Welche Patienten Werden In Der Geriatrie Behandelt
Die Geriatrie, auch Altersmedizin genannt, kümmert sich um die medizinische Versorgung älterer Menschen. Aber welche Patienten werden hier konkret behandelt?
Was bedeutet "älter"?
Es geht nicht primär ums kalendarische Alter. Zwar werden meist Menschen ab 70 Jahren behandelt, aber wichtiger ist der individuelle Gesundheitszustand. Jemand mit 65, der bereits mehrere chronische Erkrankungen hat und im Alltag eingeschränkt ist, kann geriatrische Hilfe benötigen. Eine gesunde 80-Jährige hingegen vielleicht nicht.
Die typischen Patienten
In der Geriatrie werden vor allem Patienten mit Mehrfacherkrankungen (Multimorbidität) behandelt. Das bedeutet, sie leiden gleichzeitig an mehreren chronischen Leiden. Beispiele:
- Herzinsuffizienz und Diabetes
- Arthrose, Bluthochdruck und Demenz
- Osteoporose, Schwindel und Harninkontinenz
Diese Kombinationen können die Selbstständigkeit stark beeinträchtigen.
Die "geriatrischen Syndrome"
Neben den genannten Erkrankungen spielen sogenannte geriatrische Syndrome eine große Rolle. Das sind typische Beschwerden, die im Alter häufiger auftreten und oft miteinander zusammenhängen:
- Sturzgefahr: Durch Muskelschwäche, Gleichgewichtsstörungen oder Medikamente.
- Inkontinenz: Harn- oder Stuhlinkontinenz.
- Kognitive Einschränkungen: Gedächtnisprobleme, Verwirrtheit, Demenz.
- Ernährungsprobleme: Mangelernährung, ungewollter Gewichtsverlust.
- Schmerzen: Chronische Schmerzen, z.B. durch Arthrose.
- Depressionen: Oftmals unterschätzt und unbehandelt.
- Gebrechlichkeit (Frailty): Ein Zustand erhöhter Vulnerabilität, der das Risiko für Stürze, Krankenhausaufenthalte und Tod erhöht.
Das Ziel der geriatrischen Behandlung
Das Hauptziel ist nicht die Heilung aller Krankheiten (die oft nicht möglich ist), sondern die Verbesserung oder der Erhalt der Lebensqualität und Selbstständigkeit. Es geht darum, den Patienten zu ermöglichen, möglichst lange ein aktives und selbstbestimmtes Leben zu führen.
Wie läuft die Behandlung ab?
Die geriatrische Behandlung ist interdisziplinär. Das bedeutet, dass verschiedene Fachleute zusammenarbeiten: Ärzte, Pflegekräfte, Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Logopäden und Sozialarbeiter. Gemeinsam erstellen sie einen individuellen Behandlungsplan, der auf die spezifischen Bedürfnisse des Patienten zugeschnitten ist. Beispielsweise kann ein Physiotherapeut Übungen zur Stärkung der Muskulatur empfehlen, während ein Ergotherapeut hilft, den Alltag so anzupassen, dass er trotz Einschränkungen gut bewältigt werden kann.
Wann ist eine geriatrische Behandlung sinnvoll?
Eine geriatrische Behandlung ist sinnvoll, wenn ältere Menschen:
- …unter mehreren chronischen Erkrankungen leiden.
- …im Alltag Schwierigkeiten haben, sich selbst zu versorgen.
- …häufig stürzen.
- …Gedächtnisprobleme haben.
- …sich einsam und isoliert fühlen.
- …nach einem Krankenhausaufenthalt Unterstützung benötigen, um wieder selbstständig zu werden.
Kurz gesagt: In der Geriatrie werden ältere Menschen mit komplexen gesundheitlichen Problemen behandelt, mit dem Ziel, ihre Lebensqualität und Selbstständigkeit zu erhalten oder zu verbessern.
