Wie Viel Verdient Ein Erzieher In Der Ausbildung
Die Frage nach dem Gehalt während der Ausbildung zum Erzieher/zur Erzieherin ist für viele angehende Fachkräfte von großer Bedeutung. Schließlich ist die Ausbildung oft mit finanziellen Belastungen verbunden, und das Einkommen spielt eine wesentliche Rolle bei der Gestaltung des Lebens während dieser Zeit. Dieser Artikel beleuchtet, wie viel ein Erzieher/eine Erzieherin in der Ausbildung verdient, welche Faktoren das Gehalt beeinflussen und welche Unterschiede es zwischen den verschiedenen Ausbildungsmodellen gibt. Wir werden uns sowohl die schulische als auch die praxisintegrierte Ausbildung (PIA) genauer ansehen und anhand von Beispielen und Daten ein möglichst umfassendes Bild vermitteln.
Verdienst während der schulischen Ausbildung
Die klassische schulische Ausbildung zum Erzieher/zur Erzieherin findet in der Regel an einer Fachschule oder einem Berufskolleg statt. Im Gegensatz zur dualen Ausbildung, bei der man von Anfang an in einem Betrieb arbeitet und dafür bezahlt wird, ist die schulische Ausbildung meistens unbezahlt. Das bedeutet, dass die Auszubildenden in der Regel kein Gehalt von der Schule oder einer Einrichtung erhalten.
Warum ist das so? Die schulische Ausbildung konzentriert sich primär auf die Vermittlung theoretischer Kenntnisse und praktischer Fähigkeiten in Form von Unterricht, Projekten und Praktika. Die Praktika, die während der Ausbildung absolviert werden, sind oft unentgeltlich oder werden nur mit einer geringen Aufwandsentschädigung vergütet.
Möglichkeiten der finanziellen Unterstützung
Obwohl die schulische Ausbildung in der Regel unbezahlt ist, gibt es verschiedene Möglichkeiten, finanzielle Unterstützung zu erhalten:
- BAföG (Bundesausbildungsförderungsgesetz): Auszubildende in der schulischen Ausbildung können unter bestimmten Voraussetzungen BAföG beantragen. Die Höhe des BAföG richtet sich nach dem Einkommen und Vermögen der Eltern sowie nach dem eigenen Einkommen und Vermögen.
- Kindergeld: Solange die Ausbildung als Erstausbildung gilt und bestimmte Altersgrenzen nicht überschritten werden, haben die Eltern in der Regel Anspruch auf Kindergeld.
- Wohngeld: Wenn die Kosten für Miete und Nebenkosten einen bestimmten Anteil des Einkommens übersteigen, kann Wohngeld beantragt werden.
- Nebenjob: Viele Auszubildende nehmen einen Nebenjob an, um ihren Lebensunterhalt zu finanzieren. Dabei ist jedoch zu beachten, dass die Arbeitszeiten den Ausbildungserfolg nicht gefährden dürfen.
- Stipendien: Es gibt verschiedene Stiftungen und Organisationen, die Stipendien an Auszubildende vergeben. Die Kriterien für die Vergabe von Stipendien sind unterschiedlich, es lohnt sich aber, sich über die verschiedenen Möglichkeiten zu informieren.
Beispiel: Schulische Ausbildung und BAföG
Nehmen wir an, eine Auszubildende absolviert eine schulische Ausbildung zur Erzieherin in Nordrhein-Westfalen. Sie wohnt nicht mehr bei ihren Eltern und hat kein eigenes Einkommen. Ihre Eltern haben ein durchschnittliches Einkommen. In diesem Fall hat sie möglicherweise Anspruch auf BAföG. Die genaue Höhe des BAföG hängt von den individuellen Umständen ab, könnte aber beispielsweise 500 bis 800 Euro pro Monat betragen. Hinzu kommt gegebenenfalls Kindergeld. Mit diesen Mitteln und einem kleinen Nebenjob kann sie ihren Lebensunterhalt während der Ausbildung bestreiten.
Verdienst während der praxisintegrierten Ausbildung (PIA)
Die praxisintegrierte Ausbildung (PIA) ist ein relativ neues Ausbildungsmodell, das in den letzten Jahren immer beliebter geworden ist. Im Gegensatz zur schulischen Ausbildung erhalten Auszubildende während der PIA ein Gehalt, da sie von Anfang an in einer Einrichtung arbeiten und praktische Erfahrungen sammeln. Die PIA kombiniert theoretischen Unterricht an einer Fachschule mit praktischer Arbeit in einer Kita, einem Kindergarten oder einer anderen sozialpädagogischen Einrichtung.
Höhe des Gehalts in der PIA
Die Höhe des Gehalts während der PIA ist nicht einheitlich geregelt und kann je nach Bundesland, Träger der Einrichtung und Tarifvertrag variieren. In der Regel orientiert sich das Gehalt jedoch an den tariflichen Vereinbarungen für Auszubildende im öffentlichen Dienst oder im kirchlichen Bereich.
Als Richtwert können folgende Gehaltsspannen dienen (Stand 2024, monatlich brutto):
- 1. Ausbildungsjahr: ca. 1.100 bis 1.250 Euro
- 2. Ausbildungsjahr: ca. 1.200 bis 1.350 Euro
- 3. Ausbildungsjahr: ca. 1.300 bis 1.450 Euro
Es ist wichtig zu beachten, dass dies nur ungefähre Angaben sind. Die tatsächliche Höhe des Gehalts kann abweichen. Es empfiehlt sich, sich vor Beginn der Ausbildung genau über die Gehaltsbedingungen zu informieren.
