Zahlt Man Steuern In Der Ausbildung
Stehst du kurz vor dem Start deiner Ausbildung und fragst dich, ob du Steuern zahlen musst? Das ist eine absolut berechtigte Frage! Der deutsche Steuerdschungel kann gerade für junge Menschen verwirrend sein. Viele angehende Azubis sind unsicher, ob und wie viel von ihrem Ausbildungsgehalt an den Staat geht. Keine Sorge, wir bringen Licht ins Dunkel und erklären dir alles, was du über Steuern in der Ausbildung wissen musst.
Grundlegendes zur Steuerpflicht in der Ausbildung
Zunächst einmal: Ja, auch als Auszubildender bist du grundsätzlich steuerpflichtig. Das bedeutet, dass dein Einkommen, also deine Ausbildungsvergütung, versteuert werden kann. Allerdings heißt das noch lange nicht, dass du auch tatsächlich Steuern zahlen musst. Ob du Steuern zahlst, hängt von verschiedenen Faktoren ab, vor allem von der Höhe deiner Ausbildungsvergütung.
Die Lohnsteuer: Dein erster Kontakt mit dem Finanzamt
Die Lohnsteuer ist die Steuer, die direkt von deinem Gehalt abgezogen wird. Dein Arbeitgeber führt sie automatisch an das Finanzamt ab. Ob und wie viel Lohnsteuer abgezogen wird, hängt von deiner Steuerklasse und der Höhe deines Bruttogehalts ab.
Wichtig: Auch wenn Lohnsteuer abgeführt wird, bedeutet das nicht zwangsläufig, dass du diese auch tatsächlich endgültig zahlen musst. Durch die jährliche Einkommensteuererklärung kannst du dir unter Umständen einen Teil oder sogar die gesamte Lohnsteuer zurückholen.
Wann zahlt man Steuern in der Ausbildung?
Die entscheidende Frage ist: Ab welcher Einkommenshöhe werden Steuern fällig? Hier kommt der Grundfreibetrag ins Spiel. Der Grundfreibetrag ist der Betrag, bis zu dem dein Einkommen steuerfrei bleibt. Er wird jedes Jahr neu festgelegt. Für das Jahr 2023 betrug der Grundfreibetrag beispielsweise 10.908 Euro. Für das Jahr 2024 wurde er auf 11.604 Euro angehoben. (Quelle: Bundesministerium der Finanzen)
Das bedeutet konkret: Wenn dein gesamtes Jahreseinkommen (also alle Einkünfte, nicht nur deine Ausbildungsvergütung) unter dem Grundfreibetrag liegt, zahlst du keine Einkommensteuer. Liegt es darüber, werden Steuern fällig.
Beispiel: Dein Brutto-Ausbildungsgehalt beträgt 900 Euro im Monat. Das macht ein Jahreseinkommen von 10.800 Euro. Da dieser Betrag unter dem Grundfreibetrag für 2023 liegt, musst du keine Einkommensteuer zahlen. Auch wenn dein Arbeitgeber vielleicht Lohnsteuer abgeführt hat, bekommst du diese mit der Einkommensteuererklärung zurück.
Weitere Faktoren, die deine Steuerlast beeinflussen
Neben dem Grundfreibetrag gibt es noch weitere Faktoren, die deine Steuerlast beeinflussen können:
- Steuerklasse: Deine Steuerklasse bestimmt, wie viel Lohnsteuer von deinem Gehalt abgezogen wird. Die meisten Auszubildenden fallen in die Steuerklasse I, wenn sie ledig sind und keine Kinder haben.
- Freibeträge: Du kannst bestimmte Ausgaben als Freibeträge in deiner Steuererklärung geltend machen. Dazu gehören beispielsweise Werbungskosten (z.B. Fahrtkosten zur Berufsschule, Arbeitsmittel), Sonderausgaben (z.B. Spenden) und außergewöhnliche Belastungen (z.B. Krankheitskosten).
- Krankenversicherung und Sozialversicherungsbeiträge: Diese Beiträge werden ebenfalls von deinem Bruttogehalt abgezogen. Sie sind aber keine Steuern, sondern Beiträge zur Sozialversicherung.
