Wie Lange Muss Unterhalt Gezahlt Werden
Unterhalt ist eine finanzielle Unterstützung, die eine Person einer anderen schuldet. Wie lange muss Unterhalt gezahlt werden? Das hängt stark von der Art des Unterhalts und der individuellen Situation ab.
Kindesunterhalt
Für Kinder gilt: grundsätzlich bis zum Abschluss einer ersten berufsqualifizierenden Ausbildung. Das bedeutet in der Regel, bis ein Kind eine Lehre oder ein Studium erfolgreich beendet hat. Es gibt hier keine starre Altersgrenze von 18 Jahren. Auch nach dem 18. Geburtstag, also als volljähriges Kind, besteht weiterhin Unterhaltsanspruch, wenn das Kind sich noch in Ausbildung befindet und nicht selbst für seinen Lebensunterhalt sorgen kann.
Beispiel: Lisa macht mit 18 ihr Abitur. Danach studiert sie. Ihre Eltern müssen während ihres Studiums weiterhin Unterhalt zahlen. Bricht sie das Studium ab und beginnt keine neue Ausbildung, kann der Unterhaltsanspruch entfallen.
Aber: Ein Kind kann auch nach der ersten Ausbildung noch Unterhaltsanspruch haben, wenn es beispielsweise direkt im Anschluss ein Masterstudium beginnt und dieses eine sinnvolle Fortsetzung der vorherigen Ausbildung darstellt. Dies ist jedoch von Fall zu Fall zu prüfen.
Wichtig: Beide Elternteile sind unterhaltspflichtig, wobei in der Regel der Elternteil, bei dem das Kind lebt, seinen Unterhalt durch die Betreuung leistet. Der andere Elternteil zahlt den Barunterhalt, also den finanziellen Beitrag.
Sollte ein Kind nach Abschluss seiner Ausbildung arbeitslos sein, kann unter Umständen weiterhin ein Unterhaltsanspruch bestehen, jedoch nur für eine Übergangszeit. Das Kind muss sich aktiv um Arbeit bemühen.
Ehegattenunterhalt
Ehegattenunterhalt ist komplexer. Hier unterscheidet man zwischen Unterhalt während der Trennung und Unterhalt nach der Scheidung.
Trennungsunterhalt: Dieser wird ab der Trennung bis zur Rechtskraft der Scheidung gezahlt. Er soll den Lebensstandard während der Ehe aufrechterhalten. Die Dauer ist also durch den Zeitpunkt der Scheidung begrenzt.
Nachehelicher Unterhalt: Ob und wie lange nach der Scheidung Unterhalt gezahlt werden muss, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Grundsätzlich gilt: jeder Ehegatte ist nach der Scheidung für seinen eigenen Unterhalt verantwortlich. Es gibt aber Ausnahmen.
Gründe für nachehelichen Unterhalt können sein:
- Betreuungsunterhalt: Wenn ein Ehegatte ein gemeinsames Kind betreut und deshalb nicht arbeiten kann, besteht ein Anspruch auf Betreuungsunterhalt. Dieser kann je nach Alter des Kindes und individueller Situation zeitlich begrenzt sein.
- Krankheitsbedingter Unterhalt: Wenn ein Ehegatte aufgrund von Krankheit oder Behinderung nicht in der Lage ist, seinen Lebensunterhalt selbst zu bestreiten.
- Altersbedingter Unterhalt: Wenn ein Ehegatte aufgrund seines Alters keine angemessene Arbeit mehr finden kann.
- Erwerbslosenunterhalt: Wenn ein Ehegatte nach der Ehe keine angemessene Arbeit findet, obwohl er sich darum bemüht.
- Aufstockungsunterhalt: Wenn ein Ehegatte zwar arbeitet, aber sein Einkommen nicht ausreicht, um den ehelichen Lebensstandard aufrechtzuerhalten.
Die Dauer des nachehelichen Unterhalts ist individuell. Früher war er oft lebenslang, heute wird er in vielen Fällen befristet. Das Gericht prüft, ob und wann der unterhaltsberechtigte Ehegatte in der Lage ist, für sich selbst zu sorgen.
Beispiel: Anna und Paul lassen sich nach 20 Jahren Ehe scheiden. Anna hat während der Ehe die Kinder betreut und nicht gearbeitet. Sie ist 45 Jahre alt. Das Gericht kann ihr nachehelichen Unterhalt zusprechen, der aber zeitlich befristet ist, damit sie sich wieder in den Arbeitsmarkt integrieren kann.
Wichtig: Die Unterhaltspflicht kann sich ändern, wenn sich die Lebensumstände des Unterhaltsberechtigten oder des Unterhaltspflichtigen ändern. Beispielsweise, wenn der Unterhaltsberechtigte eine neue Arbeitsstelle findet oder der Unterhaltspflichtige weniger verdient.
Die Gesetze zum Unterhalt sind komplex. Es ist ratsam, sich von einem Anwalt beraten zu lassen, um die eigenen Rechte und Pflichten zu kennen.
