Wie Viele Urlaubstage Hat Ein Azubi über 18
Du hast deinen Ausbildungsvertrag unterschrieben, bist über 18 und freust dich auf deine Ausbildung? Glückwunsch! Neben all den neuen Eindrücken, Herausforderungen und Lerninhalten ist natürlich auch die Frage wichtig: Wie viele Urlaubstage stehen mir eigentlich zu? Das ist ein Thema, das viele Auszubildende beschäftigt, und die Antwort ist nicht immer ganz einfach.
Der gesetzliche Rahmen: Das Bundesurlaubsgesetz
Die Grundlage für deinen Urlaubsanspruch bildet das Bundesurlaubsgesetz (BUrlG). Dieses Gesetz regelt den Mindesturlaub für alle Arbeitnehmer, also auch für Auszubildende. Wichtig zu wissen: Das BUrlG ist eine Art "Auffangnetz". Es legt den absoluten Mindesturlaub fest, den du auf jeden Fall hast. Mehr Urlaub ist immer möglich, weniger allerdings nicht!
Das BUrlG spricht von Werktagen, und hier liegt oft schon das erste Missverständnis. Werktage sind alle Tage außer Sonn- und Feiertage. Das bedeutet, dass eine 6-Tage-Woche (Montag bis Samstag) zugrunde gelegt wird.
Der gesetzliche Mindesturlaub beträgt:
- 24 Werktage bei einer 6-Tage-Woche
- 20 Werktage bei einer 5-Tage-Woche
Aber Achtung: Das gilt nur für volljährige Auszubildende! Für minderjährige Azubis gelten andere Regeln (siehe unten).
Der Tarifvertrag: Oft mehr als das Minimum
Das Bundesurlaubsgesetz legt also nur den Mindesturlaub fest. In vielen Branchen und Betrieben gibt es aber sogenannte Tarifverträge. Diese Verträge werden zwischen Arbeitgeberverbänden und Gewerkschaften ausgehandelt und regeln unter anderem auch den Urlaubsanspruch.
Tarifverträge sind oft großzügiger als das BUrlG und bieten dir als Azubi mehr Urlaubstage. Es lohnt sich also, einen Blick in den Tarifvertrag deiner Branche zu werfen oder deinen Ausbilder danach zu fragen. Typische Beispiele: Metall- und Elektroindustrie, Chemiebranche, öffentlicher Dienst. Hier sind oft 30 Urlaubstage oder sogar mehr üblich.
Beispiel: Ein Azubi in der Metall- und Elektroindustrie arbeitet in einer 5-Tage-Woche. Der Tarifvertrag sieht 30 Urlaubstage vor. Er hat also Anspruch auf 30 Urlaubstage, auch wenn das BUrlG nur 20 vorsehen würde.
Der Ausbildungsvertrag: Was steht drin?
Auch dein Ausbildungsvertrag ist wichtig! Er sollte explizit deinen Urlaubsanspruch regeln. Steht dort eine höhere Anzahl an Urlaubstagen als im BUrlG, so gilt diese Vereinbarung. Der Ausbildungsvertrag darf dich aber nicht schlechter stellen als das Gesetz oder ein geltender Tarifvertrag.
Manchmal steht im Ausbildungsvertrag nur "gesetzlicher Urlaubsanspruch". In diesem Fall musst du dich an den Vorgaben des Bundesurlaubsgesetzes orientieren, sofern kein Tarifvertrag greift.
Sonderfall: Minderjährige Auszubildende (unter 18)
Für minderjährige Auszubildende gelten besondere Schutzbestimmungen, die im Jugendarbeitsschutzgesetz (JArbSchG) festgelegt sind. Auch beim Urlaubsanspruch gibt es Unterschiede zum BUrlG:
Der gesetzliche Mindesturlaub für Jugendliche beträgt (bei einer 6-Tage-Woche):
- Mindestens 30 Werktage, wenn der Jugendliche zu Beginn des Kalenderjahres noch nicht 16 Jahre alt ist.
- Mindestens 27 Werktage, wenn der Jugendliche zu Beginn des Kalenderjahres noch nicht 17 Jahre alt ist.
