusammenarbeit, und auch Teile der Reichswehr zeigten sich unentschlossen oder verweigerten den Gehorsam.

Die Rolle der Reichswehr

Die Haltung der Reichswehr war ambivalent. Während einige Offiziere den Putsch unterstützten, blieben andere neutral oder verweigerten den Gehorsam. Der Chef der Reichswehr, General Hans von Seeckt, weigerte sich, gegen die Putschisten vorzugehen. Sein berüchtigter Ausspruch lautete: "Reichswehr schießt nicht auf Reichswehr." Diese Haltung trug dazu bei, dass der Putsch überhaupt erst stattfinden konnte.

Das Scheitern des Putsches und seine Folgen

Bereits nach wenigen Tagen brach der Kapp-Putsch zusammen. Kapp floh ins Ausland, und die Weimarer Regierung kehrte nach Berlin zurück. Die Putschisten wurden verhaftet und vor Gericht gestellt, obwohl viele von ihnen milde Strafen erhielten oder sogar ganz ungestraft blieben.

Die Lehren aus dem Kapp-Putsch

Der Kapp-Putsch hatte weitreichende Folgen für die Weimarer Republik:

  • Schwächung der Republik: Der Putsch offenbarte die tiefe Krise der Republik und das Misstrauen vieler Menschen in die demokratischen Institutionen.
  • Stärkung der extremen Rechten: Obwohl der Putsch scheiterte, ermutigte er die extrem rechte Szene und trug zur Radikalisierung der politischen Auseinandersetzung bei.
  • Vertrauensverlust in die Reichswehr: Die ambivalente Haltung der Reichswehr während des Putsches untergrub das Vertrauen in die Armee und trug zur politischen Instabilität bei.
  • Ermordung von Matthias Erzberger: Der Mord an dem Zentrums Politiker Matthias Erzberger, einem Unterzeichner des Versailler Vertrages, nur kurze Zeit nach dem Putsch, zeigte die anhaltende Gewaltbereitschaft der Rechten und die fehlende Durchsetzung des Rechtsstaates.

Der Kapp-Putsch ist ein wichtiges Beispiel dafür, wie schnell eine Demokratie in Gefahr geraten kann, wenn sie von innen und außen bedroht wird. Er zeigt, wie wichtig es ist, die demokratischen Institutionen zu verteidigen, gegen extremistische Tendenzen vorzugehen und die Ursachen von Unzufriedenheit und Frustration zu bekämpfen.

Fazit

Der Kapp-Putsch war ein gescheiterter Versuch, die Weimarer Republik zu stürzen und eine autoritäre Ordnung zu errichten. Er offenbarte die Schwächen der Republik und die Stärke ihrer Gegner. Obwohl der Putsch letztendlich scheiterte, trug er zur weiteren Destabilisierung der politischen Lage bei und ebnete den Weg für den Aufstieg des Nationalsozialismus. Die Lehren aus dem Kapp-Putsch sind auch heute noch relevant: Demokratie ist keine Selbstverständlichkeit, sondern muss aktiv verteidigt werden. Wir alle tragen die Verantwortung, uns gegen Extremismus und Intoleranz zu stellen und für eine offene und tolerante Gesellschaft einzutreten.

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