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Never Let Me Go By Kazuo Ishiguro


Never Let Me Go By Kazuo Ishiguro

Kazuo Ishiguros Never Let Me Go, im Deutschen unter dem Titel Alles, was wir geben mussten erschienen, ist mehr als nur eine dystopische Liebesgeschichte. Es ist eine tiefgreifende Auseinandersetzung mit Moral, Menschlichkeit, Identität und dem Wert des Lebens. Durch die Augen von Kathy H., einer Pflegerin, die sich um Organspender kümmert, entfaltet sich eine Geschichte, die den Leser dazu zwingt, über die ethischen Implikationen von wissenschaftlichem Fortschritt und die Definition von Menschlichkeit nachzudenken.

Die abgeschiedene Welt von Hailsham

Die Geschichte beginnt in Hailsham, einer scheinbar idyllischen Privatschule im ländlichen England. Dort wachsen Kathy, Ruth und Tommy auf, ohne anfänglich die wahre Natur ihrer Existenz zu begreifen. Hailsham ist eine Blase, die sie vor der Außenwelt schützt, aber auch ein Ort, an dem sie auf ihre vorbestimmte Rolle vorbereitet werden. Die Kinder werden gefördert, ihre Kreativität wird geschätzt, und sie werden ständig dazu angehalten, ihre "Werke" zu schaffen – Kunstwerke, die angeblich ihre Seele widerspiegeln und möglicherweise ihre "Aufschub"-Chancen beeinflussen könnten.

Die Normalität von Hailsham ist trügerisch. Erst nach und nach dämmert dem Leser und den Protagonisten selbst, dass sie Klone sind, gezüchtet, um im jungen Erwachsenenalter ihre Organe zu spenden. Diese Erkenntnis ist nicht schockartig präsentiert, sondern sickert langsam durch, wodurch die emotionale Wirkung umso stärker wird. Die Indoktrination ist subtil, aber effektiv. Sie lernen, ihre Zukunft als selbstverständlich hinzunehmen, ohne sie in Frage zu stellen.

Die Bedeutung der "Werke"

Die "Werke", also die Kunstwerke der Schüler, spielen eine zentrale Rolle. Die Lehrerinnen, die "Guardians", sammeln diese Werke, und es wird angedeutet, dass sie bewertet werden, um die Schüler zu selektieren oder ihnen sogar einen "Aufschub" von ihren Spenden zu gewähren. Diese Annahme, obwohl nie bestätigt, nährt die Hoffnung und den Wettbewerb unter den Schülern. Es ist eine Metapher für die verzweifelten Versuche, die eigene Individualität und den Wert zu beweisen, in einer Gesellschaft, die sie scheinbar nicht anerkennt.

Die "Galerie", in der die Werke gelagert werden, wird von Madame geleitet, einer mysteriösen Figur, die die Schüler mit einer Mischung aus Faszination und Abscheu betrachtet. Später erfahren wir, dass Madame und Miss Emily, eine andere ehemalige Guardian, versuchten, die Öffentlichkeit auf die Unmenschlichkeit der Behandlung der Klone aufmerksam zu machen. Die Galerie war ihr Beweismittel, der Versuch, die Menschlichkeit der Klone anhand ihrer Kunst zu demonstrieren.

Die Suche nach Liebe und Anerkennung

Die Liebesgeschichte zwischen Kathy, Ruth und Tommy bildet das emotionale Zentrum des Romans. Ihre Beziehungen sind geprägt von Unsicherheit, Eifersucht und dem Wunsch nach Akzeptanz. Ruth, die dominanteste der drei, manipuliert oft die Situationen zu ihrem Vorteil, was zu Spannungen und Missverständnissen führt. Tommy, der als weniger intelligent und künstlerisch begabt gilt, leidet besonders unter dem Gefühl, nicht gut genug zu sein.

Die Suche nach einem "Aufschub" wird durch die Legende der "vollendeten Paare" befeuert. Die Klone glauben, dass Paare, die sich wirklich lieben, eine Chance haben, ihre Spenden hinauszuzögern. Tommy und Kathy verbringen Jahre getrennt, erst später finden sie wieder zusammen, in der Hoffnung, einen Aufschub zu erwirken. Diese Suche nach Liebe ist nicht nur ein persönliches Bedürfnis, sondern auch ein Ausdruck des Wunsches nach Anerkennung ihrer Menschlichkeit.