Faktoren, die das Gehalt in der PIA beeinflussen
Verschiedene Faktoren können die Höhe des Gehalts während der PIA beeinflussen:
- Bundesland: Die Gehälter im öffentlichen Dienst sind in den verschiedenen Bundesländern unterschiedlich.
- Träger der Einrichtung: Kommunale Einrichtungen zahlen in der Regel nach Tarifvertrag, während private Träger möglicherweise niedrigere Gehälter zahlen. Kirchliche Träger orientieren sich oft an den kirchlichen Tarifverträgen (z.B. AVR).
- Tarifvertrag: Wenn die Einrichtung an einen Tarifvertrag gebunden ist, richtet sich das Gehalt nach den dort festgelegten Bestimmungen.
- Individuelle Vereinbarungen: In einigen Fällen können individuelle Vereinbarungen zwischen dem Auszubildenden und der Einrichtung getroffen werden, die das Gehalt beeinflussen.
- Vorherige Ausbildung/Berufserfahrung: Unter Umständen kann vorherige Ausbildung oder Berufserfahrung bei der Einstufung des Gehalts berücksichtigt werden.
Beispiel: PIA in Bayern
Eine Auszubildende absolviert die PIA in einer städtischen Kita in Bayern. Die Kita ist an den Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVöD) gebunden. In diesem Fall erhält sie ein Gehalt, das sich an den entsprechenden tariflichen Bestimmungen orientiert. Im ersten Ausbildungsjahr könnte ihr Gehalt beispielsweise ca. 1.150 Euro brutto betragen. Davon werden noch Steuern und Sozialversicherungsbeiträge abgezogen, sodass ihr ein Netto-Gehalt von etwa 900 Euro verbleibt. Mit diesem Geld kann sie einen Teil ihrer Lebenshaltungskosten decken.
Vergleich: Schulische Ausbildung vs. PIA
Der größte Unterschied zwischen der schulischen Ausbildung und der PIA liegt in der finanziellen Vergütung. Während die schulische Ausbildung in der Regel unbezahlt ist, erhalten Auszubildende in der PIA ein Gehalt. Dies ist ein wesentlicher Vorteil der PIA, da die Auszubildenden finanziell unabhängiger sind und ihren Lebensunterhalt besser bestreiten können.
Vorteile der schulischen Ausbildung:
- Umfassende theoretische Ausbildung
- Möglichkeit, BAföG zu beantragen
Nachteile der schulischen Ausbildung:
- Kein Gehalt
- Finanzielle Belastung
Vorteile der PIA:
- Gehalt während der Ausbildung
- Frühzeitige praktische Erfahrungen
- Gute Chancen auf Übernahme nach der Ausbildung
Nachteile der PIA:
- Hohe Arbeitsbelastung (Kombination aus Schule und Arbeit)
- Möglicherweise weniger Zeit für Freizeit und Erholung
Nach der Ausbildung: Das Gehalt als Erzieher/in
Es ist wichtig, nicht nur auf das Gehalt während der Ausbildung zu schauen, sondern auch auf das Gehalt, das man nach erfolgreichem Abschluss der Ausbildung als Erzieher/in erwarten kann. Auch hier gibt es Unterschiede je nach Bundesland, Träger der Einrichtung und Tarifvertrag.
Das Einstiegsgehalt für Erzieher/innen liegt in der Regel zwischen 2.500 und 3.200 Euro brutto pro Monat. Mit zunehmender Berufserfahrung und Weiterbildungen kann das Gehalt auf 3.500 Euro brutto oder mehr steigen. Leitende Positionen, wie z.B. die Leitung einer Kita, werden in der Regel höher vergütet.
Beispiel: Eine Erzieherin arbeitet seit 5 Jahren in einer städtischen Kita in Baden-Württemberg. Sie hat eine Weiterbildung zur Fachkraft für Inklusion absolviert. Ihr Gehalt könnte in diesem Fall ca. 3.300 Euro brutto betragen.
Fazit
Die Frage nach dem Gehalt während der Ausbildung zum Erzieher/zur Erzieherin ist komplex und hängt von verschiedenen Faktoren ab. Während die schulische Ausbildung in der Regel unbezahlt ist, bietet die praxisintegrierte Ausbildung (PIA) die Möglichkeit, ein Gehalt zu erhalten. Es ist wichtig, sich vor Beginn der Ausbildung genau über die verschiedenen Ausbildungsmodelle und die damit verbundenen finanziellen Bedingungen zu informieren. Neben dem Gehalt während der Ausbildung sollte man auch die Berufsaussichten und das Gehalt nach der Ausbildung berücksichtigen. Der Beruf des Erziehers/der Erzieherin ist eine wichtige und sinnvolle Tätigkeit, die jedoch auch mit Verantwortung und Engagement verbunden ist.
Empfehlung: Informieren Sie sich gründlich über die verschiedenen Ausbildungsmodelle, sprechen Sie mit Erziehern/innen und Auszubildenden, und wägen Sie die Vor- und Nachteile der einzelnen Modelle ab, bevor Sie eine Entscheidung treffen. Nutzen Sie die Beratungsangebote der Berufsberatung und der Fachschulen, um sich umfassend zu informieren und die für Sie passende Ausbildung zu finden.