- Mindestens 25 Werktage, wenn der Jugendliche zu Beginn des Kalenderjahres noch nicht 18 Jahre alt ist.
Bei einer 5-Tage-Woche reduziert sich der Urlaubsanspruch entsprechend. Auch hier gilt: Tarifverträge können großzügigere Regelungen treffen.
Urlaubsplanung: Wann kann ich meinen Urlaub nehmen?
Grundsätzlich hast du das Recht, deinen Urlaubswunsch zu äußern. Dein Arbeitgeber muss diesen aber nicht immer erfüllen. Er kann betriebliche Gründe geltend machen, die gegen deinen Urlaubswunsch sprechen (z.B. Personalmangel, wichtige Aufträge).
Wichtig ist, dass du deinen Urlaub rechtzeitig planst und mit deinem Ausbilder besprichst. Schulferien sollten bei der Planung berücksichtigt werden, da viele Betriebe Azubis mit schulpflichtigen Kindern bevorzugen.
Einige wichtige Punkte zur Urlaubsplanung:
- Urlaub sollte möglichst zusammenhängend genommen werden (mindestens 12 Werktage).
- Dein Arbeitgeber muss dir deinen Urlaub gewähren, damit du dich erholen kannst.
- Du darfst während deines Urlaubs keiner Erwerbstätigkeit nachgehen, die dem Urlaubszweck widerspricht.
- Nicht genommener Urlaub verfällt in der Regel am Ende des Kalenderjahres oder spätestens am 31. März des Folgejahres. Sprich mit deinem Ausbilder, falls du deinen Urlaub nicht nehmen konntest.
Was tun, wenn es Probleme gibt?
Manchmal kommt es vor, dass der Urlaubsanspruch nicht korrekt berechnet wird oder der Arbeitgeber den Urlaub verweigert. In solchen Fällen solltest du zunächst das Gespräch mit deinem Ausbilder suchen. Oft lassen sich Probleme im direkten Gespräch lösen.
Wenn das nicht hilft, kannst du dich an die Jugend- und Auszubildendenvertretung (JAV) in deinem Betrieb wenden, sofern es eine gibt. Die JAV vertritt die Interessen der Auszubildenden und kann dir bei Problemen helfen.
Auch die Gewerkschaft (falls du Mitglied bist) oder die Industrie- und Handelskammer (IHK) bzw. die Handwerkskammer (HWK) können dir weiterhelfen. Sie bieten oft Beratungsangebote für Auszubildende an.
Zusammenfassung: So ermittelst du deinen Urlaubsanspruch
- Prüfe dein Alter: Bist du minderjährig (unter 18) oder volljährig?
- Schaue in deinen Ausbildungsvertrag: Ist dein Urlaubsanspruch dort explizit geregelt?
- Gibt es einen Tarifvertrag? Wenn ja, welche Urlaubsregelung gilt dort?
- Berücksichtige das Bundesurlaubsgesetz: Es legt den gesetzlichen Mindesturlaub fest.
- Vergiss das Jugendarbeitsschutzgesetz nicht: Für minderjährige Azubis gelten besondere Regeln.
Die Anzahl der Urlaubstage eines Azubis über 18 Jahre wird hauptsächlich durch den Tarifvertrag und den Arbeitsvertrag bestimmt. Das Bundesurlaubsgesetz stellt hier nur das absolute Minimum dar. Die konkrete Anzahl kann also von Betrieb zu Betrieb stark variieren. Informiere dich am besten gleich zu Beginn deiner Ausbildung, damit du deinen Urlaub optimal planen kannst!
Urlaub ist wichtig!
Vergiss nicht: Urlaub dient der Erholung und Regeneration. Er ist wichtig, um neue Energie zu tanken und motiviert in den Arbeitsalltag zurückzukehren. Nutze deine Urlaubstage also sinnvoll und sorge für eine gute Work-Life-Balance.
Hast du schon deinen nächsten Urlaub geplant? Welche Erfahrungen hast du mit der Urlaubsplanung in deiner Ausbildung gemacht?
