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Wie Geht Man Mit Borderlinern Um


Wie Geht Man Mit Borderlinern Um

Hey du! Kennst du jemanden, der emotional oft sehr intensiv reagiert? Jemand, dessen Beziehungen schwierig und wechselhaft sind? Vielleicht hat diese Person Borderline. In diesem Artikel wollen wir uns gemeinsam anschauen, wie man hilfreich und unterstützend mit Menschen umgehen kann, die von einer Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS) betroffen sind. Unser Ziel ist es, Verständnis zu schaffen und dir praktische Tipps an die Hand zu geben, damit du in deinem Umfeld positiv wirken kannst. Dieser Artikel richtet sich vor allem an Freunde, Familienmitglieder und Partner von Menschen mit BPS, aber auch an alle, die mehr über dieses Thema erfahren möchten.

Was ist Borderline eigentlich?

Die Borderline-Persönlichkeitsstörung ist eine psychische Erkrankung, die sich durch Instabilität in verschiedenen Bereichen auszeichnet. Betroffene haben oft Schwierigkeiten mit ihren Emotionen, ihrem Selbstbild und ihren Beziehungen. Stell dir vor, du sitzt in einer Achterbahn, die ständig rauf und runter fährt – so ähnlich fühlen sich die emotionalen Schwankungen für Menschen mit BPS an.

Einige typische Merkmale sind:

  • Intensive und schwankende Emotionen: Von himmelhoch jauchzend bis zu Tode betrübt – alles ist möglich, und das oft innerhalb kurzer Zeit.
  • Angst vor dem Verlassenwerden: Die Angst, verlassen zu werden, ist oft sehr stark und kann zu verzweifelten Versuchen führen, dies zu verhindern.
  • Instabile Beziehungen: Beziehungen sind oft intensiv, aber auch kurzlebig und von Konflikten geprägt.
  • Impulsivität: Unüberlegtes Handeln, z.B. Geldausgaben, riskantes Sexualverhalten oder Substanzmissbrauch.
  • Selbstverletzendes Verhalten: Einige Betroffene verletzen sich selbst, um mit ihren intensiven Emotionen umzugehen.
  • Gefühl von Leere: Ein chronisches Gefühl von innerer Leere und Sinnlosigkeit.
  • Identitätsstörung: Unsicherheit über die eigene Identität, Werte und Ziele im Leben.

Es ist wichtig zu betonen, dass nicht jeder Mensch mit BPS alle diese Symptome aufweist. Die Ausprägung und die spezifischen Probleme können sehr unterschiedlich sein. Eine genaue Diagnose kann nur von einem qualifizierten Therapeuten oder Arzt gestellt werden.

Woher kommt Borderline?

Die Ursachen für BPS sind komplex und oft eine Kombination aus verschiedenen Faktoren. Man geht davon aus, dass sowohl genetische Veranlagung als auch ungünstige Umwelteinflüsse (z.B. traumatische Erlebnisse in der Kindheit) eine Rolle spielen.

Wie kannst du helfen? Praktische Tipps für den Umgang

Der Umgang mit einem Menschen mit BPS kann herausfordernd sein, aber mit Geduld, Verständnis und den richtigen Strategien kannst du eine wichtige Stütze sein. Hier sind einige Tipps, die dir helfen können:

1. Informiere dich!

Je besser du die Borderline-Persönlichkeitsstörung verstehst, desto besser kannst du die Verhaltensweisen deines Gegenübers einordnen und angemessen reagieren. Lies Bücher, Artikel oder besuche Vorträge zum Thema. Es gibt viele gute Informationsquellen, die dir helfen können, ein fundiertes Wissen aufzubauen.

2. Sei geduldig und verständnisvoll

Menschen mit BPS kämpfen oft mit starken Emotionen und innerem Leid. Versuche, mitfühlend zu sein und dich in ihre Situation hineinzuversetzen. Auch wenn das Verhalten manchmal schwer nachvollziehbar ist, versuche zu verstehen, dass es oft Ausdruck einer inneren Not ist. Wichtiger Hinweis: Das bedeutet nicht, dass du jedes Verhalten tolerieren musst, sondern dass du versuchst, die Ursachen zu verstehen.

3. Setze klare Grenzen

Klare Grenzen sind essenziell für eine gesunde Beziehung. Definiere, welches Verhalten du akzeptierst und welches nicht. Sei dabei konsequent, aber auch fair. Z.B. könntest du sagen: "Ich verstehe, dass du wütend bist, aber ich lasse mich nicht anschreien."

4. Kommuniziere offen und ehrlich

Sprich klar und direkt an, was dich stört oder was du brauchst. Vermeide Vorwürfe und Pauschalisierungen. Formuliere deine Botschaften in "Ich"-Botschaften, z.B. "Ich fühle mich verletzt, wenn du...". Höre aktiv zu und versuche, die Perspektive deines Gegenübers zu verstehen.

5. Bleibe ruhig und gelassen

In emotional aufgeladenen Situationen ist es wichtig, ruhig zu bleiben. Atme tief durch und versuche, nicht in Streit zu geraten. Wenn die Situation eskaliert, ist es besser, sich kurz zurückzuziehen und später das Gespräch wieder aufzunehmen.

