Störung Des Sozialverhaltens Icd 10
Was ist eine Störung des Sozialverhaltens (ICD-10)?
Die Störung des Sozialverhaltens ist eine psychische Störung, die hauptsächlich bei Kindern und Jugendlichen auftritt. Sie ist gekennzeichnet durch wiederholte und andauernde Verhaltensmuster, die gegen soziale Normen und Regeln verstoßen. Diese Verhaltensweisen sind häufig altersunangemessen und beeinträchtigen das soziale, schulische oder berufliche Funktionieren.
Die ICD-10 (Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme, 10. Revision) ist ein international anerkanntes Klassifikationssystem für medizinische Diagnosen. Sie wird von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) herausgegeben. Die ICD-10 dient als Grundlage für die Diagnose und Klassifikation verschiedener Erkrankungen, einschließlich psychischer Störungen.
Merkmale und Symptome
Die ICD-10 unterscheidet verschiedene Formen der Störung des Sozialverhaltens. Gemeinsam ist ihnen ein anhaltendes Muster von dissozialem, aggressivem oder aufsässigem Verhalten. Diese Verhaltensweisen gehen über normale kindliche Unarten oder gelegentliche Regelverstöße hinaus.
Einige typische Verhaltensweisen sind: Aggressionen gegenüber Menschen und Tieren, Zerstörung von Eigentum, Betrug oder Diebstahl, schwere Regelverstöße. Dazu können gehören: Schlägereien, Mobbing, Vandalismus, Lügen, Stehlen und das Weglaufen von zu Hause. Diese Verhaltensweisen müssen über einen längeren Zeitraum auftreten (mindestens 6 Monate), um als Störung des Sozialverhaltens diagnostiziert zu werden.
Es ist wichtig zu beachten, dass nicht jedes Kind, das gelegentlich frech oder aufsässig ist, eine Störung des Sozialverhaltens hat. Die Verhaltensweisen müssen häufig, schwerwiegend und anhaltend sein und das Leben des Kindes oder des Jugendlichen erheblich beeinträchtigen.
Formen der Störung des Sozialverhaltens nach ICD-10
Die ICD-10 unterscheidet verschiedene Subtypen der Störung des Sozialverhaltens. Die Unterscheidung erfolgt hauptsächlich anhand des Vorhandenseins oder Fehlens von sozialer Integration:
- Auf das Elternhaus beschränkte Störung des Sozialverhaltens (F91.0): Das dissoziale Verhalten tritt nur im häuslichen Umfeld auf.
- Nichtsozialisierte Störung des Sozialverhaltens (F91.1): Das Kind oder der Jugendliche hat keine stabilen Freundschaften und zeigt dissoziales Verhalten sowohl zu Hause als auch außerhalb.
- Sozialisierte Störung des Sozialverhaltens (F91.2): Das Kind oder der Jugendliche hat Freundschaften und ist in eine Gruppe integriert, zeigt aber dennoch dissoziales Verhalten.
- Störung des Sozialverhaltens mit oppositionellem, aufsässigem Verhalten (F91.3): Diese Form ist durch ein Muster von oppositionellem, aufsässigem und feindseligem Verhalten gegenüber Autoritätspersonen gekennzeichnet.
- Nicht näher bezeichnete Störung des Sozialverhaltens (F91.9): Wenn die Kriterien für keine der oben genannten Kategorien erfüllt sind.
Ursachen und Risikofaktoren
Die Ursachen für eine Störung des Sozialverhaltens sind vielfältig und komplex. Es wird angenommen, dass ein Zusammenspiel verschiedener biologischer, psychologischer und sozialer Faktoren eine Rolle spielt.
Zu den Risikofaktoren gehören: Genetische Veranlagung, schwierige Temperamentseigenschaften, ungünstige Erziehungsbedingungen (z.B. Vernachlässigung, Misshandlung, inkonsistente Erziehung), familiäre Probleme (z.B. Konflikte, Scheidung), sozioökonomische Belastung, Kontakt zu delinquenten Gleichaltrigen. Auch bestimmte neurologische Faktoren können eine Rolle spielen.
Diagnose
Die Diagnose einer Störung des Sozialverhaltens wird von einem qualifizierten Fachmann gestellt. Das ist in der Regel ein Kinder- und Jugendpsychiater oder ein Kinder- und Jugendpsychotherapeut. Die Diagnose basiert auf einer umfassenden Beurteilung, die Anamnese, Verhaltensbeobachtungen und standardisierte Fragebögen umfasst. Es ist wichtig, andere psychische Störungen auszuschließen, die ähnliche Symptome verursachen könnten.
Behandlung
Die Behandlung der Störung des Sozialverhaltens ist komplex und erfordert einen multidisziplinären Ansatz. Sie umfasst in der Regel eine Kombination aus Psychotherapie, Elterntraining und gegebenenfalls medikamentöser Behandlung. Ziel der Behandlung ist es, das dissoziale Verhalten zu reduzieren, soziale Kompetenzen zu verbessern und die familiären Beziehungen zu stärken.
Psychotherapie kann dem Kind oder Jugendlichen helfen, seine Gefühle und Verhaltensweisen besser zu verstehen und konstruktive Bewältigungsstrategien zu entwickeln. Elterntraining kann Eltern helfen, effektivere Erziehungsstrategien zu erlernen und eine positive Beziehung zu ihrem Kind aufzubauen. In einigen Fällen kann eine medikamentöse Behandlung erforderlich sein, um Begleiterkrankungen wie ADHS oder Depressionen zu behandeln.
Wichtigkeit der Früherkennung
Die Früherkennung und Behandlung der Störung des Sozialverhaltens ist von entscheidender Bedeutung. Unbehandelt kann die Störung zu langfristigen Problemen führen, wie z.B. Schulversagen, Drogenmissbrauch, Kriminalität und psychische Erkrankungen im Erwachsenenalter. Eine frühzeitige Intervention kann die Prognose deutlich verbessern.