Der Mythos des Aufschubs

Der Mythos des "Aufschubs" dient als Symbol für Hoffnung und Verzweiflung. Er repräsentiert den verzweifelten Versuch, sich gegen das unausweichliche Schicksal aufzulehnen. Die Tatsache, dass der Aufschub eine bloße Legende ist, verstärkt die Tragik der Geschichte. Es zeigt, dass selbst die größte Liebe und die stärkste Verbindung nicht ausreichen, um die vorgegebene Rolle zu verändern. Der Mythos dient auch dazu, die Klone zu kontrollieren, indem er ihnen eine falsche Hoffnung gibt und sie davon abhält, sich gegen ihr Schicksal aufzulehnen.

Die ethischen Implikationen der Klonierung

Never Let Me Go wirft drängende ethische Fragen über die Klonierung und die Kommerzialisierung des menschlichen Lebens auf. Der Roman zeigt, wie die Gesellschaft dazu bereit ist, eine Gruppe von Menschen zu entmenschlichen, um ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen. Die Klone werden als bloße Ressourcen betrachtet, ohne Rechte oder Würde. Die Geschichte zwingt uns dazu, über die Grenzen der wissenschaftlichen Forschung und die moralischen Konsequenzen unseres Handelns nachzudenken.

Realwelt-Bezug: Obwohl das Klonen von Menschen noch nicht weit verbreitet ist, gibt es Diskussionen über das Klonen von Tieren zur Organspende für Menschen. Die ethischen Argumente, die in Never Let Me Go aufgeworfen werden, sind auch in diesen Debatten relevant. Wie weit dürfen wir gehen, um Leben zu retten, und welche Kosten sind wir bereit zu zahlen?

Der Roman kritisiert indirekt die Gleichgültigkeit der Gesellschaft gegenüber dem Leid der Klone. Die breite Öffentlichkeit scheint von ihrer Existenz entweder nichts zu wissen oder sie zu ignorieren. Diese Ignoranz ermöglicht es dem System, ungestört zu funktionieren. Es ist eine Mahnung, dass wir alle eine Verantwortung haben, uns für die Rechte der Schwächsten in unserer Gesellschaft einzusetzen.

Der Wert des Lebens und die Akzeptanz des Schicksals

Trotz ihres unausweichlichen Schicksals versuchen Kathy, Ruth und Tommy, ihr Leben so gut wie möglich zu leben. Sie suchen nach Liebe, Freundschaft und Sinn. Ihre Resilienz und ihre Fähigkeit, Freude in einer trostlosen Welt zu finden, sind bewundernswert. Sie zeigen, dass selbst unter den schlimmsten Umständen die Menschlichkeit nicht verloren geht.

Die Akzeptanz des Schicksals ist ein zentrales Thema des Romans. Die Klone lernen, ihre vorbestimmte Rolle anzunehmen, auch wenn sie sie nicht verstehen oder gutheißen. Diese Akzeptanz ist nicht unbedingt positiv, sondern eher ein Ausdruck ihrer begrenzten Handlungsfähigkeit. Sie haben keine Möglichkeit, sich gegen das System aufzulehnen, und so bleibt ihnen nur die Wahl, sich anzupassen und das Beste daraus zu machen.

Die Rolle der Erinnerung

Erinnerungen spielen eine entscheidende Rolle im Leben der Charaktere. Sie sind ein Anker zur Vergangenheit und ein Beweis für ihre Individualität. Kathy klammert sich an ihre Erinnerungen an Hailsham, um ihre Identität zu bewahren und sich mit ihrer Vergangenheit verbunden zu fühlen. Erinnerungen sind auch ein Quell von Trost und Freude, besonders in den dunklen Momenten ihres Lebens.

Die Betonung der Erinnerung unterstreicht die Bedeutung der persönlichen Geschichte. Auch wenn die Klone genetisch identisch sind, haben sie unterschiedliche Erfahrungen und Erinnerungen, die sie zu einzigartigen Individuen machen. Ihre Erinnerungen sind ein Beweis für ihre Menschlichkeit und ihren Wert.

Conclusion

Never Let Me Go ist ein Meisterwerk der Literatur, das noch lange nach dem Lesen im Gedächtnis bleibt. Es ist eine eindringliche Auseinandersetzung mit den großen Fragen des Lebens: Was bedeutet es, menschlich zu sein? Was ist der Wert des Lebens? Und wie gehen wir mit dem Tod um? Der Roman ist eine Mahnung, die ethischen Implikationen unseres Handelns zu bedenken und uns für eine gerechtere und menschlichere Welt einzusetzen.

Call to Action: Reflektieren Sie über die Themen, die in Never Let Me Go angesprochen werden. Informieren Sie sich über die ethischen Fragen der Gentechnik und Organspende. Setzen Sie sich für die Rechte der Schwächsten in unserer Gesellschaft ein. Und vor allem: Vergessen Sie nie die Menschlichkeit in jedem Individuum.

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