Was Passierte Am 9 November 1938 In Deutschland
Am 9. November 1938 ereignete sich in Deutschland die Reichspogromnacht, oft auch als Kristallnacht bezeichnet. Es war ein von den Nationalsozialisten organisierter und durchgeführter Pogrom gegen Juden in ganz Deutschland, Österreich und Teilen der Tschechoslowakei.
Was geschah genau? Ein Phasenweiser Überblick
Die Reichspogromnacht war kein spontaner Ausbruch von Gewalt, sondern eine sorgfältig geplante Aktion. Hier eine schrittweise Erklärung:
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Phase 1: Der Vorwand
Den Vorwand lieferte das Attentat des 17-jährigen Juden Herschel Grynszpan auf den deutschen Diplomaten Ernst vom Rath in Paris am 7. November 1938. Die NS-Propaganda nutzte diesen Vorfall, um eine antisemitische Hetzkampagne zu entfachen und die Bevölkerung gegen die Juden aufzuwiegeln. Es war ein konstruierter Anlass, um die bereits geplante Gewalt zu rechtfertigen. -
Phase 2: Die Anordnung von Oben
Joseph Goebbels, der Reichspropagandaminister, nutzte den 9. November, der Jahrestag des Hitler-Ludendorff-Putsches von 1923 war, für eine Rede vor NS-Funktionären in München. Er gab den Befehl, "spontane" Vergeltungsaktionen gegen Juden zuzulassen und sogar zu fördern. Die NSDAP-Führung gab also den indirekten Befehl zur Gewalt. -
Phase 3: Die Zerstörungswelle
In der Nacht vom 9. auf den 10. November kam es zu massiven Ausschreitungen. SA-Männer, SS-Mitglieder und andere NS-Anhänger zerstörten und plünderten jüdische Geschäfte, Wohnungen und Synagogen. Synagogen wurden in Brand gesetzt, jüdische Friedhöfe geschändet und religiöse Gegenstände zerstört. Das Ziel war die systematische Zerstörung jüdischen Eigentums und die Demütigung der jüdischen Bevölkerung. -
Phase 4: Verhaftungen und Deportationen
Nach den Zerstörungen wurden etwa 30.000 jüdische Männer verhaftet und in Konzentrationslager wie Buchenwald, Sachsenhausen und Dachau deportiert. Viele von ihnen starben dort aufgrund der unmenschlichen Bedingungen. Die Verhaftungen markierten den Übergang von offener Gewalt zur systematischen Verfolgung und Entrechtung. -
Phase 5: Die "Sühneleistung"
Die jüdische Gemeinschaft wurde gezwungen, für die angerichteten Schäden selbst aufzukommen. Sie musste eine sogenannte "Sühneleistung" in Millionenhöhe an den Staat zahlen. Dies war eine weitere Demütigung und Enteignung der jüdischen Bevölkerung.
Beispiele für die Gewalt
- Synagogenbrände: Die Synagoge in München wurde zerstört, ebenso wie Hunderte anderer Synagogen im ganzen Land.
- Geschäftsplünderungen: Jüdische Geschäfte in Berlin, Frankfurt und vielen anderen Städten wurden geplündert und verwüstet.
- Verhaftungen: Zehntausende jüdische Männer wurden verhaftet und in Konzentrationslager verschleppt.
- Mord und Totschlag: Mindestens 91 Juden wurden während der Pogromnacht ermordet. Die tatsächliche Zahl der Opfer dürfte aber weitaus höher liegen.
Die Folgen
Die Reichspogromnacht markierte einen Wendepunkt in der Verfolgung der Juden im nationalsozialistischen Deutschland. Sie war der Auftakt zur systematischen Ausgrenzung, Entrechtung und schließlich zur Vernichtung der Juden im Holocaust. Die internationale Gemeinschaft reagierte mit Entsetzen, aber ohne wirksame Maßnahmen zu ergreifen. Die Reichspogromnacht zeigte deutlich die Radikalität und Brutalität des NS-Regimes und die bevorstehende Katastrophe. Sie ist bis heute eine Mahnung, sich jeder Form von Antisemitismus und Rassismus entgegenzustellen.
Die Reichspogromnacht war also ein zentraler Moment in der Geschichte des Holocaust und ein erschütterndes Zeugnis für die Grausamkeit des Nationalsozialismus.
