Wie Von Der Tarantel Gestochen
Was bedeutet "Wie von der Tarantel gestochen"?
Stell dir vor, jemand benimmt sich plötzlich sehr aufgeregt, unruhig und irrational. Er springt herum, gestikuliert wild und redet vielleicht wirres Zeug. Es wirkt, als hätte er den Verstand verloren. In solchen Fällen könnte man im Deutschen sagen: "Der ist ja wie von der Tarantel gestochen!"
Es ist eine Redewendung. Sie beschreibt einen Zustand großer Aufregung. Diese Aufregung kommt oft plötzlich und scheint unkontrollierbar zu sein. Die Redewendung hat eine interessante Geschichte, auf die wir gleich eingehen werden.
Die Tarantel und ihre Geschichte
Was ist eigentlich eine Tarantel? Eine Tarantel ist eine große Spinne. Sie ist bekannt für ihre haarigen Beine. Früher glaubte man, dass der Biss einer Tarantel eine Krankheit auslösen konnte. Diese Krankheit nannte man Tarantismus.
Man glaubte, dass der Tarantismus nur durch einen wilden Tanz geheilt werden konnte. Dieser Tanz hieß Tarantella. Die Tarantella ist ein schneller, lebhafter Volkstanz aus Süditalien. Die Musik und die Bewegung sollten das Gift der Tarantel aus dem Körper treiben.
Der Tarantismus und die Tarantella
Der Tarantismus war also eine angebliche Krankheit. Sie wurde durch den Biss einer Tarantel verursacht. Die Tarantella war die "Heilung". Durch wildes Tanzen sollte das Gift aus dem Körper ausgeschwitzt werden. Man muss aber wissen: Der Biss einer europäischen Tarantel ist nicht gefährlich. Die Symptome des Tarantismus waren wahrscheinlich eher psychologischer Natur.
Die Leute haben die Symptome des Tarantismus real empfunden. Sie haben tatsächlich getanzt. Die Tarantella wurde zu einem festen Bestandteil der südeuropäischen Folklore. Der Glaube an die heilende Wirkung des Tanzes war weit verbreitet.
Wie sich die Redewendung entwickelt hat
Der Zusammenhang zwischen dem Tarantel-Biss, dem Tarantismus und der Tarantella hat zur Entstehung der Redewendung geführt. Die Vorstellung, dass ein Tarantel-Biss zu wilden, unkontrollierten Zuckungen führt, hat sich im Sprachgebrauch festgesetzt. So entstand die Redewendung: "Wie von der Tarantel gestochen sein".
Heutzutage verwenden wir die Redewendung, ohne an Spinnenbisse oder Tänze zu denken. Es geht vielmehr um den Zustand extremer Aufregung. Wir verwenden sie, um jemanden zu beschreiben, der sich irrational und unkontrolliert verhält. Die eigentliche Ursache der Aufregung spielt dabei keine Rolle.
Beispiele aus dem Alltag
Stell dir vor, dein Freund erfährt überraschend, dass er im Lotto gewonnen hat. Er springt auf und ab, schreit vor Freude und kann sich kaum beruhigen. Du könntest sagen: "Der ist ja wie von der Tarantel gestochen!" Seine Reaktion ist übertrieben und unkontrolliert.
Ein anderes Beispiel: Ein Schüler erfährt kurz vor einer wichtigen Prüfung, dass er diese vergessen hat. Er rennt panisch durch die Gegend, sucht verzweifelt nach seinen Unterlagen und ist völlig aufgelöst. Auch hier könnte man sagen: "Der ist wie von der Tarantel gestochen!". Die Angst und Panik haben ihn außer Rand und Band gebracht.
Zusammenfassung
Die Redewendung "Wie von der Tarantel gestochen" beschreibt einen Zustand extremer Aufregung und Unruhe. Sie stammt von dem alten Glauben, dass ein Tarantel-Biss die Krankheit Tarantismus auslöst. Diese konnte angeblich nur durch den wilden Tanz der Tarantella geheilt werden. Heute verwenden wir die Redewendung, um jemanden zu beschreiben, der sich irrational und unkontrolliert verhält, unabhängig von der Ursache seiner Aufregung.
Merke dir: Wenn jemand plötzlich ausrastet, panisch reagiert oder völlig überdreht ist, dann ist er vielleicht "wie von der Tarantel gestochen". Du kennst jetzt die Bedeutung und die interessante Geschichte dieser Redewendung. Du kannst sie in Zukunft selbst verwenden, um solche Situationen treffend zu beschreiben.
