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Was Passiert Wenn Man Tollwut Hat


Was Passiert Wenn Man Tollwut Hat

Tollwut ist eine schwere, virale Infektionskrankheit, die das zentrale Nervensystem befällt. Sie ist fast immer tödlich, sobald die Symptome auftreten. Daher ist es von entscheidender Bedeutung zu verstehen, was passiert, wenn man Tollwut hat, um präventive Maßnahmen ergreifen zu können und im Falle einer Exposition schnell zu handeln.

Wie Tollwut übertragen wird

Tollwut wird in der Regel durch den Biss eines tollwütigen Tieres übertragen. Das Virus befindet sich im Speichel des infizierten Tieres und gelangt so in den Körper des Opfers. Seltener kann die Übertragung auch durch Kontakt von Speichel eines tollwütigen Tieres mit einer offenen Wunde oder den Schleimhäuten (z.B. Augen, Nase, Mund) erfolgen. Es ist wichtig zu betonen, dass Tollwut nicht durch bloße Berührung oder Kontakt mit dem Blut oder Urin eines infizierten Tieres übertragen wird.

Häufige Überträger von Tollwut sind:

  • Fledermäuse
  • Füchse
  • Waschbären
  • Stinktiere
  • Hunde (in Regionen, in denen Tollwut nicht kontrolliert wird)
  • Katzen (ebenfalls in Regionen, in denen Tollwut nicht kontrolliert wird)

Tollwut in Deutschland

In Deutschland gilt die terrestrische Tollwut (d.h. Tollwut bei Landtieren) seit 2008 als ausgerottet. Dies ist vor allem auf umfangreiche Impfprogramme von Füchsen zurückzuführen, die durch das Auslegen von Impfködern in der Natur erreicht wurden. Allerdings besteht weiterhin ein geringes Risiko durch Fledermäuse, die mit dem Europäischen Fledermaustollwutvirus (EBLV) infiziert sein können. Aus diesem Grund ist es wichtig, auch in Deutschland Vorsicht im Umgang mit Fledermäusen walten zu lassen und nach einem Biss oder Kontakt mit Speichel eines verdächtigen Tieres einen Arzt aufzusuchen.

Die Stadien der Tollwut-Infektion

Nach einer Tollwutinfektion durchläuft der Körper verschiedene Stadien. Die Symptome und der Verlauf der Krankheit können von Person zu Person variieren.

1. Inkubationszeit

Die Inkubationszeit ist die Zeit zwischen der Infektion und dem Auftreten der ersten Symptome. Sie kann zwischen wenigen Tagen und mehreren Monaten dauern, in seltenen Fällen sogar Jahre. Die Länge der Inkubationszeit hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie z.B. der Menge des übertragenen Virus, der Lokalisation der Bisswunde (je näher am Gehirn, desto kürzer die Inkubationszeit) und dem Immunsystem des Betroffenen.

2. Prodromalstadium

Das Prodromalstadium ist die erste Phase, in der unspezifische Symptome auftreten. Diese können leicht mit anderen Erkrankungen verwechselt werden. Zu den Symptomen gehören:

  • Fieber
  • Kopfschmerzen
  • Müdigkeit
  • Unwohlsein
  • Juckreiz oder Schmerzen an der Bissstelle

Diese Phase dauert in der Regel 2 bis 10 Tage.

3. Akute neurologische Phase

Die akute neurologische Phase ist die kritischste Phase der Tollwut. In dieser Phase greift das Virus das Gehirn und das Rückenmark an, was zu schweren neurologischen Symptomen führt. Es gibt zwei Hauptformen der Tollwut, die sich in dieser Phase manifestieren können:

a) Rasende Tollwut

Die rasende Tollwut ist die häufigste Form. Sie ist gekennzeichnet durch:

  • Hyperaktivität und Agitation
  • Angstzustände und Reizbarkeit
  • Hydrophobie (Angst vor Wasser) aufgrund von Spasmen der Schlundmuskulatur beim Versuch zu trinken
  • Aerophobie (Angst vor Luft)
  • Halluzinationen
  • Krämpfe
  • Delirium

b) Paralytsche Tollwut

Die paralytische Tollwut (auch stumme Tollwut genannt) ist seltener. Sie ist gekennzeichnet durch:

  • Lähmungen, die typischerweise an der Bissstelle beginnen und sich dann ausbreiten
  • Muskelschwäche
  • Sensorische Störungen
  • Weniger deutliche Anzeichen von Agitation und Hyperaktivität

4. Koma und Tod

Unabhängig von der Form der Tollwut führt die Erkrankung schließlich zu Koma und Tod. Der Tod tritt in der Regel innerhalb von wenigen Tagen bis Wochen nach Beginn der neurologischen Phase ein. Er erfolgt meist durch Atemlähmung.

Diagnose von Tollwut

Die Diagnose von Tollwut kann schwierig sein, insbesondere in den frühen Stadien, da die Symptome unspezifisch sind. Wenn der Verdacht auf Tollwut besteht, werden in der Regel folgende Tests durchgeführt:

  • Direkter Fluoreszenz-Antikörper-Test (dFA): Dieser Test wird an einer Hautbiopsie aus dem Nackenbereich durchgeführt, um das Tollwutvirus direkt nachzuweisen.
  • Speicheltest: Hier wird versucht, das Virus im Speichel nachzuweisen.
  • Urinprobe: Auch im Urin kann das Virus manchmal nachgewiesen werden.
  • Bluttest: Im Blut werden Antikörper gegen das Tollwutvirus gesucht.
  • Liquoruntersuchung: Eine Analyse der Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit kann Hinweise auf eine Entzündung des Gehirns geben, die durch Tollwut verursacht sein könnte.