Die Einkommensteuererklärung: Dein Schlüssel zur Steuererstattung
Auch wenn dein Einkommen unter dem Grundfreibetrag liegt, solltest du eine Einkommensteuererklärung abgeben. Warum? Weil du dadurch die bereits gezahlte Lohnsteuer zurückbekommen kannst. Die Einkommensteuererklärung ist im Grunde eine Abrechnung mit dem Finanzamt. Du gibst an, wie viel du im Laufe des Jahres verdient hast und welche Ausgaben du hattest, die deine Steuerlast mindern. Das Finanzamt prüft dann, ob du zu viel Lohnsteuer gezahlt hast und erstattet dir den Differenzbetrag.
Wie funktioniert die Einkommensteuererklärung?
Die Einkommensteuererklärung kannst du entweder online über das Portal ELSTER (Elektronische Steuererklärung) oder in Papierform abgeben. ELSTER ist die offizielle Software des Finanzamts und bietet dir eine benutzerfreundliche Oberfläche, um deine Steuererklärung auszufüllen. Es gibt auch kommerzielle Steuersoftware, die dir bei der Erstellung der Steuererklärung helfen kann.
Tipp: Nutze die ELSTER-Formulare oder eine Steuersoftware. Sie führen dich Schritt für Schritt durch die Steuererklärung und helfen dir, keine wichtigen Angaben zu vergessen.
Welche Unterlagen brauchst du für die Steuererklärung?
Für die Einkommensteuererklärung benötigst du in der Regel folgende Unterlagen:
- Lohnsteuerbescheinigung: Diese erhältst du von deinem Arbeitgeber. Sie enthält alle wichtigen Informationen zu deinem Einkommen und den abgeführten Steuern.
- Belege über deine Ausgaben: Sammle alle Belege über Ausgaben, die du als Freibeträge geltend machen möchtest (z.B. Fahrtkosten, Arbeitsmittel, Spenden).
- Deine Sozialversicherungsnummer: Diese Nummer benötigst du, um dich bei ELSTER zu registrieren.
Beispielrechnung: Wann lohnt sich die Steuererklärung wirklich?
Nehmen wir an, du verdienst während deiner Ausbildung durchschnittlich 850 Euro brutto im Monat. Das macht ein Jahreseinkommen von 10.200 Euro. Die abgeführte Lohnsteuer beträgt insgesamt 300 Euro. Du hast aber auch Ausgaben für Fahrtkosten zur Berufsschule (500 Euro) und Arbeitsmittel (200 Euro). Diese kannst du als Werbungskosten geltend machen.
Ohne Berücksichtigung der Werbungskosten läge dein zu versteuerndes Einkommen bei 10.200 Euro. Da dieser Betrag unter dem Grundfreibetrag liegt, müsstest du keine Einkommensteuer zahlen. Durch die Werbungskosten reduziert sich dein zu versteuerndes Einkommen aber auf 9.500 Euro. Dadurch hast du einen Anspruch auf die Erstattung der gesamten Lohnsteuer in Höhe von 300 Euro.
Merke: Auch kleine Beträge können sich summieren und zu einer Steuererstattung führen. Es lohnt sich also fast immer, eine Einkommensteuererklärung abzugeben.
Fazit: Steuerpflicht in der Ausbildung – kein Grund zur Panik!
Auch wenn das Thema Steuern am Anfang kompliziert erscheinen mag, ist es eigentlich ganz einfach. Als Auszubildender bist du zwar grundsätzlich steuerpflichtig, aber ob du tatsächlich Steuern zahlst, hängt von der Höhe deines Einkommens und deinen Ausgaben ab. Nutze den Grundfreibetrag und die Möglichkeit, Ausgaben als Freibeträge geltend zu machen. Und vergiss nicht: Eine Einkommensteuererklärung lohnt sich fast immer!
"Die Steuererklärung ist wie ein Geschenk vom Staat – man muss es nur abholen!" – Ein Steuerberater
Lass dich nicht entmutigen! Es gibt viele Ressourcen, die dir bei der Erstellung deiner Steuererklärung helfen können. Und wenn du dir unsicher bist, scheue dich nicht, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Viel Erfolg bei deiner Ausbildung!
