Was Passiert Wenn Man Zu Schnell Auftaucht
Das sogenannte Dekompressionstrauma (DCS), umgangssprachlich auch als Taucherkrankheit oder Caisson-Krankheit bekannt, tritt auf, wenn man nach einem Tauchgang zu schnell an die Oberfläche aufsteigt. Im Wesentlichen geht es darum, dass Stickstoff, der sich unter dem erhöhten Druck in der Tiefe im Körpergewebe gelöst hat, nicht genügend Zeit hat, in gelöster Form über die Atmung abgebaut zu werden. Stattdessen bilden sich Stickstoffblasen im Blut und Gewebe. Dies kann zu einer Vielzahl von Symptomen führen, von leichten Gelenkschmerzen bis hin zu schweren neurologischen Schäden und sogar zum Tod. Das Verständnis der Mechanismen und die richtige Vorbeugung sind entscheidend für sicheres Tauchen.
Warum passiert das?
Unter Druck, wie er beim Tauchen herrscht, lösen sich Gase wie Stickstoff im Körpergewebe. Je tiefer und länger man taucht, desto mehr Stickstoff wird aufgenommen. Wenn der Druck reduziert wird, muss dieser Stickstoff wieder abgebaut werden. Ein langsamer Aufstieg ermöglicht es dem Körper, den Stickstoff über die Atmung zu eliminieren. Ein zu schneller Aufstieg führt jedoch dazu, dass der gelöste Stickstoff ausgast und Blasen bildet, ähnlich wie beim Öffnen einer kohlensäurehaltigen Getränkeflasche.
Symptome der Taucherkrankheit
Die Symptome können sehr unterschiedlich sein, abhängig davon, wo sich die Blasen bilden und wie gross sie sind. Hier eine Übersicht:
- Gelenkschmerzen: Oft in den Schultern, Ellbogen, Knien oder Hüften. Diese Schmerzen werden auch als "Bends" bezeichnet.
- Hautausschlag: Juckende, marmorierte Haut, auch als "Cutis Marmorata" bekannt.
- Schwindel und Gleichgewichtsstörungen: Können auf eine Beteiligung des Innenohrs hinweisen.
- Atembeschwerden: Kurzatmigkeit und Engegefühl in der Brust, bekannt als "Chokes".
- Neurologische Symptome: Taubheit, Kribbeln, Lähmungen, Koordinationsschwierigkeiten, Bewusstseinsverlust. Diese Symptome sind besonders ernst und deuten auf eine Beteiligung des Gehirns oder Rückenmarks hin.
Was tun, wenn man zu schnell aufgestiegen ist? Eine Phasenweise Anleitung
Wichtig: Bei Verdacht auf DCS ist schnelles Handeln entscheidend. Selbst wenn die Symptome zunächst mild erscheinen, können sie sich rasch verschlimmern.
Phase 1: Erkennung und Sofortmaßnahmen
- Erkenne die Situation: Achte auf alle ungewöhnlichen Symptome, die nach dem Tauchgang auftreten.
- Sauerstoff verabreichen: Sobald wie möglich 100% Sauerstoff über eine Gesichtsmaske geben. Sauerstoff hilft, den Stickstoff schneller aus dem Körper zu eliminieren.
- Flüssigkeitszufuhr: Gib dem Betroffenen reichlich Flüssigkeit zu trinken (Wasser oder Sportgetränke), um die Durchblutung zu fördern.
- Nicht hinlegen: Lass den Betroffenen sitzen oder liegen, aber nicht flach. Eine leicht erhöhte Position kann helfen, den Druck auf das Gehirn zu verringern.
Beispiel: Ein Taucher kommt nach einem Tauchgang an die Oberfläche und klagt über Schmerzen in der Schulter. Er bekommt sofort Sauerstoff und Wasser, während die nächsten Schritte eingeleitet werden.
Phase 2: Medizinische Notfallversorgung
- Notruf wählen: Kontaktiere umgehend den Rettungsdienst (112 in Deutschland) und informiere sie über den Verdacht auf DCS. Betone, dass es sich um einen Tauchunfall handelt.
- DAN (Divers Alert Network) kontaktieren: DAN ist eine internationale Organisation, die sich auf Tauchmedizin spezialisiert hat und rund um die Uhr erreichbar ist. Sie können wertvolle Ratschläge geben und bei der Organisation einer Druckkammerbehandlung helfen.
- Daten notieren: Schreibe so genau wie möglich auf, wann der Tauchgang stattgefunden hat, wie tief und lange getaucht wurde, welches Tauchprofil verwendet wurde und welche Symptome auftreten. Diese Informationen sind für die Ärzte sehr wichtig.
Beispiel: Während der Taucher Sauerstoff erhält, ruft ein anderer Taucher den Notruf und DAN an, gibt alle relevanten Informationen durch und beschreibt die Symptome.
Phase 3: Druckkammerbehandlung
- Transport zur Druckkammer: Die Druckkammer ist der Ort, an dem die definitive Behandlung der DCS stattfindet. Der Betroffene wird dort erneut unter Druck gesetzt, um die Stickstoffblasen zu verkleinern. Anschliessend wird der Druck langsam reduziert, so dass der Stickstoff sicher abgebaut werden kann.
- Behandlung befolgen: Befolgen Sie die Anweisungen des medizinischen Personals in der Druckkammer genau. Die Behandlung kann mehrere Stunden dauern und erfordert Geduld und Kooperation.
Beispiel: Der Rettungsdienst transportiert den Taucher in die nächstgelegene Druckkammer. Dort wird er nach einem speziellen Protokoll behandelt.
Vorbeugung ist besser als Heilung
Die beste Methode, um DCS zu vermeiden, ist die Einhaltung der Tauchregeln:
- Langsame Aufstiegsgeschwindigkeit: Steige niemals schneller als die empfohlene Geschwindigkeit auf (in der Regel 9 Meter pro Minute).
- Sicherheitsstopps: Mache obligatorische Sicherheitsstopps in 3-5 Metern Tiefe für mindestens 3 Minuten.
- Tauchcomputer nutzen: Ein Tauchcomputer überwacht die Tauchzeit und Tiefe und berechnet die Dekompressionszeiten.
- Tauchtabellen verwenden: Wenn kein Tauchcomputer vorhanden ist, müssen Tauchtabellen verwendet werden, um die Dekompressionszeiten zu berechnen.
- Flugverbote beachten: Nach dem Tauchen sollte man eine gewisse Zeit warten, bevor man fliegt, um das Risiko der Blasenbildung zu minimieren.
Indem man diese Richtlinien befolgt, kann das Risiko einer Dekompressionskrankheit erheblich reduziert werden.
