Was Sagt Eine Blutsenkung Aus
Eine Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG), auch als Senkungsgeschwindigkeit bezeichnet, misst, wie schnell rote Blutkörperchen (Erythrozyten) in einem Reagenzglas innerhalb einer Stunde absinken.
Wie funktioniert das? Die BSG basiert auf dem Prinzip, dass Entzündungen oder Infektionen im Körper die Zusammensetzung des Blutes verändern. Diese Veränderungen führen dazu, dass die Erythrozyten leichter verklumpen und somit schneller absinken. Ein erhöhter BSG-Wert deutet also auf eine erhöhte Konzentration von bestimmten Proteinen im Blut hin, die mit Entzündungen in Verbindung stehen. Dies ist jedoch nur ein indirekter Hinweis und erfordert weitere Untersuchungen.
Schritt-für-Schritt-Erklärung der Blutsenkung:
Schritt 1: Blutentnahme. Zunächst wird dem Patienten Blut entnommen, meist aus einer Vene am Arm. Diese Blutentnahme erfolgt in ein spezielles Röhrchen, das ein Antikoagulans (blutgerinnungshemmendes Mittel) enthält, um zu verhindern, dass das Blut gerinnt. Beispiel: Ein Arzt entnimmt Blut bei Frau Müller, die über Gelenkschmerzen klagt. Das Blut wird in ein Röhrchen mit Citrat gefüllt.
Schritt 2: Platzierung des Blutes. Das entnommene Blut wird in ein spezielles, vertikal aufgestelltes Röhrchen gegeben, das auch Wintrobe-Röhrchen genannt wird. Dieses Röhrchen ist mit einer Skala versehen, die die Höhe der abgesunkenen Erythrozyten misst. Beispiel: Das Blut von Frau Müller wird sorgfältig in das Wintrobe-Röhrchen gefüllt, ohne Luftblasen zu erzeugen.
Schritt 3: Wartezeit. Das Röhrchen wird für eine Stunde ruhig stehen gelassen. Während dieser Zeit sinken die Erythrozyten aufgrund ihrer Dichte und der Wirkung der im Blut vorhandenen Proteine ab. Beispiel: Das Röhrchen mit Frau Müllers Blut steht nun für genau 60 Minuten im Labor.
Schritt 4: Messung. Nach einer Stunde wird die Höhe der klaren Plasmaschicht über den abgesunkenen Erythrozyten gemessen. Diese Messung erfolgt in Millimetern pro Stunde (mm/Std). Ein hoher Wert bedeutet, dass die Erythrozyten schnell abgesunken sind. Beispiel: Nach einer Stunde beträgt die Plasmaschicht über den Erythrozyten im Röhrchen von Frau Müller 30 mm. Die BSG beträgt also 30 mm/Std.
Normwerte: Die Normwerte für die BSG variieren je nach Alter und Geschlecht. Im Allgemeinen gelten folgende Richtwerte: * Männer: bis 15 mm/Std. * Frauen: bis 20 mm/Std. * Kinder: bis 10 mm/Std.
Wichtig: Leicht erhöhte Werte sind oft nicht besorgniserregend und können viele Ursachen haben, die nicht unbedingt mit einer Krankheit zusammenhängen. Deutlich erhöhte Werte erfordern jedoch eine weitere Abklärung.
Bedeutung erhöhter Werte: Eine erhöhte BSG kann auf verschiedene Erkrankungen hinweisen, wie z.B. Infektionen, Entzündungen (z.B. Rheuma), Autoimmunerkrankungen oder in seltenen Fällen auch auf Tumore.
Wichtige praktische Anwendungen:
Die BSG ist ein wichtiger Bestandteil der Diagnostik bei unklaren Beschwerden, die auf eine Entzündung hindeuten könnten. Zum Beispiel, um eine rheumatische Erkrankung in einem frühen Stadium zu erkennen.
Eine weitere wichtige Anwendung ist die Verlaufskontrolle bei entzündlichen Erkrankungen. Die BSG kann helfen, den Erfolg einer Therapie zu beurteilen. Wenn die BSG unter Behandlung sinkt, deutet dies auf eine Besserung des Zustands hin.
