Wann Endet Arbeitsverhältnis Nach Aussteuerung
Hier erklären wir, wann ein Arbeitsverhältnis nach der Aussteuerung endet. Die Aussteuerung ist ein wichtiger Begriff im Zusammenhang mit Krankheit und Arbeitsunfähigkeit. Verstehen Sie die Details, um Ihre Rechte zu kennen.
Was bedeutet Aussteuerung? Die Aussteuerung tritt ein, wenn Sie länger als 78 Wochen innerhalb von drei Jahren krankgeschrieben sind. Nach dieser Zeit zahlt die Krankenkasse kein Krankengeld mehr. Sie werden "ausgesteuert". Das bedeutet aber *nicht* automatisch, dass Ihr Arbeitsverhältnis endet.
Endet das Arbeitsverhältnis automatisch? Nein, die Aussteuerung führt *nicht* automatisch zur Beendigung des Arbeitsverhältnisses. Ihr Arbeitsvertrag besteht weiterhin. Es gibt aber verschiedene Szenarien, die zur Beendigung führen können.
Szenario 1: Kündigung durch den Arbeitgeber. Der Arbeitgeber kann Ihnen auch nach der Aussteuerung kündigen. Allerdings muss er die üblichen Kündigungsfristen und Kündigungsschutzbestimmungen beachten. Eine Kündigung aufgrund der langen Krankheit ist möglich, aber an strenge Voraussetzungen gebunden. Der Arbeitgeber muss darlegen, dass Ihre Rückkehr an den Arbeitsplatz nicht absehbar ist und die betrieblichen Interessen erheblich beeinträchtigt werden.
Beispiel: Frau Müller ist seit 80 Wochen krankgeschrieben. Ihr Arbeitgeber kündigt ihr fristgerecht. Die Kündigung ist möglicherweise rechtens, wenn der Arbeitgeber nachweisen kann, dass mit einer Rückkehr von Frau Müller in absehbarer Zeit nicht zu rechnen ist und ihre Abwesenheit dem Betrieb schadet.
Szenario 2: Aufhebungsvertrag. Sie und Ihr Arbeitgeber können einen Aufhebungsvertrag schließen. Damit vereinbaren Sie, das Arbeitsverhältnis zu einem bestimmten Zeitpunkt zu beenden. Ein Aufhebungsvertrag ist eine einvernehmliche Lösung. Prüfen Sie einen Aufhebungsvertrag immer sorgfältig, da er Auswirkungen auf Ihr Arbeitslosengeld haben kann. Lassen Sie sich gegebenenfalls rechtlich beraten.
Beispiel: Herr Schmidt ist nach der Aussteuerung unsicher, ob er seine alte Tätigkeit wieder ausüben kann. Er schließt mit seinem Arbeitgeber einen Aufhebungsvertrag. Damit wird das Arbeitsverhältnis beendet und Herr Schmidt kann sich auf seine Genesung konzentrieren.
Szenario 3: Eigenkündigung durch den Arbeitnehmer. Sie können Ihr Arbeitsverhältnis auch selbst kündigen. Dies ist Ihre freie Entscheidung. Beachten Sie aber die Kündigungsfristen in Ihrem Arbeitsvertrag oder Tarifvertrag.
Beispiel: Frau Lehmann merkt nach der Aussteuerung, dass sie ihre alte Arbeit nicht mehr ausüben kann. Sie kündigt ihr Arbeitsverhältnis fristgerecht und sucht sich eine neue, weniger belastende Tätigkeit.
Szenario 4: Befristung des Arbeitsvertrags. Wenn Ihr Arbeitsvertrag befristet ist, endet er automatisch mit Ablauf der Befristung. Die Aussteuerung ändert daran nichts. Die Befristung muss aber wirksam sein.
Wichtig: Nach der Aussteuerung sollten Sie sich umgehend bei der Agentur für Arbeit melden. Auch wenn Ihr Arbeitsverhältnis noch besteht, haben Sie Anspruch auf Beratung und Unterstützung. Prüfen Sie Ihren Anspruch auf Arbeitslosengeld oder Bürgergeld. Kümmern Sie sich auch um Ihre Krankenversicherung.
Zusammenfassend: Die Aussteuerung beendet *nicht* automatisch das Arbeitsverhältnis. Es besteht weiterhin. Die Beendigung kann durch Kündigung des Arbeitgebers, Aufhebungsvertrag, Eigenkündigung oder Ablauf einer Befristung erfolgen. Informieren Sie sich rechtzeitig und holen Sie sich im Zweifelsfall rechtlichen Rat.
