Scheinträchtigkeit Hund Wann Zum Tierarzt
Scheinträchtigkeit beim Hund, auch bekannt als Scheingeburt oder Pseudogravidität, ist ein Zustand, bei dem eine nicht-trächtige Hündin die körperlichen und/oder verhaltensbedingten Anzeichen einer Trächtigkeit zeigt.
Lass uns diesen Zustand Schritt für Schritt genauer betrachten:
1. Hormonelle Veränderungen: Nach der Läufigkeit (Hitze) durchläuft jede Hündin eine Phase, in der ihr Körper Progesteron produziert. Selbst wenn sie nicht gedeckt wurde, bleibt der Progesteronspiegel erhöht. Gegen Ende dieser Phase sinkt der Progesteronspiegel, was zu einem Anstieg des Prolaktin-Spiegels führt. Prolaktin ist das Hormon, das die Milchproduktion anregt.
Beispiel: Stell dir vor, deine Hündin hatte vor zwei Monaten ihre Läufigkeit. Ihr Körper hat die ganze Zeit Hormone produziert, die jetzt diese Scheinträchtigkeit auslösen.
2. Körperliche Symptome: Durch den erhöhten Prolaktinspiegel kann die Hündin körperliche Anzeichen einer Trächtigkeit zeigen. Dazu gehören:
- Vergrößerte Milchdrüsen: Die Zitzen schwellen an und können sogar Milch produzieren.
- Gewichtszunahme: Die Hündin kann etwas zunehmen.
- Vergrößerter Bauchumfang: Der Bauch kann sich etwas aufblähen.
Beispiel: Du bemerkst, dass die Zitzen deiner Hündin größer sind als sonst und sie sich auffällig oft daran leckt. Auch ihr Bauch wirkt etwas runder.
3. Verhaltensänderungen: Neben den körperlichen Symptomen können auch Verhaltensänderungen auftreten. Diese können sein:
- Nestbau: Die Hündin sucht sich einen ruhigen Ort und beginnt, ein Nest zu bauen, z. B. in einem Korb oder unter einem Tisch.
- Mutterinstinkt: Sie kann Stofftiere oder andere Gegenstände als "Welpen" behandeln und sie beschützen.
- Appetitveränderungen: Manche Hündinnen fressen mehr, andere weniger.
- Unruhe oder Reizbarkeit: Sie kann anhänglicher oder aber auch gereizter sein.
Beispiel: Deine Hündin schleppt alle ihre Spielsachen in ihren Korb und verteidigt ihn aggressiv gegen dich.
Wann zum Tierarzt? In den meisten Fällen ist eine Scheinträchtigkeit harmlos und klingt von selbst wieder ab. Dennoch gibt es Situationen, in denen ein Besuch beim Tierarzt ratsam ist:
- Starke Milchproduktion: Wenn die Milchproduktion sehr stark ist und die Hündin Schmerzen hat.
- Entzündung der Milchdrüsen (Mastitis): Rötung, Schwellung oder Schmerzen in den Zitzen.
- Verhaltensänderungen, die das Wohlbefinden beeinträchtigen: Extreme Aggressivität oder Depression.
- Du bist dir unsicher, ob es sich wirklich um eine Scheinträchtigkeit handelt. Der Tierarzt kann eine Trächtigkeit ausschließen.
Der Tierarzt kann Medikamente verschreiben, um die Milchproduktion zu stoppen oder Verhaltensprobleme zu lindern. In einigen Fällen kann auch eine Kastration in Erwägung gezogen werden, um zukünftige Scheinträchtigkeiten zu verhindern.
Praktische Anwendung: Das Wissen um Scheinträchtigkeit ist wichtig, um unnötige Sorgen zu vermeiden und die Hündin richtig zu unterstützen. Es hilft auch, echte Trächtigkeiten von Scheinträchtigkeiten zu unterscheiden und rechtzeitig tierärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen, wenn nötig.
Ein weiterer praktischer Nutzen ist, dass man durch Beobachtung der Hündin und das Erkennen der Anzeichen einer Scheinträchtigkeit Rückschlüsse auf ihren Hormonhaushalt ziehen kann. Dies kann bei zukünftigen Zuchtplanungen hilfreich sein, falls die Hündin eigentlich Welpen bekommen sollte.
