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Monat Im Kalender Der Französischen Revolution


Monat Im Kalender Der Französischen Revolution

Die Französische Revolution war nicht nur ein politischer und sozialer Umbruch, sondern auch ein radikaler Versuch, die Zeit selbst neu zu definieren. Ein Kernstück dieser Neudefinition war der Französische Revolutionskalender, der ab 1793 eingeführt wurde und das Ziel verfolgte, die Dekadenz des Ancien Régime hinter sich zu lassen und eine republikanische, von der Natur inspirierte Zeitrechnung zu etablieren. Dieser Kalender veränderte die Namen der Monate, Tage und sogar die Einteilung der Woche, um christliche und monarchistische Assoziationen zu vermeiden und stattdessen die Werte der Aufklärung und die landwirtschaftliche Natur Frankreichs zu betonen.

Die Motivation Hinter Dem Revolutionskalender

Der Revolutionskalender war weit mehr als nur eine kalendarische Reform. Er war ein integraler Bestandteil des revolutionären Projekts, die gesamte Gesellschaft umzugestalten. Er sollte die Menschen von den Traditionen der Vergangenheit befreien und sie mit den Idealen der Republik verbinden. Die Ziele waren vielfältig:

  • Entchristianisierung: Die Gregorianische Kalender war tief im Christentum verwurzelt. Der neue Kalender sollte religiöse Bezüge eliminieren und durch rationale, naturbezogene Symbole ersetzen.
  • Rationalisierung: Die unregelmäßigen Monatslängen und der komplizierte Schaltjahrzyklus des Gregorianischen Kalenders sollten durch eine dezimale Struktur und eine einfachere Berechnung ersetzt werden.
  • Propaganda: Der Kalender diente als Propagandainstrument, um die Werte der Revolution – Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit – zu verbreiten und das Gefühl der nationalen Einheit zu stärken.
  • Verbundenheit mit der Natur: Die Namen der Monate und Tage wurden von landwirtschaftlichen Tätigkeiten, Wetterphänomenen und Naturprodukten abgeleitet, um die enge Beziehung zwischen Mensch und Natur hervorzuheben.

Die Struktur des Revolutionskalenders

Der Revolutionskalender teilte das Jahr in zwölf Monate auf, jeder zu 30 Tagen. Diese Monate wurden in drei Dekaden zu je zehn Tagen unterteilt. Der zehnte Tag, der Décadi, ersetzte den Sonntag als Ruhetag.

Die fünf (in Schaltjahren sechs) zusätzlichen Tage am Ende des Jahres wurden als Sansculottiden bezeichnet und waren Feiertage, die der Revolution und ihren Werten gewidmet waren. Diese Tage wurden dem Volk gewidmet.

Die Benennung der Monate erfolgte nach den jahreszeitlich typischen Merkmalen des französischen Klimas und der Landwirtschaft. So entstanden Namen wie:

  • Vendémiaire (Weinlesemonat - Beginnend etwa am 22. September): Vom lateinischen "vindemia" (Weinlese).
  • Brumaire (Nebelmonat - Beginnend etwa am 22. Oktober): Vom französischen "brume" (Nebel).
  • Frimaire (Reifmonat - Beginnend etwa am 21. November): Vom französischen "frimas" (Reif).
  • Nivôse (Schneemonat - Beginnend etwa am 21. Dezember): Vom lateinischen "nivosus" (schneereich).
  • Pluviôse (Regenmonat - Beginnend etwa am 20. Januar): Vom lateinischen "pluviosus" (regnerisch).
  • Ventôse (Windmonat - Beginnend etwa am 19. Februar): Vom lateinischen "ventosus" (windig).
  • Germinal (Keimmonat - Beginnend etwa am 21. März): Vom lateinischen "germen" (Keim).
  • Floréal (Blumenmonat - Beginnend etwa am 20. April): Vom lateinischen "flos" (Blume).
  • Prairial (Wiesenmonat - Beginnend etwa am 20. Mai): Vom französischen "prairie" (Wiese).
  • Messidor (Erntemonat - Beginnend etwa am 19. Juni): Vom lateinischen "messis" (Ernte).
  • Thermidor (Hitzemonat - Beginnend etwa am 19. Juli): Vom griechischen "therme" (Hitze).
  • Fructidor (Fruchtmonat - Beginnend etwa am 18. August): Vom lateinischen "fructus" (Frucht).