6. Nimm das Verhalten nicht persönlich

Vergiss nicht, dass das Verhalten eines Menschen mit BPS oft Ausdruck seiner Erkrankung ist und nicht gegen dich persönlich gerichtet ist. Das ist natürlich leichter gesagt als getan, aber es kann dir helfen, dich nicht so sehr von dem Verhalten betroffen zu fühlen.

7. Ermutige zur Therapie

Eine Therapie ist für Menschen mit BPS oft sehr hilfreich. Ermutige deinen Freund oder Partner, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Es gibt verschiedene Therapieformen, die bei BPS wirksam sind, z.B. die dialektisch-behaviorale Therapie (DBT).

8. Achte auf dich selbst

Der Umgang mit einem Menschen mit BPS kann sehr belastend sein. Achte deshalb gut auf dich selbst und sorge für dein eigenes Wohlbefinden. Nimm dir Zeit für deine Hobbys, triff dich mit Freunden und suche dir Unterstützung, wenn du sie brauchst. Es ist kein Zeichen von Schwäche, sich Hilfe zu holen! Sprich mit Freunden, Familie oder suche professionelle Beratung, wenn du dich überfordert fühlst.

9. Vermeide Schuldzuweisungen

Schuldzuweisungen helfen niemandem weiter. Konzentriere dich stattdessen darauf, gemeinsam Lösungen zu finden und konstruktiv mit den Schwierigkeiten umzugehen. Biete deine Unterstützung an, aber übernimm nicht die Verantwortung für die Probleme deines Gegenübers.

10. Akzeptiere die Grenzen deiner Möglichkeiten

Du kannst einen Menschen mit BPS nicht heilen. Deine Rolle ist es, zu unterstützen und zu ermutigen, aber du bist nicht für die Therapie oder die Bewältigung der Erkrankung verantwortlich. Akzeptiere die Grenzen deiner Möglichkeiten und konzentriere dich darauf, das zu tun, was du kannst.

Was du vermeiden solltest

Neben den positiven Strategien gibt es auch einige Verhaltensweisen, die du im Umgang mit Menschen mit BPS vermeiden solltest:

  • Drohungen mit Verlassenwerden: Diese verstärken die Angst und können zu verzweifelten Reaktionen führen.
  • Abwertende Bemerkungen: Kritik und Abwertung schaden dem Selbstwertgefühl und können die Symptome verschlimmern.
  • Unklare Kommunikation: Unklare Botschaften und widersprüchliche Signale können zu Verwirrung und Missverständnissen führen.
  • Ignorieren von Bedürfnissen: Ignoriere die Bedürfnisse deines Gegenübers nicht, aber setze gleichzeitig gesunde Grenzen.
  • Perfektionismus: Erwarte nicht, dass sich dein Freund oder Partner perfekt verhält. Akzeptiere Rückschläge und feiere kleine Erfolge.

Fallbeispiel

Stell dir vor, deine Freundin Anna hat Borderline. Sie ruft dich mitten in der Nacht an und ist total verzweifelt, weil ihr Freund Schluss gemacht hat. Sie droht, sich etwas anzutun. Was tust du?

Was du vermeiden solltest:

  • "Stell dich nicht so an, das ist doch nicht so schlimm!" (Abwertung)
  • "Wenn du das tust, will ich nie wieder etwas mit dir zu tun haben!" (Drohung mit Verlassenwerden)

Was du stattdessen tun kannst:

  • Bleibe ruhig und versuche, Anna zu beruhigen.
  • Sage ihr, dass du für sie da bist und ihre Gefühle ernst nimmst.
  • Frage sie, ob sie professionelle Hilfe braucht (z.B. den Notruf).
  • Ermutige sie, ihre Skills anzuwenden (z.B. Atemübungen, Ablenkung).
  • Wenn du Angst hast, dass sie sich akut etwas antut, informiere den Notruf.

Es ist wichtig zu betonen, dass du in einer solchen Situation nicht alleine sein musst. Hole dir Unterstützung von Freunden, Familie oder dem psychiatrischen Notdienst.

Wo gibt es weitere Hilfe und Unterstützung?

Es gibt viele Anlaufstellen, die Menschen mit BPS und ihren Angehörigen Unterstützung anbieten:

  • Psychotherapeuten und Psychiater: Für eine Diagnose und Behandlung.
  • Selbsthilfegruppen: Für den Austausch mit anderen Betroffenen und Angehörigen.
  • Beratungsstellen: Für Informationen und Unterstützung.
  • Krisendienste: Für akute Krisensituationen.
  • Online-Foren und -Communities: Für den Austausch und die Vernetzung.

Einige nützliche Links:

Fazit

Der Umgang mit Menschen mit Borderline kann herausfordernd sein, aber auch sehr bereichernd. Mit Verständnis, Geduld und den richtigen Strategien kannst du eine wichtige Stütze sein. Vergiss dabei aber nie, auf dich selbst zu achten und dir Unterstützung zu holen, wenn du sie brauchst. Denk daran: Du bist nicht allein! Dein Engagement und deine Unterstützung können einen großen Unterschied im Leben eines Menschen mit BPS machen. Indem du dich informierst, Grenzen setzt, offen kommunizierst und zur Therapie ermutigst, hilfst du nicht nur deinem Gegenüber, sondern stärkst auch eure Beziehung. Und das ist unbezahlbar!

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