Seit Wann Gibt Es Hpv Impfung
Die HPV-Impfung ist ein wichtiges Thema für die öffentliche Gesundheit, und viele Menschen fragen sich, wann diese lebensrettende Präventivmaßnahme eigentlich eingeführt wurde. Dieser Artikel richtet sich an alle, die sich über die Geschichte und den zeitlichen Verlauf der HPV-Impfung in Deutschland und weltweit informieren möchten. Wir werden die wichtigsten Meilensteine beleuchten und versuchen, die Entwicklung so verständlich wie möglich darzustellen.
Die Anfänge: Forschung und Entwicklung
Um die Frage "Seit wann gibt es die HPV-Impfung?" beantworten zu können, müssen wir zunächst einen Blick auf die wissenschaftlichen Grundlagen werfen. Die Forschung zu Humanen Papillomviren (HPV) begann bereits in den 1970er und 1980er Jahren. Ein entscheidender Durchbruch gelang dem deutschen Wissenschaftler Harald zur Hausen. Er entdeckte, dass bestimmte HPV-Typen eine wesentliche Rolle bei der Entstehung von Gebärmutterhalskrebs spielen. Diese bahnbrechende Erkenntnis, für die er 2008 den Nobelpreis für Medizin erhielt, legte den Grundstein für die Entwicklung von Impfstoffen gegen HPV.
"Es war ein langer und mühsamer Weg, aber die Erkenntnis, dass HPV eine Hauptursache für Gebärmutterhalskrebs ist, hat die Entwicklung der Impfstoffe erst ermöglicht." - Dr. med. Sabine Müller, Gynäkologin
In den 1990er Jahren intensivierten sich die Bemühungen, Impfstoffe zu entwickeln, die vor einer Infektion mit den gefährlichsten HPV-Typen schützen sollten. Die Herausforderung bestand darin, einen Impfstoff zu entwickeln, der sicher und wirksam ist und eine langfristige Immunität bietet.
Die Zulassung der ersten HPV-Impfstoffe
Der Wendepunkt kam schließlich Anfang des 21. Jahrhunderts. Die ersten HPV-Impfstoffe wurden zugelassen und standen somit erstmals der Bevölkerung zur Verfügung. Aber wann genau war das?
Gardasil: Der erste zugelassene Impfstoff
Im Jahr 2006 wurde Gardasil, ein quadrivalenter Impfstoff, der vor vier HPV-Typen (6, 11, 16 und 18) schützt, von der US-amerikanischen Zulassungsbehörde FDA zugelassen. Kurz darauf, im September 2006, erfolgte die Zulassung in der Europäischen Union durch die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA). Gardasil war somit der erste verfügbare HPV-Impfstoff in Europa und auch in Deutschland.
Gardasil schützt vor HPV-Typen, die für etwa 70% der Gebärmutterhalskrebsfälle und 90% der Genitalwarzen verantwortlich sind. Die Zulassung von Gardasil war ein enormer Fortschritt in der Krebsprävention.
Cervarix: Eine weitere wichtige Option
Im Jahr 2007 folgte die Zulassung von Cervarix, einem bivalenten Impfstoff, der vor den HPV-Typen 16 und 18 schützt, die ebenfalls für einen Großteil der Gebärmutterhalskrebsfälle verantwortlich sind. Auch Cervarix wurde sowohl in den USA als auch in der Europäischen Union zugelassen und stand damit als weitere Option zur Verfügung.
Diese beiden Impfstoffe, Gardasil und Cervarix, markierten den Beginn einer neuen Ära in der Prävention von HPV-bedingten Erkrankungen.
Die Einführung der HPV-Impfung in Deutschland
Nach der Zulassung der HPV-Impfstoffe in der EU dauerte es nicht lange, bis die Impfung auch in Deutschland verfügbar war. Die Ständige Impfkommission (STIKO) in Deutschland sprach sich im August 2007 erstmals für die öffentliche Impfempfehlung für Mädchen im Alter von 12 bis 17 Jahren aus. Damit wurde die HPV-Impfung offiziell in das deutsche Impfprogramm aufgenommen.