Sogar die Tage selbst erhielten Namen, die sich auf Pflanzen, Tiere oder Werkzeuge bezogen. Zum Beispiel wurde der 1. Vendémiaire als "Raisin" (Traube) bezeichnet.

Schwierigkeiten und Widerstand

Obwohl der Revolutionskalender von der Regierung offiziell eingeführt wurde, stieß er in der Bevölkerung auf erheblichen Widerstand. Es gab mehrere Gründe dafür:

  • Religiöse Gewohnheiten: Der Verlust des Sonntags und der christlichen Feiertage war für viele Menschen, besonders in ländlichen Gebieten, schwer zu akzeptieren.
  • Kompliziertheit: Die dezimale Struktur und die neuen Monats- und Tagesnamen waren für viele Menschen ungewohnt und schwer zu erlernen.
  • Praktische Probleme: Die Umstellung auf den neuen Kalender führte zu Verwirrung in der Wirtschaft und im Alltag. Verträge, Termine und traditionelle Feiern mussten neu organisiert werden.

Viele Menschen ignorierten den Revolutionskalender und hielten an ihren alten Gewohnheiten fest. Die Regierung versuchte, den Gebrauch des neuen Kalenders durchzusetzen, aber die Akzeptanz blieb gering.

Das Ende des Revolutionskalenders

Nach dem Sturz Robespierres und dem Ende der radikalsten Phase der Revolution verlor der Revolutionskalender allmählich an Bedeutung. Napoleon Bonaparte schaffte ihn am 1. Januar 1806 offiziell wieder ab und führte den Gregorianischen Kalender wieder ein. Die Gründe dafür waren pragmatischer Natur:

  • Vereinfachung der Verwaltung: Der Gregorianische Kalender war in den meisten europäischen Ländern bereits etabliert, was die internationale Zusammenarbeit erleichterte.
  • Religiöse Rücksichtnahme: Napoleon wollte die Beziehungen zur katholischen Kirche verbessern und erkannte, dass der Revolutionskalender ein Hindernis dafür darstellte.
  • Praktische Notwendigkeiten: Die weiterhin bestehenden praktischen Schwierigkeiten und die mangelnde Akzeptanz in der Bevölkerung führten zu dem Entschluss, den alten Kalender wieder einzuführen.

Das Erbe des Revolutionskalenders

Obwohl der Revolutionskalender nur etwa zwölf Jahre in Kraft war, hinterließ er einen bleibenden Eindruck. Er war ein kühner Versuch, die Zeit neu zu definieren und die Gesellschaft von alten Traditionen zu befreien. Er demonstrierte den revolutionären Eifer und den Wunsch nach einer radikalen Erneuerung aller Lebensbereiche. Heute dient er als ein faszinierendes Beispiel für die ideologischen und kulturellen Umbrüche der Französischen Revolution und wird als ein Symbol für den revolutionären Geist verstanden.

Ein Beispiel für die Verwendung des Kalenders findet sich in historischen Dokumenten, Briefen und Dekreten der Revolutionszeit. Archivarische Nachforschungen zeigen, dass offizielle Dokumente konsequent das Datum im Revolutionskalender angaben, oft parallel zum Gregorianischen Datum, um Verwirrung zu vermeiden. Dies ermöglicht Historikern heute, die Ereignisse der Revolution präzise zu datieren und zu kontextualisieren. Die "Schlacht von Austerlitz", beispielsweise, fand am 11. Frimaire XIV (2. Dezember 1805) statt.

Fazit und Aufruf zum Nachdenken

Der Revolutionskalender mag letztendlich gescheitert sein, aber er erinnert uns daran, dass Zeit nicht einfach nur eine neutrale Messgröße ist, sondern auch eine kulturelle und politische Konstruktion. Er fordert uns heraus, darüber nachzudenken, wie wir unsere Zeit strukturieren, welche Werte wir damit verbinden und wie diese Strukturen unsere Gesellschaft prägen. Er demonstriert auch die Kraft der Ideologie, eine Gesellschaft grundlegend verändern zu wollen, und die Schwierigkeiten, die mit dem Bruch etablierter Traditionen einhergehen. Er ist ein eindrucksvolles Zeugnis der Französischen Revolution und ihrer radikalen Ziele. Möge er uns anregen, über die Konventionen unserer eigenen Zeit nachzudenken und uns fragen, welche neuen Möglichkeiten sich eröffnen, wenn wir bereit sind, Bestehendes in Frage zu stellen. Denken Sie darüber nach, wie auch Sie kleine Aspekte Ihres Alltags hinterfragen und durchdachter gestalten können.

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