Es ist wichtig zu betonen, dass diese Tests oft erst dann zuverlässige Ergebnisse liefern, wenn die Symptome bereits fortgeschritten sind.

Behandlung von Tollwut

Tollwut ist eine praktisch immer tödliche Krankheit, sobald die Symptome auftreten. Es gibt keine spezifische Behandlung, die Tollwut heilen kann. Die Behandlung konzentriert sich darauf, die Symptome zu lindern und den Patienten so gut wie möglich zu unterstützen. In der Regel erfolgt dies auf einer Intensivstation.

Es gibt jedoch eine wirksame Präventivbehandlung, die nach einer möglichen Exposition durchgeführt werden kann. Diese Behandlung wird als Postexpositionsprophylaxe (PEP) bezeichnet.

Postexpositionsprophylaxe (PEP)

Die Postexpositionsprophylaxe (PEP) ist eine Reihe von Maßnahmen, die ergriffen werden, um eine Tollwutinfektion nach einer möglichen Exposition zu verhindern. Die PEP umfasst:

  • Gründliche Reinigung der Wunde: Die Bisswunde sollte sofort gründlich mit Wasser und Seife für mindestens 15 Minuten gespült werden.
  • Tollwut-Immunglobulin (RIG): RIG ist eine Lösung, die Antikörper gegen das Tollwutvirus enthält. Sie wird in die Wunde und in die umliegenden Muskeln injiziert, um das Virus zu neutralisieren, bevor es das Nervensystem erreichen kann.
  • Tollwutimpfung: Eine Reihe von Impfungen wird über mehrere Wochen verabreicht, um das Immunsystem zu stimulieren, eigene Antikörper gegen das Tollwutvirus zu bilden.

Die PEP ist sehr wirksam, wenn sie sofort nach der Exposition begonnen wird, idealerweise innerhalb von 24 Stunden. Je länger man mit der Behandlung wartet, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie wirksam ist.

Real-World Beispiele und Daten

Obwohl Tollwut in vielen Teilen der Welt selten geworden ist, stellt sie in anderen Regionen weiterhin ein erhebliches Gesundheitsproblem dar. Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sterben jährlich schätzungsweise 59.000 Menschen an Tollwut, hauptsächlich in Afrika und Asien. Die meisten Fälle werden durch Hundebisse verursacht.

Ein Beispiel für die Wirksamkeit der Tollwutimpfung ist die Situation in den USA. Vor der Einführung der Impfung in den frühen 1900er Jahren starben jährlich Hunderte von Menschen an Tollwut. Dank der Impfung von Haustieren und der PEP ist die Zahl der menschlichen Tollwutfälle in den USA auf weniger als 3 pro Jahr gesunken.

In Deutschland wurden in den letzten Jahren nur sehr wenige Fälle von Tollwut beim Menschen gemeldet, hauptsächlich bei Personen, die im Ausland von Hunden gebissen wurden. Dies unterstreicht die Bedeutung, sich vor Reisen in Risikogebiete über Tollwut zu informieren und Vorsichtsmaßnahmen zu treffen.

Vorbeugende Maßnahmen

Die beste Möglichkeit, sich vor Tollwut zu schützen, ist, Expositionen zu vermeiden. Hier sind einige vorbeugende Maßnahmen:

  • Vermeiden Sie den Kontakt mit wilden Tieren, insbesondere solchen, die krank oder ungewöhnlich zahm erscheinen.
  • Lassen Sie Ihre Haustiere gegen Tollwut impfen. Dies ist nicht nur wichtig für den Schutz Ihrer Tiere, sondern auch für den Schutz Ihrer Familie und der Gemeinschaft.
  • Beaufsichtigen Sie Ihre Haustiere, wenn sie sich im Freien aufhalten, um zu verhindern, dass sie in Kontakt mit wilden Tieren kommen.
  • Unterrichten Sie Kinder darüber, wie sie sich gegenüber wilden Tieren verhalten sollen. Sie sollten niemals versuchen, ein wildes Tier zu streicheln oder zu füttern.
  • Melden Sie verdächtige Tierbisse oder Kontakte sofort den Behörden.

Schlussfolgerung und Handlungsaufforderung

Tollwut ist eine ernstzunehmende Krankheit, die fast immer tödlich ist, sobald die Symptome auftreten. Es ist jedoch verhinderbar, wenn man sich der Risiken bewusst ist und die entsprechenden Vorsichtsmaßnahmen trifft. Wenn Sie von einem Tier gebissen oder gekratzt wurden, ist es entscheidend, sofort einen Arzt aufzusuchen, um das Risiko einer Tollwutinfektion zu minimieren.

Handeln Sie jetzt! Informieren Sie sich über Tollwut, lassen Sie Ihre Haustiere impfen und vermeiden Sie den Kontakt mit wilden Tieren. Nur so können wir uns und unsere Lieben vor dieser gefährlichen Krankheit schützen.

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