Die Empfehlung der STIKO basierte auf den Erkenntnissen, dass die Impfung ein wirksames Mittel zur Reduzierung von Gebärmutterhalskrebs und anderen HPV-bedingten Erkrankungen ist.
Erweiterung der Impfempfehlung
Im Laufe der Jahre wurde die Impfempfehlung der STIKO mehrfach angepasst und erweitert. Im Jahr 2014 wurde die Impfempfehlung auf Jungen im Alter von 9 bis 14 Jahren ausgeweitet. Diese Erweiterung berücksichtigte die Tatsache, dass HPV auch bei Männern verschiedene Krebsarten (z.B. Peniskrebs, Analkrebs, Mundrachenkrebs) und Genitalwarzen verursachen kann.
Die aktuelle Empfehlung (Stand heute) der STIKO lautet, dass alle Kinder und Jugendlichen im Alter von 9 bis 14 Jahren gegen HPV geimpft werden sollen. Versäumte Impfungen sollten bis zum 18. Geburtstag nachgeholt werden.
Weiterentwicklung der HPV-Impfstoffe: Gardasil 9
Die Forschung und Entwicklung im Bereich der HPV-Impfstoffe ging weiter. Im Jahr 2015 wurde Gardasil 9 zugelassen, ein neunvalenter Impfstoff, der vor neun HPV-Typen (6, 11, 16, 18, 31, 33, 45, 52 und 58) schützt. Gardasil 9 bietet einen noch breiteren Schutz vor HPV-bedingten Erkrankungen als die vorherigen Impfstoffe. Er schützt vor etwa 90% der Gebärmutterhalskrebsfälle.
Gardasil 9 hat die älteren Impfstoffe weitgehend ersetzt und ist heute der in Deutschland und vielen anderen Ländern standardmäßig verwendete HPV-Impfstoff.
Warum ist die HPV-Impfung wichtig?
Die HPV-Impfung ist eine wichtige Maßnahme zur Prävention von Krebs und anderen HPV-bedingten Erkrankungen. Sie schützt nicht nur vor Gebärmutterhalskrebs, sondern auch vor anderen Krebsarten, Genitalwarzen und weiteren Erkrankungen, die durch HPV verursacht werden können.
- Krebsprävention: Reduziert das Risiko von Gebärmutterhalskrebs, Peniskrebs, Analkrebs, Mundrachenkrebs und Vulvakrebs.
- Schutz vor Genitalwarzen: Verhindert die Entstehung von Genitalwarzen, die sehr unangenehm und belastend sein können.
- Reduzierung der HPV-bedingten Krankheitslast: Trägt dazu bei, die allgemeine Krankheitslast durch HPV zu verringern.
Fazit: Ein wichtiger Schritt für die Gesundheit
Die HPV-Impfung ist ein bedeutender Fortschritt in der Medizin und ein wirksames Mittel zur Prävention von Krebs und anderen HPV-bedingten Erkrankungen. Seit der Zulassung der ersten Impfstoffe im Jahr 2006 hat sich viel getan. Die Impfempfehlungen wurden erweitert, und die Impfstoffe wurden weiterentwickelt, um einen noch besseren Schutz zu bieten. *Die frühe Impfung* im empfohlenen Alter ist entscheidend, um den bestmöglichen Schutz zu gewährleisten.
Wir alle können einen Beitrag zur Gesundheit leisten, indem wir uns über die HPV-Impfung informieren und uns impfen lassen oder unsere Kinder impfen lassen. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin, um mehr über die HPV-Impfung zu erfahren und Ihre Fragen zu klären. Denn Prävention ist besser als Heilen!
Denken wir daran: Gemeinsam können wir dazu beitragen, die Häufigkeit von HPV-bedingten Erkrankungen zu reduzieren und die Gesundheit aller zu fördern. Die HPV-Impfung ist ein Geschenk der Wissenschaft, das wir nutzen sollten. Schützen wir uns und unsere Liebsten!
