Rat Für Deutsche Rechtschreibung Gendern
Gendern, oder geschlechtergerechte Sprache, zielt darauf ab, alle Geschlechter sprachlich sichtbar zu machen. Es geht darum, dass sich nicht nur Männer und Frauen, sondern auch Menschen, die sich nicht binär identifizieren, angesprochen fühlen. Es ist ein kontrovers diskutiertes Thema in Deutschland, und es gibt keine einheitliche "richtige" Methode. Dieser Artikel bietet einen praktischen Leitfaden für verschiedene Gendering-Techniken.
Warum Gendern?
Die traditionelle deutsche Sprache verwendet oft das generische Maskulinum, z.B. "Lehrer" für Lehrerinnen und Lehrer. Kritiker argumentieren, dass dies Frauen und nicht-binäre Personen unsichtbar macht und eine männlich dominierte Sichtweise verstärkt. Gendern soll diese Ungleichheit ausgleichen und zu einer inklusiveren Sprache beitragen.
Grundlegende Gendering-Techniken: Ein schrittweiser Ansatz
Hier sind einige der gängigsten Methoden, beginnend mit den einfachsten und zunehmend komplexeren:
Phase 1: Neutrale Formulierungen
Der einfachste Weg ist, neutrale Begriffe zu verwenden, die kein Geschlecht implizieren. Dies ist oft die eleganteste Lösung.
- Statt: "Der Mitarbeiter ist zuständig..."
- Besser: "Die zuständige Person ist..." oder "Das Team ist zuständig..."
- Statt: "Die Leser sollen..."
- Besser: "Das Publikum soll..." oder "Interessierte sollen..."
- Statt: "Studenten der Universität..."
- Besser: "Studierende der Universität..." oder "Die Studierendenschaft der Universität..."
Phase 2: Doppelnennung
Die Doppelnennung nennt beide Geschlechter explizit. Dies ist unmissverständlich, kann aber bei längeren Texten repetitiv wirken.
- "Schülerinnen und Schüler"
- "Bürgerinnen und Bürger"
- "Lehrerinnen und Lehrer"
Abkürzungen wie "Schüler/-innen" oder "Bürger/innen" sind platzsparender, aber weniger lesefreundlich.
Phase 3: Gendersternchen (oder Gender-Gap/Unterstrich)
Das Gendersternchen (*), der Gender-Gap (_) oder der Gender-Doppelpunkt (:) sollen nicht-binäre Geschlechter mit einschließen. Sie werden zwischen Wortstamm und Endung eingefügt.
- Lehrer*innen, Lehrer_innen, Lehrer:innen
- Kund*innen, Kund_innen, Kund:innen
- Teilnehmer*innen, Teilnehmer_innen, Teilnehmer:innen
Die Aussprache des Sternchens ist nicht eindeutig festgelegt; oft wird eine kurze Pause gemacht.
Phase 4: Genderneutrale Pronomen und Anreden
Für Menschen, die sich nicht als Mann oder Frau identifizieren, können genderneutrale Pronomen wie "dey" oder "xier" verwendet werden. Diese sind im Deutschen aber noch nicht etabliert.
Statt "Sehr geehrte Damen und Herren" kann man schreiben: "Sehr geehrtes Publikum" oder "Guten Tag".
Worauf Sie Achten Sollten
- Konsistenz: Verwenden Sie eine Methode konsequent innerhalb eines Textes.
- Lesbarkeit: Achten Sie darauf, dass der Text weiterhin gut lesbar ist. Überladenes Gendern kann den Lesefluss stören.
- Zielgruppe: Berücksichtigen Sie die Erwartungen und Präferenzen Ihrer Zielgruppe.
- Kontext: Nicht jede Situation erfordert explizites Gendern. In manchen Fällen ist eine neutrale Formulierung ausreichend.
- Vermeidung von Stereotypen: Gendern soll Geschlechtergerechtigkeit fördern, nicht Stereotypen verstärken. Achten Sie darauf, dass Ihre Sprache nicht unbeabsichtigt geschlechterstereotype Bilder erzeugt.
Fazit
Gendern ist ein dynamischer Prozess. Es gibt keine perfekte Lösung, und die beste Methode hängt von Kontext und Zielgruppe ab. Das Ziel ist, eine inklusive Sprache zu verwenden, die alle Menschen respektiert und wertschätzt. Experimentieren Sie mit verschiedenen Techniken und finden Sie heraus, was für Sie und Ihre Kommunikation am besten funktioniert. Wichtig ist, dass Sie sich mit dem Thema auseinandersetzen und sich bewusst machen, wie Sprache Geschlechterbilder prägt.
