Wie Wird Eine Schilddrüsenunterfunktion Festgestellt
Eine Schilddrüsenunterfunktion, auch bekannt als Hypothyreose, entsteht, wenn die Schilddrüse nicht genügend Schilddrüsenhormone produziert. Diese Hormone (hauptsächlich Trijodthyronin (T3) und Thyroxin (T4)) sind entscheidend für die Steuerung vieler Körperfunktionen, einschließlich Stoffwechsel, Energieproduktion und Herzfrequenz. Wenn die Schilddrüse unteraktiv ist, verlangsamen sich diese Prozesse, was zu einer Vielzahl von Symptomen führen kann.
Die Diagnose einer Schilddrüsenunterfunktion erfolgt in der Regel in mehreren Schritten, die darauf abzielen, sowohl die Symptome zu bewerten als auch die Hormonspiegel im Blut zu messen.
Schritt 1: Erkennen der Symptome
Die Symptome einer Schilddrüsenunterfunktion können vielfältig und unspezifisch sein, was die Diagnose erschweren kann. Es ist wichtig, auf mehrere Anzeichen gleichzeitig zu achten und diese mit einem Arzt zu besprechen. Hier sind einige häufige Symptome:
- Müdigkeit und Erschöpfung: Ein ständiges Gefühl der Müdigkeit, selbst nach ausreichend Schlaf.
- Gewichtszunahme: Schwierigkeiten beim Abnehmen oder eine unerklärliche Gewichtszunahme.
- Kälteempfindlichkeit: Überempfindlichkeit gegenüber Kälte, selbst in warmen Umgebungen.
- Verstopfung: Verlangsamte Darmfunktion, die zu Verstopfung führt.
- Trockene Haut und Haare: Die Haut kann trocken und schuppig werden, die Haare brüchig und dünn.
- Muskelschwäche und -schmerzen: Allgemeine Muskelschwäche oder Schmerzen in den Muskeln und Gelenken.
- Depressionen: Gefühle der Traurigkeit, Hoffnungslosigkeit oder Verlust des Interesses an Aktivitäten.
- Konzentrationsschwierigkeiten: Probleme, sich zu konzentrieren oder sich Dinge zu merken.
- Brüchige Nägel: Die Nägel werden dünner und brechen leichter.
- Heisere Stimme: Veränderung der Stimme.
Beispiel: Jemand, der seit Wochen ungewöhnlich müde ist, an Gewicht zugenommen hat, obwohl er seine Ernährung nicht geändert hat, und ständig friert, könnte eine Schilddrüsenunterfunktion haben.
Schritt 2: Ärztliche Untersuchung und Anamnese
Der nächste Schritt ist ein Besuch beim Arzt. Dieser wird eine gründliche Anamnese (Erhebung der Krankengeschichte) durchführen und nach den oben genannten Symptomen fragen. Auch familiäre Vorbelastungen mit Schilddrüsenerkrankungen sind wichtig.
Die körperliche Untersuchung kann ebenfalls Hinweise liefern. Der Arzt wird die Schilddrüse abtasten, um festzustellen, ob sie vergrößert oder knotig ist. Auch die Herzfrequenz und der Blutdruck werden gemessen.
Beispiel: Der Arzt fragt: "Haben Sie in letzter Zeit unerklärliche Gewichtszunahme bemerkt? Fühlen Sie sich oft müde? Ist Ihnen oft kalt, auch wenn andere sich wohlfühlen?"
Schritt 3: Blutuntersuchungen
Die wichtigste Methode zur Feststellung einer Schilddrüsenunterfunktion ist die Blutuntersuchung. Dabei werden die Schilddrüsenhormonspiegel gemessen. Die relevantesten Werte sind:
- TSH (Thyreoidea-stimulierendes Hormon): TSH wird von der Hirnanhangsdrüse produziert und stimuliert die Schilddrüse zur Hormonproduktion. Ein erhöhter TSH-Wert deutet in der Regel auf eine Schilddrüsenunterfunktion hin, da die Hirnanhangsdrüse versucht, die Schilddrüse zur Produktion von mehr Hormonen anzuregen.
- Freies T4 (freies Thyroxin): Das freie T4 ist der aktive Teil des T4 Hormons. Ein niedriger Wert deutet auf eine Schilddrüsenunterfunktion hin.
- Freies T3 (freies Trijodthyronin): Das freie T3 ist das aktivste Schilddrüsenhormon. In manchen Fällen kann auch der T3-Wert gemessen werden, um die Diagnose zu unterstützen.
- Anti-TPO-Antikörper (Thyreoperoxidase-Antikörper): Diese Antikörper können bei Autoimmunerkrankungen wie Hashimoto-Thyreoiditis erhöht sein, der häufigsten Ursache für Hypothyreose.
Beispiel: Ein TSH-Wert von 6 mU/l (Referenzbereich z.B. 0.4 - 4.0 mU/l) und ein freier T4-Wert unterhalb des Normbereichs bestätigen in der Regel die Diagnose einer Schilddrüsenunterfunktion.
Schritt 4: Weitere Untersuchungen (in seltenen Fällen)
In einigen seltenen Fällen können weitere Untersuchungen notwendig sein, um die Ursache der Schilddrüsenunterfunktion zu ermitteln. Dazu gehören:
- Schilddrüsen-Sonographie (Ultraschall): Zur Beurteilung der Struktur der Schilddrüse und zum Ausschluss von Knoten oder anderen Auffälligkeiten.
- Schilddrüsen-Szintigraphie: Zur Beurteilung der Funktion der Schilddrüse. Dabei wird eine radioaktive Substanz injiziert und die Aufnahme in die Schilddrüse gemessen.
Beispiel: Wenn die Blutuntersuchung auf eine Autoimmunerkrankung hinweist, kann ein Ultraschall helfen, die Schilddrüse genauer zu beurteilen.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Diagnose einer Schilddrüsenunterfunktion auf der Kombination aus Symptomerkennung, ärztlicher Untersuchung und vor allem Blutuntersuchungen basiert. Eine frühzeitige Diagnose und Behandlung mit Schilddrüsenhormonen kann die Symptome lindern und schwerwiegende Komplikationen verhindern.
