Was Ist Eine Geriatrische Reha
Eine geriatrische Reha, kurz für geriatrische Rehabilitation, ist ein spezialisiertes Rehabilitationsprogramm, das auf die Bedürfnisse älterer Menschen zugeschnitten ist. Sie zielt darauf ab, die Selbstständigkeit und Lebensqualität von Patienten nach einer Krankheit, Operation oder einem Unfall wiederherzustellen oder zu verbessern. Anders als eine allgemeine Reha, berücksichtigt die geriatrische Reha die besonderen Herausforderungen und Komplexitäten, die mit dem Alter einhergehen, wie z.B. Mehrfacherkrankungen (Multimorbidität), altersbedingte Funktionsverluste und das Risiko von Komplikationen.
Anwendungsbereiche der Geriatrischen Reha
Eine geriatrische Reha kommt in Frage, wenn ältere Menschen durch gesundheitliche Probleme in ihrer Alltagskompetenz eingeschränkt sind. Häufige Anwendungsbereiche sind:
- Nach Schlaganfällen: Zur Wiederherstellung von motorischen Fähigkeiten, Sprache und Kognition.
- Nach Hüft- oder Knieoperationen: Um die Mobilität und Selbstständigkeit wiederzuerlangen.
- Bei Knochenbrüchen: Insbesondere bei Oberschenkelhalsbrüchen, zur Wiederherstellung der Gehfähigkeit.
- Bei chronischen Erkrankungen: Wie z.B. Herzinsuffizienz, COPD oder Parkinson, zur Verbesserung der Lebensqualität und Bewältigung der Symptome.
- Bei allgemeiner Schwäche und Gebrechlichkeit: Um die körperliche Leistungsfähigkeit zu steigern und Stürze zu vermeiden.
Der Ablauf einer Geriatrischen Reha: Ein Phasenmodell
Eine geriatrische Reha ist ein individueller Prozess, der in der Regel mehrere Phasen umfasst. Hier ein beispielhafter Ablauf:
Phase 1: Aufnahme und Diagnostik
- Eingangsgespräch und Untersuchung: Ein interdisziplinäres Team aus Ärzten, Therapeuten und Pflegekräften führt ein ausführliches Gespräch mit dem Patienten und seinen Angehörigen, um die individuellen Bedürfnisse und Ziele zu ermitteln.
- Geriatrisches Assessment: Eine umfassende Untersuchung der körperlichen, kognitiven und psychischen Funktionen. Dazu gehören Tests zur Mobilität, Kraft, Ausdauer, Gedächtnis, Stimmung und Selbstständigkeit.
- Erstellung eines individuellen Therapieplans: Basierend auf den Ergebnissen des Assessments wird ein individueller Therapieplan erstellt, der die spezifischen Ziele des Patienten berücksichtigt.
- Beispiel: Herr Müller, 82 Jahre alt, kommt nach einem Schlaganfall in die geriatrische Reha. Im Assessment wird festgestellt, dass er Schwierigkeiten beim Gehen hat, sein rechter Arm gelähmt ist und er Wortfindungsstörungen hat. Der Therapieplan beinhaltet Physiotherapie zur Verbesserung der Gehfähigkeit, Ergotherapie zur Stärkung des Arms und Logopädie zur Behandlung der Sprachstörungen.
Phase 2: Therapie und Training
- Physiotherapie: Zur Verbesserung der Beweglichkeit, Kraft, Ausdauer und Koordination. Übungen zur Gangschulung, Gleichgewichtstraining und Muskelaufbau sind typische Bestandteile.
- Ergotherapie: Zur Verbesserung der Selbstständigkeit im Alltag. Übungen zur Feinmotorik, Handkoordination, Anziehtraining und Haushaltstraining sind häufige Anwendungen.
- Logopädie: Zur Behandlung von Sprach-, Sprech- und Schluckstörungen. Übungen zur Verbesserung der Artikulation, des Sprachverständnisses und der Schluckfunktion.
- Kognitives Training: Zur Verbesserung der Gedächtnisleistung, Aufmerksamkeit und Konzentration.
- Psychologische Betreuung: Zur Bewältigung von Ängsten, Depressionen und anderen psychischen Problemen.
- Sozialberatung: Zur Unterstützung bei der Organisation der häuslichen Versorgung, der Beantragung von Pflegeleistungen und der Anpassung des Wohnumfelds.
- Beispiel: Frau Schmidt, 78 Jahre alt, nach einer Hüftoperation. Sie erhält Physiotherapie zur Stärkung der Beinmuskulatur und zur Verbesserung der Gehfähigkeit. Ergotherapie hilft ihr, sich wieder selbstständig anzuziehen und zu waschen. Die Sozialberatung unterstützt sie bei der Organisation eines Pflegedienstes für die Zeit nach der Reha.
Phase 3: Entlassungsplanung und Nachsorge
- Entlassungsgespräch: Das interdisziplinäre Team bespricht mit dem Patienten und seinen Angehörigen die Fortschritte, die während der Reha erzielt wurden, und plant die weitere Versorgung zu Hause.
- Anpassung des Wohnumfelds: Gegebenenfalls werden Anpassungen im Wohnumfeld vorgenommen, um die Selbstständigkeit zu fördern und Stürze zu vermeiden (z.B. Anbringen von Haltegriffen im Badezimmer).
- Organisation der häuslichen Versorgung: Die Organisation eines Pflegedienstes, einer Haushaltshilfe oder anderer Unterstützungsleistungen.
- Vermittlung von Selbsthilfegruppen und Beratungsstellen: Zur Unterstützung des Patienten und seiner Angehörigen.
- Nachsorge: Regelmäßige Kontrolltermine und gegebenenfalls ambulante Therapien, um die erreichten Fortschritte zu erhalten und weiter auszubauen.
- Beispiel: Herr Weber, 85 Jahre alt, hat die geriatrische Reha nach einem Sturz erfolgreich abgeschlossen. Im Entlassungsgespräch wird vereinbart, dass er weiterhin Physiotherapie in einer ambulanten Praxis erhält, um seine Muskelkraft zu erhalten. Die Sozialberatung hat ihm eine Selbsthilfegruppe für Sturzpatienten vermittelt.
Die geriatrische Reha ist ein wichtiger Baustein, um älteren Menschen nach gesundheitlichen Problemen zu einem möglichst selbstständigen und aktiven Leben zu verhelfen. Sie bietet eine umfassende und individuelle Betreuung, die auf die besonderen Bedürfnisse dieser Altersgruppe zugeschnitten ist.
